Kategorie: Satirisches (Seite 1 von 2)

Freitag, der schönste Tag der Woche

Schon seit einer gefühlten Ewigkeit wartet der Mann im Büro auf den ersehnten Feierabend, auf das Wochenende und auf ein eiskaltes Bier. Es sind noch knapp 30 Minuten, die verstreichen müssen, bis die Klappe fällt. Nichts kann ihn hier auch nur eine Minute längere halten, denkt er verharrt regungslos auf seinen Bürostuhl und glotz gedankenverloren ins Dekolleté seiner Kollegin, die ihm gegenüber sitzt und mit spitzen Fingern auf die Tastatur einhämmert als gäbe es kein Morgen mehr. Nur wiederwillig löst er seinen Blick von den Titten der Kollegin, kratzt sich durch die Innentaschen seiner Hose ungeniert am Sack und denkt: „Auch die wird die ungeschriebene Gesetze, die einem den Alltag im Büro erträglicher machen noch lernen.“

Endlich hat er es geschafft. Die Zeiger auf seiner nostalgisch anmutenden Armbanduhr aus dem Hause Festina, zeigen genau 13 Uhr. Die Tage Montag bis Donnerstag sind arbeitsreich und gespickt mit Konferenzen und Terminen aber der Freitag ist da, um die Woche ausklingen zu lassen und früher in das Wochenende zu gehen. Komme was wolle. Da führt kein Weg dran vorbei. Der altersschwache PC wurde schon 10 Minuten vorher heruntergefahren, der Aktenschrank wurde bereits akribisch verschlossen und auch die ansehnliche Butterbrotsdose aus Metall wurde in die teuere, lederne Aktentasche geschoben.

Während sich Peter endlich auch den Trenchcoat über das Business-Hemd…

Während sich Peter endlich auch den Trenchcoat über das Business-Hemd wirf, tippt „Fräulein Vorbild“ immer noch und tut so als wäre ihr das Wochenende egal. Er kann dieses Verhalten nicht nachvollziehen, macht jetzt aber dennoch die Biege und wirft der Blondine ein nicht ernst gemeintes „Schönes Wochenende“ an den Kopf und hämmert die Tür von außen in die Angeln. Draußen angekommen geht er an der Schranke vorbei, findet sein Liebling auf ihn wartend, auf seinem reservierten Parkplatz und hüpft elegant über die Fahrertür und landet passgenau mit seinem Arsch im Sitz der feuerroten Corvette.

Die Autobahn ist um diese Zeit frei. Er kann gehörig auf das Gaspedal drücken und dabei im Takt seiner laut aufgedrehten Lieblingsmucke mit wehendem Haar nach Hause düsen. Dort angekommen braucht er nicht nach einem Parkplatz zu suchen. Sein roter Rennhobel findet Platz unter dem riesigen Carport, das vor seinem schicken, frei stehenden Einfamilienhaus sein Zuhause gefunden hat. Hier ist sein Schatz vor den grauenhaften Regen und den scheißenden Vögeln einigermaßen geschützt und dennoch könnte Peter schnell, wenn ihm danach wäre, in das Vehikel springen und am Nachmittag, um in Metaphern zu denken, mit nacktem Oberkörper an der Strandpromenade auf und ab fahren.

Doch nun geht er zur Tür und lässt behutsam den Schlüssel in das Schloss gleiten…

Doch nun geht er zur Tür und lässt behutsam seinen Schlüssel in das Schloss gleiten und öffnet diese. Seine beiden, wunderschönen und wohlerzogenen Kinder, die beide eine Privatschule besuchen, kommen angerannt, fallen ihm um den Hals und zeigen ihn damit wie gerne sie ihn haben. Kimberly ist 14 und Josef 12. Ein Mädchen und ein Junge. Genauso wie er und seine Frau es sich es seinerzeit gewünscht, geplant und ausgeführt hatten. Genau nach Zeitplan, damit nichts seiner Karriere im Weg steht. Seine Frau kümmert sich auch heute einzig und alleine liebevoll um das Wohl der Kinder, fährt sie zum Ballett, zum Geigenunterricht und zum Tennis. Nebenbei schmeißt sie den Haushalt und hat alle Tätigkeiten mehr als nur im Griff. Peter weiß, dass der Terminkalender seiner Frau voller ist als sein eigener, wird sich aber hüten es ihr auf die Nase zu binden.

Auch seine Frau kommt nun, um ihn zu begrüßen. Der attraktiven Dame des Hauses, die immer noch eine absolute Traumfigur hat, steht ehrliche Freude ins Gesicht geschrieben. Sie führen eine harmonische aber konservative Ehe, wie Peter findet. Zuvorkommend wie sie ist, hilft sie ihren Gatten aus dem Mantel, hängt diesen ordentlich an die Garderobe und geleitet ihn sodann ins Wohnzimmer. Hier ist bereits alles vorbereitet. Sein Sessel, auf dem er nun Platz nimmt, ist in Richtung des Fernsehers ausgerichtet. Er muss nichts weiter tut. Seine liebende Gattin zieht ihm behutsam die Schuhe aus und stülpt die kuscheligen Pantoletten über seine von der Arbeit schmerzenden, verschwitzten Füße und hebt diese vorsichtig auf den Fußhocker.

Nun bleibt der blonden Schönheit nur noch…

Nun bleibt der blonden Schönheit nur noch ihm die bereits geöffnete, eiskalte Flasche von seinem Lieblingsbier zu reichen und die Fernbedienung des riesigen Fernsehgeräts in die andere Hand zu geben, um sich sodann leise in die Küche zurückzuziehen. Während sich ihr Göttergatte von der anstrengenden Arbeit ausruht, bereitet sie dort seine Lieblingsspeise zu, schaut aber in regelmäßigen Abstanden im Wohnzimmer nach dem Rechten. Ihr ist es wichtig und ein großes Anliegen, dass das Bier ihres Mannes in der braunen Glaskaraffe nicht komplett zur Neige geht.

Endlich ist das Essen zubereitet. Peter muss nur das neben der Küche gelegene Esszimmer aufsuchen und auf seinen Stuhl Platz nehmen, sich die Servierte auf den Schoß legen und das fettige, deftige und wahrscheinlich ungesunde aber absolut leckere Mahl herunterschlingen. Hier in seiner gewohnten Umgebung braucht er nicht auf die Etikette zu achten. Hier kann er das Essen schlingend und schmatzend herunterwürgen und danach ohne sich zu schämen, rülpsen und furzen. Für sich und die Kinder hat seine Frau übrigens ein anderes Gericht zubereitet. Weitaus gesünder, weniger fettig, aber lang nicht so appetitlich.

Nach dem Essen macht es sich Peter mit aufgeblähtem Bauch auf der…

Nach dem Essen macht es sich Peter mit aufgeblähtem Bauch auf der Terrasse des Anwesens gemütlich. Nur mit einer Badehose bekleidet liegt er sodann auf der bequemen Liege unter dem Sonnenschirm und beobachtet, die sich in der leichten Brise bewegenden größeren Laubbäume am Ende seines Gartens. Dabei lässt er sich einen von der liebenden Gattin kredenzten Cocktail munden und springt gelegentlich, um sich abzukühlen, in den hauseigenen Pool. Erst als die Sonne untergeht und er schon ein wenig angesäuselt von den vielen Cocktails und dem Bier ist, holt ihn seine leicht bekleidetet Frau ab, nimmt ihn an die Hand und geht mit ihm auf direktem Weg ins Schlafzimmer.

Im Schlafgemach angekommen verriegelt die Dame des Hauses die doppelflüglige Tür, öffnet ihren Bademantel und schmeißt sich nackt wie Gott sie einst schuf auf das kreisrunde, riesige Bett. Im über dem Bett an der Decke angebrachten ebenso großen Spiegel, kann der dickliche Adonis erkennen, dass seine Frau ihn, kess wie sie in diesen Momenten nun einmal ist, mit dem Zeigefinger zu ihm heranbittet. Nachdem er seine Badehose heruntergelassen hat, kommt er dieser Bitte lächelnd nach und lässt sich ein, auf den geilen, wollüstigen, langandauernden Tanz der Liebenden.

Völlig erschöpft aber glücklich und beseelt…

Völlig erschöpft aber glücklich und beseelt, spürt er nach dem Liebesakt wie ihm seine mehrfach befriedigte Gattin einen Kuss auf die Wange haucht und sanft die seidene Bettdecke über seinen nackten, vom Paarungsakt gezeichneten Körper legt. Überglücklich und voller Stolz auf sich und sein Leben schläft Peter ein. Erst eine ganze Zeit später spürt Peter etwas Schweres auf seiner rechten Schulter, dass ihn zu schütteln scheint. Auch dringen aus weiter Ferne Worte an sein Ohr, die so gar nicht nach seiner Ehefrau klingen und überhaupt nicht in das Bild zu passen scheinen.

Langsam kommt Peter zu sich. Bedächtig wacht er auf und wird sich der Hand auf seiner Schulter mehr und mehr bewusst. Wie in Zeitlupe hebt Peter nun seinen Kopf von der Schreibtischplatte, dreht sich um und erkennt hinter sich seinen steinalten Chef, der ihn so ungalant Schüttelt, mit bösen Augen anfunkelt und ihm Schimpfwörter an den Kopf schmeißt. Er sei hier nicht zum Pennen, sondern zum Malochen brüllt sein Boss und hört erst dann mit dem Schütteln auf, als sich Peter kleinlaut für sein Fehlverhalten entschuldigt und seine Arbeit, am Freitag um 17:15 Uhr wieder aufnimmt.

Widerwillig stimmt Peter in das Tippen seiner Kollegin…

Widerwillig stimmt Peter in das Tippen seiner Kollegin ein. Angewidert wird ihm bewusst, dass er bestimmt noch eine ganze Stunde braucht bis die Statistik, die er zu erstellen hat, fertig ist. Leidvoll wird Peter klar, dass sich das so wirklich und wahrhaftig angefühlte Erlebnis nur ein Traum war. Voller Ekel weiß er nun, dass er auch heute in seinen kleinen, uralten Opel Corsa steigen wird. Er wird mit der Karre durch überfüllte Straßen fahren und wird ewiglich brauchen bis er einen Parkplatz gefunden hat. Im Anschluss wird er seine gammelige Junggesellenbude aufsuchen, sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, ein Bier aus einer Plastikflasche schlürfen und frustriert und alleine furzend und rülpsend den Abend vor dem Fernseher verbringen.

Irgendwann wird er dann auf der ranzigen Couch einschlafen. Nach wenigen Stunden Schlaf wird er sabbernd, mit muffigem Mundgeruch vom Wecker geweckt. Er wird auch am heutigen Samstag wieder das Büro aufsuchen. Er wird wieder für seinen cholerischen Chef da sein. Er wird erneut Arbeiten verrichten, die ihm völlig zuwider sind. Doch eventuell, mit ein bisschen Glück, findet er wieder ein paar Minuten Zeit um seinen Kopf auf die Tischplatte zu legen. Er wird dann endlich wieder mit seiner virtuellen aber wunderschönen Frau zusammen sein können. Er wird wieder eine rote Corvette fahren, Hausbesitzer sein und mit seiner großbusigen Frau ein Schäferstündchen verbringen und glücklich und zufrieden sein.

