Heute war ich beim Bäcker. Hab in der Schlange gestanden, die bis zur nächsten Ecke gereicht hat und mir kurz vorm Betreten der Backstube den Mund-Nasen-Schutz angelegt. Geht ja nicht mehr anders. Wird man sonst doof angeschaut, oder sogar des Ladens verwiesen. Vom Hausrecht wird dann hurtig gebracht gemacht, wenn es einer wagt, ohne Schutz, der meist Farbenfroh und selbstgenäht, oder in „OP-Blau“ daherkommt, den Verkaufsraum zu betreten. Wird hochkant nach draußen befördert, das Subjekt das andere in Mitleidenschaft ziehen will, mit seiner Spucke. Hat jawohl nicht mehr alle Tassen im Schrank der Spinner und dessen Maschinenraum muss, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, einer intensiven Wartung unterzogen werden.

Doch ich bin fair…

Doch ich bin fair und hab der Bundeskanzlerin ganz genau zugehört, als sie ihre Rede gehalten hat, im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen. Die Dame in seinerzeit roten Kostüm hat sich vorher selbstredend beraten, mit ihren Ministern, aus nah und fern. Sogar der Herr Söder durfte vor das Mikrofon, obwohl er aus Bayern kommt. Hat gefühlt mehr geschwafelt als die Angie. Ist ja auch ein Mann.

Als ich nach Ewigkeiten an der Reihe bin, bestelle ich die Brötchen für das morgendliche Mahl. Sechs an der Zahl denke ich und nuschele in meinen Mundschutz: „Sechs Normale bitte“ und schiebe ein „junge Frau“ hinterher und freue mich das die vollbusige Verkäuferin mein anzügliches Lächeln hinter der Maske nicht sehen kann.

Irgendwie stinkt es hier, denke ich…

Irgendwie stinkt es hier, denke ich, nachdem ich den Satz ausgesprochen habe und die Dame hinter der Theke so freundlich gelächelt hatte. Kommt bestimmt daher, dass ich meine schiefen Zähne heute Morgen nicht geputzt habe und ich zum Abendessen einen Grillteller, vom Griechen meines Vertrauens, verspeist habe. Sieht ja auch niemand und riecht auch niemand, habe ich mir beim morgendlichen Blick in den Spiegel gedacht und die Zahnbürste mit einem schelmischen Lächeln wieder in den Zahnputzbecher gesteckt. Dass ich nun selbst der Leidtragende bin, habe ich bei meiner frühmorgendlichen Missetat nicht bedacht.

Die Dame hinter der Theke trägt ironischerweise keinen Stoff vor Nase und Mund…

Die Dame hinter der Theke trägt ironischerweise keinen Stoff vor Nase und Mund. Komisch. Darf sie also ihren Speichel, der unweigerlich beim Sprechen und Atmen den Zwischenraum ihrer anmutigen Lippen verlässt, auf das ofenfrische Gebäck verteilen? Anscheinend. Mir ist es egal, denn ich habe Hunger. Lieber erkranke ich an Covid-19 als zu verhungern.

Ich werde die Brötchen daheim gierig aus der Tüte fingern, sie halbieren und mit Streichfett benetzen. Auf die glänzende, Halbfett-Margarine werde ich dann wahlweise eine Scheibe Käse, eine Scheibe Salami, Schinken oder auch eine Kombination aus alledem drapieren und das ganze genüsslich, nicht ohne vorher, dass in den Zeiten der Corona-Pandemie verpflichtende Stück Stoff vor dem Mund zu entfernen, in meinen Schlund schieben.

Danach, wenn ich meinen Bauch gefüllt habe und die Zahnzwischenräume neben Gyros-Fleisch nun auch Schwarzwälder Schinken aufgenommen haben, werde ich mir ausgiebig die Zähne putzen. Führt wohl doch kein Weg daran vorbei, auch wenn niemand sieht, dass die Beißer nicht gereinigt wurden.