Morgendliche Rituale alleinstehender Menschen

Heute wollen wir unseren fokussierenden Blick einmal auf das Geschehen in zwei verschiedenen Haushalten werfen. Beide darin lebende Protagonisten sind ledig, kinderlos und leben alleine in einer Wohnung. Beide sind um die vierzig Jahre alt und stehen, wie man häufig so lapidar daher sagt, mit beiden Beinen fest im Leben. Beide können mit ihrem, aus dem Job generierten, Einkommen alle Rechnungen pünktlich begleichen. Schlussendlich bleiben noch ein paar Euros über, um ein Leben zu führen, dass beiden Menschen den Zutritt zur mittleren Einkommensschicht gewährt.

Dem aufmerksamen Leser wird bereits jetzt aufgefallen sein, dass die beiden erwähnten Personen, um die es heute gehen soll, einige Gemeinsamkeiten haben. Im Laufe des Textes wird aber auch der letzte Leser nicht umhinkommen zu bemerken, das beide hier beschriebene Menschen dennoch sehr viele Unterschiede aufweisen. Insbesondere hinsichtlich deren Charakterzüge und der daraus resultierenden Verhaltensweisen wird einem klar, das es sich hierbei um eine Frau und einem Mann handeln muss. Dies zeigt sich besonders dann, wenn wir unseren Blick auf den Beginn eines jedweden Tages werfen und die beiden Hauptpersonen dabei beobachten wie sie sich auf den anstrengenden, vor ihnen liegenden, Arbeitstag vorbereiten.

Bevor wir nun wirklich in das interessante morgendliche Geschehen in den beiden Haushalten einsteigen, möchte ich hier noch einmal eindeutig und unmissverständlich darauf hinweisen, dass mir durchaus bewusst ist, dass meine Schreibweise häufig klischeehaft und mit einem veralteten Blick auf beide Geschlechter ausgestattet ist. Dennoch wird der eine oder andere Leser – und davon bin ich vollends überzeugt – sich an der einen oder anderen Stelle wiederkennen, oder zumindest jemanden kennen, der ähnliches oder gleiches Verhalten an den Tag legt. Um noch deutlicher in Stereotypen zu denken und sämtliche Gutmenschen auf die Palme zu bringen, werde ich die einzelnen Passagen, stringent und nach Geschlecht getrennt, in Rosa und blau auf das virtuelle Papier bannen.

Der altmodische Wecker, der ganz in Pink gehalten ist, klingelt genau dreimal. Die Dame des Hauses setzt sich im Bett auf, nimmt ihre Schlafmaske ab und schwingt die Beine behäbig aus dem Bett. Sie ist noch müde, aber sie hat sich angewöhnt direkt beim ersten Klingeln des Weckers aufzustehen. Sich nochmals umzudrehen und die Augen ein paar Minuten zu schließen verwehrt sie sich, denn irgendwo hat sie gelesen, dass man dann noch müder sei. Ihr Blick wandert als Erstes in einer der großen Spiegeltüren des riesigen, weißen Schrankes von Ikea. Angewidert blickt sie in ein verschlafenes, alterndes Gesicht einer Frau von 38 Jahren. Schnell wendet sie den Blick ab, geht aus dem Schlafzimmer in die Küche und bereitet ihr Frühstück vor.

Nachdem der Wecker drei bis viermal in den Schlummermodus versetzt wurde, steht der Mann auch schon auf. Ganz zerknittert sieht der sonst eigentlich attraktive Kerl, der schwer auf die vierzig zugeht, aus. Gestern war er spät im Bett. Zu spät, denn eigentlich braucht er mindestens sieben Stunden Schlaf um fit zu werden. Das war auch schon einmal anders, aber der Lack ist ab, wie man so schön sagt. Doch zaudern bringt nichts, denn auch heute muss er wie jeden anderen Werktag ins Büro. Wichtige Aufgaben und ein Termin, der durchaus vielversprechend klingt, warten auf ihn. Wie jeden Morgen spult er also sein Programm, das ihn nicht nur sauber und gepflegt, sondern auch satt werden lässt, ab. Zuerst wird die Kaffeemaschine angestellt, denn nichts ist schlimmer als ein Tag ohne seine morgendliche Tasse Kaffee und die obligatorische filterlose Zigarette dazu.

Auf Kaffee verzichtet sie gänzlich…

Auf Kaffee verzichtet sie gänzlich. Stattdessen kocht Sie Wasser in einen, mit Blümchen verzierten, Teekessel den Sie von Ihrer Mutter geerbt hat. Das Frühstück besteht aus fair angebauten grünen Tee, den sie ausschließlich im feinen Teeladen der hiesigen Innenstadt kauft und einem gesunden Müsli mit viel Obst und wenig fettreduzierten Quark. Beim Frühstück blättert sie, wie jeden Morgen, in einer ihrer Zeitschriften zum Thema Dekorieren und Einrichten und holt sich dabei Anregungen für die eigene Wohnung. Ihr ist es wichtig, dass ihr kleines aber feines Heim immer schön dekoriert und die Dekorationen der Jahreszeit entsprechend ausgewählt sind. Nach dem Frühstück beschließt sie zu Duschen und geht in das penibel gereinigte Bad.

Danach geht auch der Mann ins Bad, schlüpft aus dem Pyjama und betrachtet seinen nackten alternden Körper im großen Spiegel, der eine Wand des Bades ziert. Er findet, dass er sich ganz gut gehalten hat. Oft wird er sogar jünger geschätzt, als er eigentlich ist. Das schmeichelt ihm, auch wenn er weiß, dass es manchmal, vielleicht sogar öfter, nur Höflichkeit ist. Klar, er ist kein Adonis, aber schlank und an den richtigen Stellen ein wenig muskulös. Ein wenig Bauchspeck hat er angesetzt, aber das stört ihn nicht weiter. Er isst einfach zu gerne und auch auf das eine oder andere kühle Bier will er nicht verzichten. Die Brust ist behaart und auch den Bauch zieren nicht wenige Haare. Vor ein paar Jahren hat er sich in regelmäßigen Abständen die Brust rasiert, aber damit hat er schon lange aufgehört, denn bereits nach drei bis vier Tagen sprießen die ersten Haare wieder und es juckt wie verrückt. Das ist einfach so. Damit müssen sich eben alle abfinden, vor allem die Frauen, findet er.

Langsam schlüpft sie aus ihrem Schlafanzug…

Langsam schlüpft sie aus ihrem Schlafanzug und beobachtet dabei jede Bewegung im übergroßen Spiegel. Auch ihr rosafarbener Sportslip wird nun heruntergezogen und landet auf dem Fußboden. Nun steht sie nackt vor dem Spiegel und vermeidet jeden weiteren Blick in den selbigen. Sie weiß, dass sie zu fett ist, ihr Arsch mit den Jahren immer dicker geworden ist, sie unter Orangenhaut leidet und ihre Brüste immer mehr gen Boden wandern. Dass nicht wenige ihrer Arbeitskollegen sie fast täglich mit den Blicken ausziehen und sie regelmäßig Komplimente bekommt, tut sie als „Schwanzdenken“ ab und behauptet immer, dass diese Typen wohl jede Frau ins Bett kriegen wollen, egal wie sie aussieht. Eilig steigt sie in die Duschkabine um endlich den bösen Spiegel, der Sie allmorgendlich ärgert zu entkommen. Penibel wird die Temperatur des Wassers eingestellt. Nicht zu warm und nicht zu kalt darf es sein, damit die Dame sich wohlfühlt.

Der Blick des Mannes wandert weiter an seinem Körper herunter. Sein Penis hängt schlaff über den prallen Hodensack zwischen den Beinen. Er findet ihn ein wenig zu klein, aber er tröstet sich immer mit dem Gedanken, dass er gut mit ihm umgehen kann und die meisten Frauen, mit denen er im Bett gelandet ist, danach zumindest befriedigt aussahen. Auch hier rasiert sich der Mann nicht, kürzt aber an ein paar Stellen die Haare mit einer kleinen Schere, die extra hierfür angeschafft wurde. Auch die Beine sind behaart. An dieser Stelle hat er sich nie rasiert und würde auch gar nicht auf die Idee kommen. Er amüsiert sich jedes Mal über die Radsportler, auf ihren Weg durch die malerischen Landschaften und verschlafenen Städtchen Frankreichs, die durchweg glattrasierte Beine haben. Wenn Sie jetzt noch ein paar Hochhackige Pumps dazu tragen würden, könnte er sich glatt in den einen oder anderen Sportler verlieben, sagt er immer.

Die Duschbrause wird in Schulterhöhe eingestellt, denn ihre Haare…

Die Duschbrause wird in Schulterhöhe eingestellt, denn ihre Haare dürfen auf keinen Fall nass werden. Haare waschen ist für Sie eine andere Tätigkeit als das Duschen und wird ausschließlich abends, nach dem anstrengenden Tag im Büro erledigt. Der Griff nach dem Duschgel erweist sich schwieriger als gedacht, denn sie kann sich nicht zwischen den vielen Tuben und Spendern entscheiden. Mehr als 15 verschiedene Sorten zieren den Rand der Duschkabine und alle wurden wohlüberlegt angeschafft. Nach kurzer Überlegung greift sie dann doch zu der ersten Tube, die sie in die Finger bekommt, öffnet den Deckel der hübsch verzierten Verpackung und quetscht die Tube, bis die cremige Flüssigkeit den gesamten Handteller bedeckt. Eilig verteilt sie die Cremeseife mit einem Schwamm auf ihren Körper. Dabei ist sie immer drauf bedacht das ihr Intimbereich nichts davon abbekommt, denn für den so sensiblen Bereich hat sie eine eigene Seife. Knapp fünf Minuten verbringt sie damit ihren gesamten Körper zu reinigen, um danach den Schaum abzuwaschen.

Schnell springt er unter die Dusche und lässt, dass fast kochende Wasser, über seinen Kopf und den gesamten Körper laufen. Zuerst werden die Haare gewaschen. Das Anti-Schuppen-Shampoo nutzt er schon seit Jahren und ist zufrieden damit. Ihm ist es wichtig, dass er immer das gleiche Produkt im Drogerieladen bekommt, denn damit hat er gute Erfahrungen gemacht. Sein Haar ist und bleibt damit schuppenfrei.

Danach kommt der Damenrasierer zum Einsatz…

Danach kommt der Damenrasierer zum Einsatz. Nichts ist schlimmer als eine Frau, die an den wesentlichen Stellen unrasiert daherkommt, findet sie und so rasiert sie sich täglich unter den Achseln und an den Beinen. Auch ein paar Schamhaare müssen dran glauben. Für diese Prozedur nimmt sie sich Zeit, auch wenn sie weiß, dass sie nicht mehr viel davon hat. Das Schminken und Stylen muss heute zügig gehen, wenn sie ausnahmsweise pünktlich im Büro sein will. Als sie endlich zufrieden mit ihrem Ergebnis ist und auch die letzten unschönen Härchen im Abfluss verschwunden sind, steigt sie aus der Dusche, trocknet sich ab, zieht einen frischen Slip und ein BH an und beginnt sich vor dem Spiegel zu schminken. Es dauert lange bis die Fältchen unter einer dicken Schicht Schminke verschwunden sind, der Lidschatten perfekt gezogen wurde und der Lippenstift, die ansonsten viel zu schmalen Lippen, etwas sinnlicher wirken lässt.

Beim Mann hingegen ist als Nächstes der Körper dran. Beim Duschgel ist er nicht so wählerisch. Häufig nimmt er einfach das billigste, das ihm in die Hände fällt. Sauber werden sie wohl alle machen und riechen tun sie ausnahmslos nicht schlecht. Die Duschbrause wird zur Seite geschoben, der gesamte Körper eingeseift und auch die entlegensten Stellen saubergerubbelt. Danach stellt er sich wieder unter das laufende Wasser und befreit seinen Körper vom Schaum.

Nur in Unterwäsche bekleidet macht sie sich wieder auf den Weg…

Nur in Unterwäsche bekleidet mach sie sich wieder auf den Weg ins Schlafzimmer und öffnet einer der Türen des großen Schrankes, um sich die Kleidung für den heutigen Tag herauszusuchen. In Reih und Glied und nach Farben sortiert, hängen hier Hosenanzüge, Röcke, Blusen und auch ein paar Kleider zum Ausgehen. Über der Stange mit den Bügeln gibt es mehrere Regalbretter, ausschließlich für Sportbekleidung, T-Shirts und die legeren Jeanshosen für die Freizeit. Darunter befinden sich mehrere, kleine Schubladen aus Plastik. Eine für Unterwäsche, die nächste für Strümpfe und Strumpfhosen, eine für Schals und Tücher und in der letzten Befindet sich eine Schatulle mit ihrem Schmuck. Auch hier hat sie es schwer sich zu entscheiden. Die Auswahl ist beiläufig bemerkt zu groß, aber sie kann sich einfach nicht von den vielen schönen Sachen, die allesamt teuer waren, trennen. Hier hängen auch viele Klamotten, die ihr schon seit Jahren nicht mehr passen, doch sie will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie sich auch in diesen irgendwann wieder hineinpressen kann, ohne sich wie eine Ölsardine zu fühlen.

Der Mann putzt sich mittlerweile die Zähne. Auch diese Aufgabe erledigt er unter der Dusche. Das spart Zeit, wie er findet und Zeit ist bekanntlich Geld. Er steigt aus der Duschkabine auf ein Handtuch für die Füße und trocknet seine Haare und seinen Körper mit einem Frotteehandtuch ab. Schnell schlüpft er in seine vorher bereit gelegten Boxershorts, seine Jeans und in ein weißes T-Shirt. Nun kommt der Elektro-Rasierer zum Einsatz. Mit einer über die Jahre hinweg perfektionierten Bewegung entfernt er mühelos die Bartstoppeln die jeden Tag aufs Neue sprießen. Nun noch die spärlich gewordene Haarmähne kämmen und fertig ist er mit dem Reinigungsritual.

Im Hinblick auf ihren Termin mit dem Kerl aus der Buchhaltung…

Im Hinblick auf ihren Termin mit dem Kerl aus der Buchhaltung entscheidet sie sich für eine schwarze, körperbetonte Hose und eine weiße eng anliegende Bluse. Die obersten beiden Knöpfe des Oberteils lässt sie bewusst auf. Im Laufe ihrer beruflichen Karriere hat sie gelernt mit den Waffen einer Frau zu kämpfen. Sie hofft, dass der Idiot aus der Buchhaltung sich mehr mit dem Innenleben ihrer Bluse, als mit ihren Zahlen auf dem Notebook beschäftigt, denn Ihre Ergebnisse waren diesen Monat nicht perfekt. Nun noch ein paar hochhackige Schuhe, die ihren Hintern besser zur Geltung kommen lassen und der Tag kann kommen.

Die Zeit ist knapp und so verzichtet er heute auf sein Frühstück. Kurzerhand beschließt er sich, unterwegs, ein belegtes Brötchen beim hiesigen Bäcker zu besorgen. Die gewonnene Zeit gibt ihm immerhin die Möglichkeit eine Tasse Kaffee und eine filterlose Zigarette zu genießen. Beides gönnt er sich auf seinen Balkon und überfliegt dabei die neuesten News auf sein Tablet. Ist auch das erledigt, schlüpft er in seine Jacke, schließt die Tür hinter sich ab und steigt in seinen roten Camaro und braust, wie immer ein wenig zu schnell, zur Arbeit.

Bevor sie die Wohnung verlässt, macht sie ihren morgendlichen Rundgang…

Bevor sie die Wohnung verlässt, macht sie ihren morgendlichen Rundgang. Alle Fenster sind mit einem kleinen Schloss ausgestattet, das vor Einbruch sichern soll. Diese werden alle penibel begutachtet. Sodann werden alle Stecker aus den Steckdosen gezogen und der Herd mindestens dreimal auf die ordnungsgemäße Abstellung kontrolliert. Erst dann kann die Dame des Hauses die Wohnungstür hinter sich schließen, um das Haus zu verlassen, nur um eine Minute später nochmals zurückzukehren um nochmals zu checken, ob sie auch wirklich und wahrhaftig die Wohnungstür vorschriftsmäßig verriegelt hat. Sie war sich einfach nicht mehr sicher. Endlich findet sie den Weg zu Ihren kleinen geliebten Fiat 500, der zu ihrem Verdruss mal wieder zugeparkt wurde. Nur eineinhalb Meter nach vorn und nach hinten hat man ihr zum Ausparken gelassen. Das wird eng. Geschlagene 5 Minuten braucht die knallharte Businessfrau um aus der Parklücke zu kommen, weitere 10 Minuten durch die engen Straßen der Vorstadt um dann die Autobahn zu befahren und mit wahnwitzigen 80 Sachen zur Arbeitsstätte zu düsen.

Immer wieder sonntags

Wenn man einer von denen ist, die die Bräuche des Christentums nicht bis ins Detail zelebrieren, dann kann so ein Sonntag durchaus schon einmal langweilig werden. Wenn man am Vormittag den Kater vom Vorabend endlich erfolgreich mit einer 800er-Iboprofen-Tablette, die behutsam aus dem Alu-Blister gequetscht wurde, erfolgreich bekämpft und hinter sich gelassen hat, tritt einem die Langweile, imaginär aber dennoch deutlich spürbar, in das runzelige Gemächt.

Gerade dann, wenn man es sich auf dem billigen Schwingsessel aus dem Hause Ikea gemütlich gemacht hat und die schweren, krampfadrigen Beine auf den davor drapierten gleichfarbigen Hocker des gleichnamigen Designers abgelegt hat, trifft sie einen mit voller Wucht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Batterien der abgenutzten, speckigen Fernbedienung, des hochmodernen flachen TV-Geräts, seinen Geist aufgegeben haben. Da man zu faul ist aufzustehen und neue Energiespender, erst aus der untersten Schublade der Kommode aus Pressspan zu holen und sodann in die Fernbedienung zu schieben, bleibt man halt auf dem aktuell laufenden Sender hängen.

“Scheiß drauf, läuft doch eh überall nur Mist”, denkt man und…

„Scheiß darauf, läuft doch eh überall nur Mist“, denkt man und ärgert sich dann aber doch, dass die Batterien so weit vom eigenen Standort entfernt sind und beobachtet angewidert wie eine Blondine, aus dem ehemaligen Osten des Landes, durch den Fernsehgarten juckelt und von einem Fettnäpfchen ins nächste wandelt. Irgendwann, wenn man vor Antriebslosigkeit und innerer Leere wieder eingenickt ist, wird man unsanft von der Pranke der liebenden Gattin auf den Schultern geweckt und an den Mittagstisch gelotst.

Das Weib hat sich ihre Zeit damit vertrieben, indem sie sich in der Küche eingeschlossen, gekocht und dabei Schlager von Howard, Drafi, Roger, Roy oder – wenn es wenig moderner sein sollte – von Helene angehört hat. Die Schmonzetten, die blechern aus dem billigen Unterschrankradio durch den kleinen Küchenraum schallen, laufen auch dann noch, als sich der Mann bereits an den Küchentisch gesetzt hat. Vor Hunger sabbernd wartet er sodann auf den, von seiner Frau hoffentlich gut gefüllten Teller und kommt dabei nicht umhin mit dem rechten Fuß, unter dem Tisch, den Takt der Musik mitzuschwingen.

Als schließlich der Teller mit Sauerbraten, Rotkohl und Klößen vor einem…

Als schließlich der Teller mit Sauerbraten, Rotkohl und Klößen vor einem, auf dem mit einer bunt gemusterten Wachstuchtischdecke bekleideten Massivholztisch gestellt wird, kann man sich vor Ungeduld kaum noch im Zaum halten und hält sowohl die Gabel als auch das Messer bereits in den Händen. Hurtig verschlingt man sodann gierig das mit Liebe gekochte Mahl und kleckert nicht nur auf den Tisch und auf den Stuhl, sondern auch auf das frisch gestärkte und gebügelte Hemd, das einem die Frau morgens zum Anziehen bereitgelegt hat.

Als alles Essbare vertilgt wurde und auch das große Glas Bier, dass einem die angetraute Göttergattin liebenswerte Weise zum Essen spendiert hat, im Schlund verschwunden ist, lässt man die Frau mit den liebgewonnenen Reinigungsarbeiten alleine und verzieht sich in seinen Hobbykeller, um sich ausgiebig seiner Briefmarkensammlung zu widmen. Erst am Nachmittag hört man, wie eine wildgewordene Furie gestresst gegen die Holztür klopft und einem so zu verstehen gibt, dass die eigene Anwesenheit eine Etage höher gewünscht wird.

Artig macht man sich an den Aufstieg und bemerkt…

Artig macht man sich an den Aufstieg und bemerkt schon auf der Treppe den Duft eines frisch gebackenen Kuchens und erklimmt sodann ein wenig schneller die wenigen Stufen. Oben angekommen, wandert man mit Karacho durch den Flur mit den an die 70er-Jahre erinnernde braun-orangene Mustertapete und der überfüllten Garderobe und erscheint erneut in der Küche, wo die Frau bereits auf einem wartet. Der Tisch ist nun eingedeckt mit dem geerbten, guten Kaffeeservice von Oma-Resi, eine Thermoskanne und einem Tablett mit Käsekuchen.

Schweigsam vertilgt man sodann drei bis vier Stücke des leckeren Gebäcks und trinkt heißen Kaffee. Ein oder zweimal ist man versucht, die ersten Worte des Tages mit seiner Ehefrau zu wechseln, gibt aber rasch auf, da die eben genannte in einer Illustrierten vertieft ist. Seie Gattin ist ganz darauf erpicht zu erfahren, was in den Königshäusern der Welt passiert, wo die Promis des Landes Urlaub gemacht haben und welcher von Ihnen, unverschämter Weise fremd gegangen ist. Dieses Wissen ist für sie zum völligen Unverständnis des Gatten extrem wichtig, denn nur so ist sie in der Lage sich mit der verhassten Nachbarin darüber ausgiebig und bei jeder Gelegenheit auszutauschen.

Nach dem Kaffeekränzchen zu zwei hat seine Frau eine Idee…

Nach dem Kaffeekränzchen zu zweit hat seine Frau eine Idee. Eine Idee, die sie bedauerlicherweise jeden Sonntag, wenn es nicht gerade in Strömen regnet, hat. Sie will Spazierengehen. Eine Tätigkeit, die dem Mann derart zu Wider ist, dass er sich selbst lieber einen Pullover mit Waffelmuster stricken würde. Trotzdem schmeißen sich beide kurze Zeit später Ihre Jacken über den Wamms, verlassen das Haus und latschen eine kleine Runde an den nahegelegenen Feldern vorbei. Als sie nach etwas einer Stunde das Haus wieder erreichen, wartet bereits die Nachbarin, die im Vorgarten selbstredend total zufällig gerade um diese Zeit, die Rosen schneidet auf sie und verwickelt sie in ein zwangloses aber total langweiliges Gespräch.

Als die beiden Quasselstrippen endlich bei Kate und William angelangt sind, kann sich der Mann unbemerkt entfernen und verschwindet wieder in den Hobbykeller. Dort verbleibt er bis seine Frau ihn zum Tatort wieder aus den Kellerräumen hochholt. Bei dieser Sendung sind beide Feuer und Flamme und verfolgen hoch konzentriert und gebannt das Treiben auf der Mattscheibe, bis schlussendlich der Mörder gefasst wurde und die Tagesthemen, dass Ende des Tages einläuten. Mehr aus Pflichtbewusstsein als Interesse verfolgen beide Ehepartner die Nachrichten, bis sie schlussendlich einen weiteren langweiligen Sonntag ad acta legen und endlich ins Bett gehen können.

Kaffeeküchen-kampf

Die Regel ist einfach und wurde über Jahrzehnte überliefert. Derjenige, der als erster das Büro betritt und in die gemeinsame Kaffeekasse eingezahlt hat, muss sich an der Maschine zu schaffen machen und das braune, wachmachende Gebräu nicht nur für sich, sondern auch für alle anderen zubereiten. Wer sich unverständlicherweise zuerst hinter seinem monströsen Röhrenbildschirm setzt, den altersschwachen Bürocomputer aus der Totenstarre holt und seine Mails abruft, fällt schneller als ihm lieb ist in Ungnade.

Heute betritt Herbert als erster die Szenerie und ärgert sich insgeheim darüber. Er hätte anders handeln können. Leider wurde ihm das aber erst dann bewusst, als er bereits den ersten Fuß auf den billigen, grau-braunen Sisalteppich gesetzt hatte. „Ein kluger Schachzug wäre es gewesen, wenn ich vorher ausgeschert wäre und auf der Toilette im Flur, noch eben auf die Schnelle, einen Bierschiss in die Keramikschüssel gehämmert hätte“, denkt er und fügt gedanklich den Neologismus: „Hätte, hätte Fahrradkette“, an.

Schlecht gelaunt betätigt er aber nun dennoch den Lichtschalter und die, hinter quadratischen Plexiglas versteckten, Neonröhren erwachen wiederwillig zum Leben. Missmutig schlendert er sodann durch den schlauchförmigen Raum. Sein Weg führt an unzähligen Arbeitsplätzen vorbei, bis er schlussendlich, im hinteren Bereich seinen eigenen halbrundem Schreibtisch aus den 70er-Jahren erreicht. Angewidert schmeißt er seine Tasche auf das Möbelstück und hört wie sich im Hintergrund mehrmals die Tür öffnet und die anderen Bürokolosse und Schreibtisch-Tussis in den Raum schleichen.

Auf den Weg in die kleine Küche…

Auf den Weg in die kleine Küche, die neben der Kaffeemaschine auch einen Kühlschrank, eine uralte Mikrowelle und sogar einen Backofen, mit augenscheinlichem Atomantrieb, beherbergt, läuft er Michelle über den Weg. Die blondierte, Büromaus wünscht ihm grinsend einen guten Morgen, folgt ihm in die Küche und stellt demonstrativ ihre Tasse mit der kitschigen Diddle-Maus-Applikation, die sie gerade eben aus dem Hängeschrank geholt hat, neben der noch leeren Thermoskanne. Gerne würde er der jungen Dame, die sich direkt nach dem Studium einen Platz im Großraumbüro reserviert hat, die Meinung geigen, verschiebt das Ganze aber innerlich auf einen anderen Tag, lächelt sie nur schief an und lässt sodann Wasser in die Kanne laufen.

Hurtig platziert er nun auch die Filtertüte an ihrem vorbestimmten Platz in der Maschine und zählt nachfolgend, gewissenhaft zehn gehäufte Löffel mit Kaffeepulver ab, um diese anschließend in der Tüte zu entleeren. Als er dann noch den kleinen Knopf an der Seite der Apparatur betätigt hat, verlässt er, nachdem er kurz innegehalten und gelauscht hat, ob sich die Maschinerie wirklich in die Gänge setzt, den kleinen Raum und begibt sich wieder an seinen Schreibtisch.

Dort angekommen erweckt er seinen PC und startet…

Dort angekommen erweckt er seinen PC und startet, bis der Kaffee durchgelaufen ist, seine alltägliche Arbeitsroutine. E-Mails werden abgerufen und beantwortet, Rechnungen werden geschrieben und archiviert und auch auf das, ach so wichtige, Innendienst-Meeting gilt es sich vorzubereiten. Gedanklich sitzt Herbert schon mit den vielen anderen Schwachmaten im großen Konferenzraum und ist, wie so oft in diesen Situationen, völlig unproduktiv. Immerhin glotzt er aber, offenkundig hoch konzentriert auf seinen Laptop und macht sich gelegentlich sogar Notizen auf einem extra mitgebrachten, linierten College-Block.

Meist ziehen sich diese ermüdenden Besprechungen unnötig in die Länge und nachdem die Vorträge, der noch wichtigeren Personen als man selbst, geendet haben, diskutiert man stundenlang angeregt über das gerade eben gehörte und geht dann doch ergebnislos auseinander. Trotzdem mag Herbert diese Veranstaltungen. Häufig nutzt er diese Gelegenheiten, um die anderen Kollegen zu beobachten. Ingolf bohrt dann meist angestrengt in der Nase, Reinhold fallen immer wieder die Augen zu, Christopher starrt angestrengt auf die Oberweite von Maren und Klaus-Dieter wirft in regelmäßigen Abständen, wortreiche aber inhaltsleere Floskeln in den Raum und schwingt dabei seinen Kugelschreiber wie ein verrückter Dirigent umher.

Mittlerweile sind fast alle Schreibtische besetzt…

Mittlerweile sind fast alle Schreibtische besetzt und es herrscht ein reges Treiben im Großraumbüro und „Hinz und Kunz“ schleichen, mit Tassen und Bechern bewaffnet, um die Küche herum. Herbert bekommt von alledem nichts mit, denn er ist bereits vertieft in seine Arbeit und noch immer im Gedanken in der Sitzung. Als schließlich auch Herbert den Duft des, frisch aufgebrühten, Kaffees in seiner Nase wahrnimmt, lässt er seinen Bleistift fallen und sprintet mit seinem Becher zur Küche. Wieder läuft ihm Michelle über den Weg, die ihn jetzt nur frech angrinst und ohne ein Wort zu verlieren mit ihrer, bis zum Rand gefüllten Tasse die Küche verlässt.

Herbert betritt den Raum und ihm schwant Böses. Als er die Thermoskanne in den Händen hält, sie prüfend hin und her wiegt und dann, den letzten verblieben Schluck, in seine Tasse schüttet, vergeht ihm die Vorfreude auf das Meeting schnell, denn ein weiteres ungeschriebenes Gesetz im Büro lautet: Wer die Kanne leert, ist verpflichtet neuen Kaffee aufzusetzen. So macht Herbert sich also erneut an die ungeliebte Aufgabe, befreit ein weiteres Pfund Kaffee aus seinem Gefängnis und brüht frischen Kaffee für ihn und seine geliebten Kollegen auf.

Einkaufen mit Frau im Schlepptau

Bald ist die Woche schon wieder vorbei und das Wochenende steht direkt vor der hölzernen, vom Portas-Mann aufgemöbelten, Haustür. Die Frau hat daheim, in der überheizten, warmen Kaschemme nicht nur gestrickt und gehäkelt, sondern auch einen Einkaufszettel geschrieben. Das macht sie immer am Freitagabend der Vorwoche und hat dabei nicht nur die einzelnen Tage, und die Gerichte, die an diesen gekocht werden sollen im Blick, sondern auch das Budget, das ihr vom angetrauten Göttergatten dafür zur Verfügung gestellt wird. Penibel und hoch konzentriert reiht sie zuerst, um den Überblick zu behalten, alle Wochentage der kommenden Woche in Spalten und ordnet die Gerichte in den darunter liegenden Zeilen an. Hat sie diese Aufgabe zu ihrer eigenen Zufriedenheit erledigt, kann sie auch schon mit der eigentlichen Liste, der am Samstag zu besorgenden Utensilien und Fressalien, beginnen.

Wie immer wird die Liste lang und die Dame des Hauses braucht einige Zeit dafür. Zwischendurch schiebt sie ihre Lesebrille immer mal wieder auf die Stirn, um keine der Handlungen der Silhouette des Bergdoktors, die über die riesige, an der Wand montierte Mattscheibe flimmert zu verpassen und stopft sich dabei einen Schoko-Brownie in den Mund. Gerne wäre sie auch mit so einen tollen, charmanten und erfolgreichen Mann verheiratet, der ihr die Welt zu Füßen legen würde. Doch ein Blick auf die Couch gegenüber, wo ihr eigener Mann gerade eben, nach dem dritten Bier im Sitzen eingeschlafen ist, holt sie abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein bisschen angeekelt stellt sie dabei fest, dass ein dünner Speichelfaden im Winkel, seines mit Oberlippenbart verzierten Mundes hängt und dieser nun geräuschlos auf die aus Polyesterfasern bestehende, moosgrüne Strickjacke tropft.

“Es ist so wie es ist”, resümiert sie, als sie die Einkaufsliste fertig beiseite legt…

„Es ist so wie es ist“, resümiert sie, als sie die Einkaufsliste fertig beiseite legt und ihren Mann unsanft, mit einem Schlag auf dessen Oberschenkel, aus dem Schlaf holt. Auch der Bergdoktor hat seine Aufgaben heuer erledigt und braucht zumindest heute keine Herzen mehr zu brechen. Ehemann und Ehefrau begeben sich schweigend zum Badezimmer, um an den zwei nebeneinander angebrachten Waschbecken, die Abendtoilette zu erledigen. Beisser werden gereinigt, Ohrringe aus Ohrläppchen geholt, Wasser und Seife ins Gesicht geschmiert nur, um nachher mit dem Handtuch wieder abgerubbelt zu werden. Die Dame des Hauses legt, nach dieser Prozedur, noch eine Nachtcreme auf. Der Mann hat das Schlafgemach bereits erreicht und ist längst aus seinen Klamotten geschlüpft, hat sich ausgiebig am Gemächt gekratzt und ist danach in den Schlafanzug aus grober Baumwolle geschlüpft.

Als die Ehefrau das Schlafzimmer betritt, schläft der Mann bereits. Man hört es am lauten Schnarchen und wird unweigerlich an den letzten Ausflug in den nahegelegenen Park erinnert, wo einige vom Borkenkäfer befallenen Bäume mittels Kettensäge von ihrem Leiden erlöst wurden. Auch die Ehefrau zieht nun ihre Kleider aus und schlüpft in ihr Nachthemd. Der total bunte Fetzen Stoff zeigt auf frappierender Weise eine enorm starke Ähnlichkeit mit dem Zelt des Zirkus, der auf dem Parkplatz vor dem Lidl-Mark seine Tore geöffnet hat und das nicht nur hinsichtlich der Farbauswahl, sondern bedauerlicherweise auch im Hinblick auf die Größe. Sodann wuchtet sie ihren Körper auf die Matratze, greift mit geübtem Griff in die Schublade des Nachttischchens, stopft sich die Stöpsel in die Ohren und verdeckt ihre Augen mit einer im Leoparden-Muster daherkommenden Schlafmaske. Als sie endlich ihre Lieblingsposition gefunden hat und das Schnarchen des Mannes zu einem dumpfen Hintergrundrauschen abebbt, schläft auch sie hurtig ein.

Ganz gemütlich lässt man es am nächsten Tag angehen…

Ganz gemütlich lässt man es am nächsten Tag angehen. Der Mann besorgt beim morgendlichen Gang mit dem Rauhaardackel namens Wigald, beim hiesigen Bäcker, Brötchen und die Dame des Hauses bereitet in dieser Zeit daheim alles für ein ausgiebiges, opulentes Frühstück vor. Am Wochenende wollen es sich die beiden Rentner besonders gut gehen lassen. Als ihr Gatte die Wohnung betritt, der Dackel es sich in der Ecke der Küche, neben der Heizung, in seinem Körbchen gemütlich gemacht hat, ist der Tisch bereits gedeckt. Wurst, Schinken, Käse, Marmelade, Honig, Quark und für jeden drei gekochte Eier warten darauf von dem Ehepaar vertilgt zu werden. Schnell werden drei dick belegte Brötchen in den Rachen gestopft, die Eier geköpft und verschlungen und das Ganze mit mindesten vier Tassen, wegen der Pumpe entkoffeinierten, Kaffee heruntergespült.

Sodann geht es auch schon ans Waschen und Anziehen. Allerdings macht sich der Magen des Mannes, deutlich hörbar, bemerkbar und er weiß, dass er nicht umhinkommt vorher etwas zu erledigen. Zügig verschwindet er, nicht ohne sich zuerst mit der Tageszeitung bewaffnet zu haben, auf die Gäste-Toilette und widmet sich voll und ganz dem Morgenschiss. Währenddessen ist die Frau aber nicht untätig. Sie schlüpft zur Gänze aus ihren Klamotten, zeigt sich nackt wie Gott sei einst schuf vor dem Spiegel und muss anerkennen, dass sich ihr Körper seit damals doch ein wenig verändert hat. Schnell schiebt sie aber den aufsteigenden Ekel zur Seite und zwängt sich in die Duschkabine, um sich mit einem, am Holzstiel befestigten, Schwamm sauber zu rubbeln.

Danach trocknet sie sich, so gut es eben geht ab…

Danach trocknet sie sich, so gut es eben geht ab, putzt sich die Zähne, steigt in Rock und Bluse, legt tonnenweise Schmuck an und benetzt alle freiliegenden Hautpartien mit Tosca-Parfüm. Danach noch Lidschatten, Eyeliner, Rouge und Lippenstift und fertig ist die Dame des Hauses. Nun wartet sie auf ihren geliebten Mann, der noch immer auf dem Kot-Thron für Besucher sitzt, gelegentlich mit der Zeitung raschelt und dann und wann mal einen Furz, deutlich hörbar, in die enge Kabine entlässt. Freundlich aber bestimmt hämmert sie gegen die hölzerne Tür und setzt ihren Mann damit bewusst unter Druck. Missmutig bricht der Mann sein morgendliches Geschäft ab, rubbelt sich fahrig die Kimme sauber und zieht sich danach die gammelige Cordhose und das Polohemd von gestern an. Auf die Morgentoilette verzichtet er, aus Protest, komplett.

Bewaffnet mit mehreren Taschen, Tüten und zwei Kisten Leergut macht man sich auf den Weg zur Garage. Der Mann öffnet das Tor, verschwindet im Innenraum und schmeißt achtlos das Leergut und die Tüten in den Kofferraum. Reimund ist schon jetzt bedient. Trotzdem befreit er nach kurzer Zeit den altersschwachen, aber zuverlässigen, Opel der Baureihe Club aus seinem Gefängnis, damit auch das angetraute Weibchen ins Vehikel einsteigen kann. Als Heidrun endlich ihren zarten Hintern im ausgesessenen Polster positioniert hat und der Sicherheitsgurt über Bauch und Möpse gespannt wurde, kann die kurze Fahrt zum nahegelegenen Einkaufscenter endlich beginnen.

Nach nur fünf Minuten der schweigsamen Fahrt…

Nach nur fünf Minuten der schweigsamen Fahrt erreichen sie das Einkaufsparadies und biegen auf den übervollen Parkplatz ein. Bis allerdings ein freier Abstellplatz für den grauen Liebling des Mannes gefunden wurde, vergehen weitere zehn Minuten. Endlich steht die Kiste. Reimund macht sich auf den Weg zum Supermarkt ihres Vertrauens, um einen Einkaufswagen zu holen. Die Ehefrau wartet so lange im Auto, damit ihre Knie nicht allzu lang, der ständigen Belastung ihres eigenen Gewichtes standhalten müssen. Als der Mann das Auto wieder erreicht hat, wuchtet auch seine Gattin die schweren Beine aus der Öffnung der Beifahrertür und Reimund befüllt den drahtigen Zwiebelporsche mit Leergut und Tragetaschen.

Dann geht es auch schon in den Laden. Direkt am Anfang muss allerdings schon Halt gemacht werden, denn hier befindet sich der einzige Automat für die Leergut-Abgabe. Leider steht direkt vor Heidrun und Reimund ein unzweideutig nach Knoblauch riechender Mann, der bewaffnet mit zwei prall gefüllten blauen Säcken, auf die Dienste der hochmodern erscheinenden Apparatur wartet. Reimund schwant böses und als der Stinker an der Reihe ist, bewahrheitet sich die unangenehme Vorahnung. Langsamer als eine Schnecke, fingert der vollbärtige Mann eine Plastikflasche nach der andere aus den Säcken und stopft diese in das dafür vorgesehene Loch im Automaten. Selbstredend ertönt, bevor der Übelriechende zu Ende gekommen ist, ein Alarm und eine rote Rundumleuchte signalisiert, dass der Bauch der Maschine zur Gänze gefüllt ist. Erst als nach einer kleinen Ewigkeit, sich ein untersetzter Mitarbeiter des Ladens dazu herablässt, den Automaten zu entleeren und entstören, kann der behaarte Iltis seine Arbeit zum Abschluss bringen und den Weg für Reimund und Heidrun freimachen.

Als die beiden schließlich den heiß ersehnten Kassenbon aus dem Automaten…

Als die beiden schließlich den heiß ersehnten Kassenbon aus dem Automaten in den Händen halten, kann es auch schon weitergehen. Man quetscht sich durch das Drehkreuz und gelangt in den perfekt ausgeleuchteten Obst- und Gemüsebereich des Marktes. Reimund schiebt den Einkaufswagen nun gelangweilt hinter seiner Frau her. Gelegentlich nickt er zustimmend, wenn sein angetrautes Weib ihm eine Frage zu einem Produkt stellt und beobachtet ansonsten schweigsam wie Mandarinen, Äpfel, ein Kohlkopf, Zwiebeln und ein längliches Gemüse, deren Namen er nicht kennt und nicht kennen will, in den Einkaufswagen gelegt werden.

Dann taucht man gemeinsam weiter in das innere des überfüllten Marktes ein. Die Frau arbeitet ihre Liste ab und Reimund konzentriert sich einzig und alleine darauf, den Einkaufswagen zielgerichtet durch die vielen anderen Einkaufswütigen zu steuern und seiner Frau, wie ihm der eigene Dackel beim Gassi-Gehen auch, ohne groß darüber nachzudenken zu folgen. Bedauerlicherweise ist Heidrun nicht in der Lage, die Produkte auf der Liste einfach aus dem Regal zu nehmen und in den Wagen zu verfrachten. Zum völligen Unverständnis des Mannes liest sich das Weibsbild, praktisch vom jeden Produktes, die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite durch und vergleicht diese mit einem vergleichbaren Fabrikat, eines anderen Herstellers.

Dann und wann nimmt die holde Weiblichkeit…

Dann und wann nimmt die holde Weiblichkeit auch einen Mitarbeiter des Ladens unter beschlag und stellt, ausschließlich zu ihrem Vergnügen, Fragen zum Preis, zur Herstellung und Auffindbarkeit der Produkte auf ihrer Liste. Reinhold schaut dann immer betreten zur Seite oder auf den Boden und tut so als würde er die Fragestellerin an seiner Seite nicht kennen. Erst als die Dame den Einkaufswagen fast bis zum Rand mit Fressalien und Artikeln aus dem Non-Food-Bereich gefüllt hat, erwacht die Aufmerksamkeit von Reimund wieder, denn sie haben den Bereich mit den Getränken erreicht.

Mit einem schnellen Handgriff greift Reimund sich die Kiste des billigen Mineralwassers und verfrachte sie unten, auf die Ablage unter dem Drahtkorb des Einkaufswagens und studiert sodann, mit geübtem Blick, die Preise der Biere die Heuer zum vergünstigten Preis angeboten werden. Bei der Auswahl des Bieres darf allerdings, einem ungeschriebenen Gesetz folgend, nichts falsch gemacht werden. Das Bier muss schließlich schmecken und so darf die Auswahl nicht nur am Preis festgemacht werden. Meist sind nur die nicht so schmackhaften Biere im Angebot und so greift der Rentner auch heute, wie eigentlich jedes Mal, zum Bier von der lokal ansässigen Brauerei.

An der Kasse legt die Göttergattin langsam und mit Bedacht, jedes Produkt einzeln…

An der Kasse legt die Göttergattin langsam und mit Bedacht, jedes Produkt einzeln auf das Warenband und drapiert dabei, aus einem dem Mann unbekannt Grund, schwere Sachen nach vorn und die Leichten ans Ende des gummierten Fließbandes. Immer wieder lächelt sie dabei die genervt wartende Kassiererin an, stellt Fragen zu Rabattmarken und merkt dabei nicht wie Reimund heimlich einen Dreierpack Kräuterlikör unter die Waren mischt. Als sie endlich den Wagen geleert hat und ganz hinten einen sogenannten Warentrenner auf das Band stellt, sind wieder einige Minuten ins Land gegangen. Als die Verkäuferin die Waren endlich über den Scanner zieht und der Einkaufskorb langsam aber sicher wieder gefüllt wird, erntet Reimund einen bösen vernichtenden Blick, als der Dame des Hauses den Likör in den Wagen knallt. Reimund ist es egal.

Als sie schliesslich den Laden verlassen, kommt es Reimund so vor, als ob draussen die Sonne bereits untergeht. Er ist ausgelaugt und fertig mit den Nerven. Schnurstracks eilt er zu seinem geliebten Auto und nimmt keinerlei Rücksicht darauf, dass Heidrun ihm nicht so schnell folgen kann. Mit den Nerven am Ende verfrachtet er die Einkäufe zuerst in die mitgebrachten Tüten und dann in den Kofferraum. Penibel achtet er aber darauf, dass der leckre Kräuterlikör nicht in den Tüten landet, sondern direkt in die Jackentasche seiner Strickjacke gesteckt wird. Er wird das Gesöff brauchen, sobald er daheim ist. Als sodann auch die Kisten mit Wasser und Bier im Kofferraum verschwinden kommt auch das schwitzende Weib herbei und lässt sich wie ein nasser Sack auf das Furzpolster des Beifahrersitzes nieder.

Hurtig steigt auch Reimund sodann in die Kiste…

Hurtig steigt auch Reimund sodann in die Kiste, klemmt sich hinter das Lenkrad und startet den Motor, um nachfolgend auf schnellstem Wege nach Hause zu steuern, das Vehikel in die Garage zu stellen und die Einkäufe in die Küche zu tragen. Sofort danach verzieht er sich mit den Dreierpack Kräuterlikör und zwei Flaschen Bier in den Bastelkeller und kommt erst dann wieder heraus, wenn die Gattin ihn zum Essen ruft. Danach bewaffnet er sich erneut mit Bier und verzieht sich wieder, um in seinem Hobbykeller endlich zu realisieren, dass er erneut einen dieser grausigen Tage, an denen der Einkauf erledigt wird, überstanden hat und er ab jetzt, genau sieben Tage Zeit hat sich vom heute erlebten Grauen zu erholen.

Familienväter auf Abwegen

Neulich war es laut. Neulich war es blutig. Neulich war ich auf Hundertachtzig. Alkohol macht frei, macht enthemmt und macht unbedeutend. Eine mickrige, armselige Figur, die den Mund aufreißt und mit Schimpfwörtern um sich schmeißt. Alles gequirlte Kacke. Für einen nüchternen Menschen nicht zu begreifen und kaum zu ertragen. Ein Treffen mit alten Freunden. Alles Familienväter, die von ihren Frauen Ausgang bekommen haben. Das Bier fließt in Strömen. Fußball läuft. Dortmund gewinnt. Hier ein Schnaps da ein Bier. Herrengedeck. Alle sind redselig, ja freizügig in ihren Äußerungen. Gespräche über Familie und Beruf. Schimpfen über die Firma und Kritik am Handeln der Frau.

Immer wieder herausgehen zum Rauchen. Draußen mit anderen Rauchern über das Spiel diskutieren. Zu viele Chancen vergeben, trotzdem gewonnen. Die Meisterschaft ist noch weit weg, aber immer möglich. Kneipe wechseln. Durch die nächtliche Stadt irren und im schummrigen Licht am Baum urinieren. Die anderen sind schon weit voraus. Keiner wartet. Schnell pinkeln und laufen um die anderen nicht aus dem Blick zu verlieren. Ein paar Tropfen des warmen Urins landen in der Unterhose.

Neuen Laden finden, betreten und von vielen Augen begutachtet werden…

Neuen Laden finden, betreten und von vielen Augen begutachtet werden. Feindselige, bösartige Blicke. Niemand mag Männer mit Bärten, die unberechenbar aussehen. Platz nehmen. Direkt an der Quelle. Kein Tisch in weiter Ferne. Die Bar muss es sein. Die neue Weltordnung hat Einzug erhalten. Stammgäste, die seit Jahren hier stehen, spielen ab jetzt die zweite Geige. Drängeln, Platz wegnehmen und die Dame am Zapfhahn in Beschlag nehmen. Lauthals bestellen. Trinkgeld geben, denn hier muss direkt bezahlt werden. Striche auf Deckeln gibt es für uns nicht. „Schnell, schnell, wir haben Durst, du alte Hippe“. Die Zeit ist knapp, Frau und Kinder warten. Nach drei Bier müssen wir wieder gehen. Zu laut war man, unkultiviert und unfreundlich. Man kann nun mal nicht immer nett sein.

Der nächste Laden ist klein und schummrig. Bier und Schnaps gibt’s hier auch. Alle Gäste sind betrunken und selbst fühlt man sich gleich heimisch. Die wenigen Frauen im Laden sind alt und abgewrackt, aber wen stört es, daheim wartet schließlich ein Topmodel auf einem.

Wieder drängt man sich an den Tresen…

Wieder drängt man sich an den Tresen. Würfelbecher müssen her. Schocken ist der Sport des Abends. Mit Jule und pflücken. Zwei unbekannte wollen mitspielen. Klaus und Peter heißen die unsympathischen Gestalten. Peter ist drahtig und tätowiert. Klaus hat einen mächtigen Bierbauch und stinkt nach Knoblauch. Opfer. Der eigene Geldbeutel ist fast leer. Trotzdem spielt man mit. Was muss, das muss. Becher drehen. Mühsam eine Straße zusammenwürfeln und verlieren. Runde geben. Bier und Schnaps für alle Beteiligten. Neue Runde, neues Glück. Würfel fallen lassen. Eine Runde Schnaps geben. Abgemacht ist abgemacht. Erneut verlieren und Bier bestellen. Der Deckel ist voll. Aussteigen. Man betritt die Toilette. Es stinkt nach Pisse. Alles ist bekritzelt. Ein defekter Kondomautomat verschönert eine Wand. Man nähert sich dem Urinal. „Komm näher, er ist kleiner, als du denkst.“ Doofer Spruch. Trotzdem bemüht man sich zu treffen, doch es ist vergebens. Knapp die Hälfte geht daneben. Scheiß darauf. Stinkt ja eh schon wie in der Kanalisation. Den Schankraum erneut betreten. Umsehen und Denken: „Mein Gott, wie bin ich nur in dieser Kaschemme gelandet?“
Voll wie ein Eimer. Beschließen klug zu sein und nach Hause zu gehen. „Zahlen, bbidddee“. Die letzten Kröten werden zusammengerafft und auf den Tresen geklatscht. 32,80 €. Geht ja noch.

Verabschieden und auf den Gehweg taumeln. Die Sonne geht bereits auf. Direkt vor der Kneipe steht ein Taxi, aber das Geld reicht nicht mehr aus. Zur nahegelegenen U-Bahn wanken. Ticket kaufen und mit viel Glück die richtige Bahn erwischen. Man kann die Zahlen, die vorn darauf stehen, ja kaum noch lesen. Die U-Bahn ist gut besetzt. Junge Menschen, die genauso besoffen sind, wie man selbst, sitzen auf den abgewetzten Polstern. Einige haben „Knöpfe“ im Ohr und die Augen geschlossen. Die anderen singen oder besser gesagt, grölen herum. „Lasst mich bloß in Ruhe Kinder.“ Drei, vier Stationen weiter wird man unsicher. War es wirklich die richtige Bahn? Die letzte Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist schon ewig her. Kein Plan, an welcher Haltestelle man aussteigen muss. Die Bahn verlässt den Tunnel. Ab jetzt geht es oberirdisch weiter. Ein großer Vorteil. Aus dem Fenster gucken und nach irgendwelchen markanten Punkten, die man kennt, suchen. Etwas erkennen, aussteigen und merken das man drei Stationen zu früh ausgestiegen ist. Scheiße.

Eine Steile Treppe führt von der Haltestelle hoch auf eine schmale…

Eine steile Treppe führt von der Haltestelle hoch auf eine schmale Fußgängerbrücke. Hier muss jeder Fahrgast rüber. Die Schienen der Stadtbahn verlaufen direkt in der Mitte der Schnellstraße. Der Ruhrschleichweg ist auch mitten in der Nacht noch recht stark befahren, sodass man es mit mehr als 2 Promille Alkohol im Blut, eher schlecht und, vor allem, nicht zur Gänze unverletzt auf die andere Seite schafft. Also die Treppe rauf. Oben angekommen ist man fix und fertig von der Anstrengung. Irgendetwas drückt. Irgendwo unterhalb des Magens. Es dauert einen langen Augenblick, bis man realisiert, dass es wohl die Blase ist, die hier für Unbehagen sorgt. Schnell wird der Hosenstall geöffnet und wankend nach dem schrumpeligen Glied im inneren gefingert. Mit einer Hand wird sich nun am Geländer festgehalten, um beim Pinkeln nicht den Halt zu verlieren.

Der Prengel in der anderen Hand fühlt sich klebrig an und ein muffiger Duft steigt einem in die Nase. Hurtig verlässt der Druck verursachende Urin die Blase und nimmt den kleinen, aber unausweichlichen, Umweg über die Harnröhre, nur um im hohen Bogen über den Handlauf zu spritzen und platschend auf der Bundesstraße zu landen. Auch einige Windschutzscheiben, der vorbeisausenden Autos, leiden unter Urinbeschuss. Noch während man pinkelt, wird einem schlecht. Das ganze Bier, die ranzigen Nüsse aus der Kneipe und der Döner, den man irgendwo gegessen hat, wollen einfach nicht länger im Magen bleiben. Die Hose ist noch offen und der Dödel hängt an der freien Luft und schon ergießt sich ein Schwall warmer Kotze über den Brückenboden. Auch die eigene Hose und die sündhaft teuren Markenturnschuhe gehen nicht leer aus. Man würgt, bis sich der komplette Mageninhalt auf den Boden verteilt hat und zum Schluss nur noch Rotze und Magensäure zum Vorschein kommt. Einmal tief durchatmen.

Kurz ausruhen. Schnell fühlt man sich ein bisschen besser und…

Kurz ausruhen. Schnell fühlt man sich ein bisschen besser und beschließt voller Tatendrang die letzten drei Stationen bis zur heimatlichen Behausung zu Fuß zurückzulegen. Immer noch schaukelnd, wie ein Fischerboot auf der Nordsee, bei starkem Seegang, nähert man sich den Treppenabgang. Voller Konzentration versucht man den rechten Fuß mittig auf der ersten Stufe zu platzieren. Doch der Blick ist noch immer getrübt, alles verschwimmt vor den Augen. Der Fuß trifft die Stufe nicht richtig. Irgendwas sagt einem, dass es so kommen musste. Hart schlägt man auf und purzelt unkontrolliert die Treppe herab. Der Abstieg ist häufig einfacher als der Aufstieg und gelegentlich schneller als gewünscht. Unten angekommen begibt man sich aus der liegenden Position in eine sitzende. Die Hose hat, am Knie ein großes Loch und Blut färbt die Jeans rapide Rot. Der Kopf schmerzt und der kontrollierende Griff an die Stirn fördert auch hier, die rote Soße zum Vorschein. Scheiße.

Man versucht aufzustehen, aber das schmerzende Knie lässt dies nicht zu. Das Handy wird aus der Hosentasche geholt. Der Blick auf die Anzeige sagt einen, dass es noch funktioniert. Mit mulmigem Gefühl und Tränen in den Augen wählt man die Nummer der Gattin, die einem nach einer Schimpftirade später mit dem Auto abholt, daheim unter die Dusche steckt und drei Tage nicht mit einem spricht. Ein paar Wochen werden die Wunden geleckt, bis man dann doch wieder zum Handy greift, die Kumpels anruft, sich zum Fußball verabredet und der Frau daheim „hoch und heilig“ verspricht nicht zu viel zu trinken. Voll freudiger Erwartung betritt man dann die erste Kneipe. Stammgäste werden vom Tresen vertrieben, unfreundlich ist man und natürlich werden jede Menge der leckeren Getränke in die eigene Figur geschüttet bis man schlussendlich wieder besoffen ist und irgendwie nach Hause kommen muss. Prost.

Die Oma der drehenden Daumen

Die Jalousien sind halb geschlossen und tauchen das Wohnzimmer, mit der orange-braunen Mustertapete in fahles Licht. Der betagte Ohrensessel, mit dem abgewetzten Sitzpolstern, steht in einer Ecke und ist genau auf dem diagonal positionierten Fernseher ausgerichtet. Neben dem Sitzmöbel findet sich eine große Stehlampe, die mit riesigem Fransen-Schirm daherkommt. Die wuchtige, Echtholz-Schrankwand und mehrere alten Teppiche, die den Fußboden zieren, lassen den Raum klein und beengt wirken. Im Sessel findet man eine Frau. Eine alte Frau, die ihre wulstigen Beine auf das kleine Höckerchen abgelegt hat. Den ganzen lieben Tag schaut sie in die Röhre und dreht dabei Däumchen. Sie legt dabei einen dermaßen perfiden Perfektionismus an den Tag, dass die Haut rund um den Daumen schon ganz dünn ist und sich, an den immer wieder aneinander reibenden Stellen, eine Hornhaut gebildet hat.

Sie kennt fast jede Sendung, die auf den Programmen läuft, die sie empfangen kann. Besonders toll findet sie das „Glücksrad“ und „Hans Meiser“. Zwei Sendungen und zwei Männer, die ihr derart ans Herz gewachsen sind, das sie keine Sendung verpassen wird. Nie und nimmer, das hat sie sich geschworen. Insgeheim schwärmt sie ein bisschen für den vornehmen Peter Bond und ertappt sich gelegentlich dabei neidisch zu sein. Neidisch auf die Assistentin, Maren Gilzer, die immer so eine tolle Figur macht und in feschen Kleidern, elegant die Buchstaben umdrehen darf, an der Seite ihres Helden.

Doch wenn sie dann an sich herabschaut…

Doch wenn sie dann an sich herabschaut und den ballongroßen Busen, der im Stehen fast bis zu den Knien hängt, den wabbeligen Bauch und die von Krampfadern und Krähenfüßen übersäten Beine erblickt, bekommt sie Zweifel. Wäre sie wirklich ein perfekter Ersatz für die schöne Maren? Könnte sie die leuchtenden Buchstaben, im geblümten Kleid, mit tief ausgeschnittenen Dekolleté, genauso vornehm drehen? Würde Peter sie tatsächlich während der Sendung loben und seine perfekten Zähne aufblitzen lassen, während er ihr bei der Arbeit zuschaut? Würde er sich, nach der Sendung, hinter der Bühne, womöglich auf ein kleines Stelldichein mit ihr einlassen? Wahrscheinlich nicht.

Dann lieber der Einladung von Heins Meiser, die vorgestern in ihrem Briefkasten gelandet ist, folgen. Endlich hat er auf ihre endlosen Bewerbungen reagiert. Endlich darf sie auf einen der Stühle im Studio Platz nehmen und berichten. Berichten über ihr Problem mit den Daumen über die wunden Stellen und über die Unfähigkeit aufzuhören. Sie wird dann, eine oder mehrere Tränen vergießen, sich vom Hans trösten lassen und sein Hemd mit ihren Tränen benetzen. In diesem einen, kurzen Augenblick wird sie glücklich sein, wird sich geborgen fühlen und dabei vergessen die Daumen kreisen zu lassen.

Joggen für ein besseres Leben

Heute ist es so weit. Ich habe mich Wirklich und wahrhaftig in den viel zu engen Jogginganzug gequetscht und stopfe mir, just in diesem Augenblick, die teueren kabellosen Kopfhörer in die Ohrmuscheln.

Schon gestern habe ich angefangen, an meinen suboptimalen Lebensstil zu feilen und bewusst die vier großen Bier, die ich mir sonst so allabendlich in dem Leib schütte, auf drei reduziert. Weitgehend habe ich darauf verzichtet beim Fernsehen Chips, Schokolade und Erdnüsse in den Rachen zu schmeißen. Da ich zwar darauf erpicht bin mein Selbstwertgefühl zu steigern und mein Gewicht zu verringern, mein Durchhaltevermögen aber noch nicht zur Gänze ausgeprägt ist, konnte ich dennoch nicht ganz auf die Knabbereien vor der Glotze verzichten. Kompromissbereit wie ich nun einmal bin, habe ich vor der Flimmerkiste aber wirklich nur drei kleine Müsli-Riegel, die zugegebenermaßen dick mit weißer Schokolade umzogen waren, in ganz kleine Bissen weggemümmelt und dabei nicht vergessen jeden Happen gut durchzukauen.

Als ich dann heute Morgen aus den roten, ledernem Boxspringbett gestiegen bin…

Als ich dann heute Morgen aus den roten, ledernem Boxspringbett gestiegen bin, habe ich mich dann irgendwie schon ganz leicht und nicht so träge und verkatert wie sonst gefühlt. Der einzige Nachteil war, dass mein Magen geknurrt hat, wie ein räudiger, altersschwacher Schäferhund, der seine Rente als Wachhund auf dem Bauernhof, aufbessert. Auch das leckere Frühstück, dass aus einer kleinen Schüssel Müsli gemischt mit fettarmem Joghurt und frischen Apfelstückchen bestand, sorgte nicht für eine deutliche, wahrnehmbare Besserung. Dennoch blieb ich standhaft und quetschte mich, wie bereits erwähnt, in den Jogginganzug.

Sicherlich, die fette Wampe und die Biertitten, die ich mir im Laufe meines Lebens angefressen und angesoffen hatte, machten mich in den total bunten, ballonseidenen Jogginganzug, den ich ganz unten in meinem Schrank gefunden hatte, noch nicht zu dem Adonis auf der Laufstrecke im Park, der ich sein wollte. Dennoch fand ich mich attraktiv genug, dass mir mein eigener Anblick, beim prüfenden Blick in den Spiegel, ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Als ich endlich das Handy in eine Klarsichthülle geschoben und mir um den Arm gebunden hatte, war ich bereit für die erste sportliche Betätigung nach dem Schulsport in der 10. Klasse.

Schwungvoll und voller Begeisterung öffnete…

Schwungvoll und voller Begeisterung öffnete ich die Tür, trat vor die selbige, wurde empfangen vom azurblauen Himmel des goldenen Oktobers und brachte, voller Elan, die wenigen Schritte bis zum Auto hinter mich. Nun quetsche ich mich hinter das Lenkrad, startete den Wagen und fuhr in meinem 80er-Jahre-Outfit die wenigen hundert Meter zum nahegelegenen Park. Dort angekommen, stellte ich mein Fahrzeug zu den anderen, die hier in beachtlicher Anzahlt den Seitenstreifen blockierten und machte mich sodann auf den Weg zur Laufstrecke.

Dort angekommen griff ich nach dem Smartphone, startete gekonnt, mit einer legeren Bewegung, die Musik-App und wartete den kurzen Augenblick bis Mick Jagger seinen Mund dermaßen weit aufgerissen hatte, dass sein Gesang direkt aus Amerika, quasi bis über den großen Teich, im weit entfernten Deutschland ankam und in meinen Ohren zu hören war. Erst dann war ich fertig und startet meinen Lauf.

Gewohnt gemütlich, wie ich nun einmal bin…

Gewohnt gemütlich, wie ich nun einmal bin, startete ich meinen Lauf, im gemäßigten, meinem Alter entsprechenden, Tempo und steigerte die Geschwindigkeit erst dann, als mich von hinten, eine uralte Dame mit Hund überholte. Dem Anschein nach war die grau melierte mindestens doppelt so alt wie ich und nur hier draussen, in der freien Natur, weil der an der Leine geführte Rauhaardackel seinen Darm und Blase entleeren musste. Die erhöhte Geschwindigkeit hatte allerdings zur Folge, dass mein Bauch und auch die Titten dermaßen in Wallung gerieten, dass ich das Gleichgewicht verlor, von der Strecke abkam und sich meine überteuerten Laufschuhe, die ich mir extra für dieses Ereignis besorgt hatte, in der riesigen Tretmine eines, erheblich größeren als den eben gesehenen Vierbeiner, wiederfanden.

Mit Scheiße an den Schuhen und auch ein paar Spritzer davon an der Hose nahm ich, nachdem ich mich auf die Strecke zurückgekämpft hatte, meinen Lauf wieder auf. Schnaufend, wie eine Dampfwalze erreichte ich mein, selbst gewähltes und in Sichtweite entferntes Etappenziel, gerade eben. Dort an der mit Graffiti übersäten Parkbank und der mit Kotbeutelchen überfüllten Mülltonne hielt ich kurz Inne, setzte mich und fingerte mit hochrotem Kopf den zerknautschten, mitgebrachten Proteinriegel aus der schweißgetränkten Tasche meiner Jogginghose. Rasch befreite ich die Verpflegung aus der Folie und stopfte mir, unbedacht und jegliche Ernährungsregeln missachtend, den Riegel komplett in den Mund.

Noch kauend dachte ich nach, wie es weitergehen sollte…

Noch kauend dachte ich nach, wie es weitergehen sollte. Ich hatte mich körperlich bewegt, ich hatte weniger gefressen und gesoffen und ich würde weiter machen. Ich hatte die Stones gehört, mich in einen Trainingsanzug gequetscht und mich wieder jung gefühlt. Ich hatte die alte Dame mit dem Hund wieder eingeholt und ihr beim Überholvorgang den Stinkefinger gezeigt. Ich war wieder ein Mann, der es mit fast allen aufnehmen konnte und entschied genau in diesem Moment, dass ich es am Anfang nicht gleich übertreiben sollte.

Voller Genugtuung stand ich also auf und machte mich auf den Weg zurück zum Auto. Zwar konnte ich meine Karre von hier noch immer am Seitenstreifen stehen sehen und auch die Oma mit dem Köter, kam mir just in diesem Augenblick ein drittes Mal entgegen, dennoch war ich mit meiner Leistung durchaus zufrieden. Ganz langsam setze ich einen Schritt vor den anderen, lächelte die Greisin, während ich an ihr vorbeitrottete, freundlich an und ordnetet den von ihr gezeigten „Scheibenwischer“ innerlich als Schabernack ein. Mit Kot bekleckert, schweißgetränkt aber glücklich erreichte ich sodann mein Auto, setze mich hinter das Steuer und es kam mir so vor als hätte sich der Raum, zwischen meinem Bauch und Lenkrad, tatsächlich ein wenig vergrößert.

Das Blockflöten-Bootcamp

Lange ist es her, aber dennoch so präsent, dass es fast greifbar ist. Damals, in der grauenhaften Zeit meiner minderspaßigen Kindheit, griff ich gezwungenermaßen des Öfteren zur ledernen Schatulle mit der Blockflöte, klemmte mir diese unter dem Arm und stieg behäbigen Schritten die vielen Stufen meines Wohnhauses herab bis mich die, von grauen, rußigen Häusern gesäumte Straße empfing.

Sodann schlenderte ich langsam den holprig geteerten Gehweg entlang, schaute gelegentlich auf einer der Uhren, die ich mit einem Blick durch das Fahrerfenster eines jedweden Autos fand und erreichte mein Ziel, bedauernswerterweise, fast immer pünktlich.

Vor dem mehrstöckigen Gebäude…

Vor dem mehrstöckigen Gebäude der lokalen evangelischen Kirchengemeinde warteten bereits andere bemitleidenswerte, zierliche Gestalten mit ebenfalls kleinen Taschen, Etuis oder Jutebeutel in den Händen. Kaum einer von ihnen schien sich auf das bevorstehende Ereignis zu freuen. Die meisten, aber vor allem die Jungs, schauten missmutig aus der imaginären Wäsche.

Eine ganze Weile standen wir dann da und glotzen in der Gegend herum, bis sich schlussendlich, die hölzerne Eingangstür quietschend öffnete und den Blick freigab auf ein dunkles Treppenhaus, dass den direkten Weg in die Folterkammer garantierte. Noch langsamer als bei mir daheim die Stufen hinab, stieg ich diese hinauf und trottete den anderen Opfern hinterher.

Oben angekommen wurde uns Kinder schnell klar, dass…

Oben angekommen wurde uns Kindern schnell klar, dass das Grauen jetzt beginnen würde. Uns erwartete eine überlebensgroße Frau, die dürr war wie ein Skelett und um dies zu Kaschieren ein riesiges, knöchellanges, wallendes Blümchen-Kleid trug, das nur an den mit Puffärmeln ausgestatteten Armöffnungen den Blick auf ein wenig aschfahle Haut freigab. Mit grauenhaften, hasenzähnigen Lächeln empfing sie uns schon direkt an der Tür und deutete auf einen, von Flötotto ausgestatteten, Stuhlkreis und machte uns damit klar, dass wir uns setzten sollten.

Als endlich alle Kinder Platz genommen hatten, ließ ich meinen Blick schweifen und versuchte einzuordnen, in welcher Kaste ich mich Kleidungstechnisch wiederfand, konnte aber schon damals keine genaue Zuordnung finden. Die meisten Jungs trugen eine Jeans, ein buntes T-Shirt und dazu ein Paar Turnschuhe, häufig mit drei Streifen oder einer springenden Wildkatze an den Seiten. Auch die Mädels trugen Jeans, die oft mit einem Micky oder Mini Mouse-Aufnäher oder Barbie-Applikation daherkamen und dazu ein Shirt oder eine modische Bluse. Ich trug eine grobe Cordhose in Beige, dazu ein kariertes Hemd in blau-weiß, wie es in Bayern wohl üblich ist und Turnschuhe, der Marke Victory. Bedauerlicherweise hatten die Schuhe neben ihrem aufgesticktem, ausgrenzenden „V“ auf der Verse auch noch einen Klettverschluss, der eindeutig und ohne Umschweife verriet, das der Träger noch immer keine Schleife konnte.

Nun ging es aber ans Musizieren…

Nun ging es aber ans Musizieren. Die missgelaunte Dürre bedeutete ihren Schäfchen die Flöten aus ihren Verpackungen zu befreien und das untere Ende, nicht ohne vorher ein wenig Fett auf den Verschluss zu schmieren, auf das obere zu stecken. Dann wurde ein Overheadprojektor zurechtgerückt und ein paar Noten auf die extra für diesen Zweck, weiß getünchte Teilwand geschmissen. Die Olle im Blümchenkleid hob dann hurtig einen Dirigentenstab in die Höhe, schlug ein paar mal im Takt auf den Projektor ein und alle bliesen auf dieses Kommando durcheinander in Ihre mitgebrachten, hölzernen Blasinstrumente.

Der Krach der ertönte und wohl von Niemandem, der auch nur ansatzweise etwas von Musik verstand, als diese identifiziert werden konnte, brachte die gottesfürchtige Musiklehrerin dennoch fast in den psychischen Ausnahmezustand der Ekstase. Als das kurze Stück von uns zur Gänze gespielt war und auch der letzte Ton aus einer teuer aussehenden Flöte eines dickbäuchigen Kindes mit Brille und Pausbacken gekommen war, legte sie ihren Stab beiseite, hob die Hände und schlug diese zum Beifall, leise aber dennoch hörbar, aneinander.

Diese Prozedur wiederholten wir so lange, bis die pädagogische Vogelscheuche…

Diese Prozedur wiederholten wir so lange, bis die pädagogische Vogelscheuche mit christlich angehauchtem Hintergrund vollends zufrieden war, frenetisch und lautstark in die Hände klatsche und uns mit ihrem Pferdegebiss, wohlwollend aber irgendwie angsteinflößend anlächelte. Danach kramte sie eine weitere Folie aus einer Schublade, einer altersschwachen aber aus gutem, schweren Holz gezimmerte Kommode, legte auch diese auf den Projektor und machte uns mit einem neu einzustudierenden Werk Angst und Bange.

„Oh du lieber Augustin“, war das Lied, das sich die floral gekleidete Dame für uns ausgesucht hatte. Voller Überschwang und Inbrunst spielte sie uns dies auf Ihrer eigenen Flöte, die nicht nur schwarz-weiß, sondern viel größer als unsere war, vor und lächelte uns danach erneut furchterregend an. Wie gut sie sich auf diese Folterstunde vorbereitet hatte, zeigte sich als sie, praktisch wie aus dem Nichts, Kopien der Noten des von ihr favorisierten Liedes, aus ihrem Jutebeutel zog und in die Runde gab. Jeder von uns bemitleidenswerten Kreaturen sollte eines, der nach Lösungsmittel stinkenden Blättern, ergattern, damit er auch die daheimgebliebenen Mitbewohner mit einen wiederholt auftretendem, musikalischem Übungsszenario erfreuen könne.

Noch als wir bereits die Treppen, vor Angst und Niedergeschlagenheit fast weinend, hinunterstiegen ließ sie ein weiteres Mal gekonnt ihre Boshaftigkeit aufblitzen, indem sie uns den, in unseren Kinderohren mehr als verstörend klingenden, Satz mit auf den Weg gab: „Für den nächsten Donnerstag habe ich eine Überraschung für euch vorbereitet“ und entließ uns erst dann in die Freiheit, als sie mit blitzenden Augen und fiesem Lächeln anfügte: „Ich bin davon überzeugt, dass dieses eindrucksvolle Ereignis, nicht nur für euch der Höhepunkt der kommenden Woche wird, sondern auch für mich.“

Der unangefochtene Star auf dem Grill

Wurst. Bratwurst. Thüringer. Drei einfache Worte, die wenig aussagen. Könnte man meinen. Aber mal ernsthaft. Jedem von uns ist doch sicherlich ein Grillabend bei Freunden in Erinnerung geblieben, oder etwa nicht? Klar, der eine oder andere muss da schon etwas länger grübeln, oder gar komplett passen. Manch einer hat halt keine Freunde oder was noch viel schlimmer ist keinen Grill.

Alle anderen wissen sicherlich was es für ein anmutiges Gefühl sein kann, wenn die Holzkohle ganz langsam aus der Tüte in den Grill gleitet, die perfekt angeordneten Anzünder gierig nach der aufsteigenden Hitze des entfachten Feuerzeugs lechzen und schlussendlich die ersten Flammen um die Kohlen züngeln. Ein prickelnder Augenblick. Noch viel geiler wird es, wenn die ersten Thüringer, mit vor Vorfreude schweißnassen Händen, auf den Grill gelegt werden und schon nach ein paar Minuten der erste Duft, des reinen Handwerksprodukt im Naturdarm, in die Nase steigt.

Scheiß auf den Nachbarn…

Scheiß auf den Nachbarn, der sich in regelmäßigen Abständen überteuerte argentinische Steaks auf den Grill klatscht. Scheiß auf den vegetarischen Yuppie der seine Tofu-Würstchen brutzelt. Scheiß auf den Hipster der tagtäglich zum lokalen Sushi-Dealer rennt, um sich rohen Fisch in die Figur zu schaufeln. Nur die Wurst aus Thüringen ist das einzig Wahre.

Es dauert nicht lange, bis die erste Wurst fertig ist. Speichel bildet sich in deiner Mundhöhle und sucht sich den Weg in Freie. Alle Blicke sind auf dich und die Grillzange, in deinen Händen, gerichtet. Deine Freunde sehen angespannt aus, aber versuchen es vergebens zu verbergen. Jeder will eine haben. Jeder muss eine haben. Der mit Liebe gemachte Nudelsalat verkommt zur Nebensache. Die ersten Würste werden behutsam auf die Pappteller verfrachtet. Nun hat jeder Gast eine Wurst, aber alle warten bis auch der Gastgeber sitzt. Endlich, nach fast unerträglicher Wartezeit ist es so weit. Der erste Biss in die Thüringer bringt dich den Himmel ein wenig näher. Eine nicht wegzudiskutierende Menge, deiner Freunde, sieht aus, als hätten sie gerade ihren ersten Orgasmus erlebt. Die anderen schweigen und genießen den Moment des Triumphs. Guten Appetit.