Immer wenn wir Menschen nicht wissen über was wir wirklich reden sollen, betreiben wir Smalltalk. Häufig sinnfreies Geschwätz mit unbekannten oder Kollegen über das Wetter, den hiesigen Fußballverein oder andere Belanglosigkeiten. Smalltalk ist immer unverbindlich und dient lediglich ein sonst eher unangenehmes Schweigen oder eine unvermeidliche Wartezeit zu überbrücken. In Raucherecken, an Bus- und Bahnhaltestellen, in der Schlange an der Supermarktkasse, im Warteraum des Arztes, beim Friseur und an vielen anderen Orten, an denen sich fremde Menschen begegnen, kommt er zur Anwendung.

Die für mich privat wohl schlimmste Form…

Die für mich privat wohl schlimmste Form des Smalltalk ist der beim Friseur. Gefangen auf dem Frisierstuhl, mit einer Decke behängt, schnattert die Gans, mit der klappernden Schere, ohne Punkt und Komma auf mich ein. Entweder erzählt sie aus ihrem Privatleben, das mich nicht die Bohne interessiert, oder bombardiert mich mit Fragen über mein eigenes. Ob ich denn heute freihatte, was ich heute noch vorhabe, ob ich schon Weihnachtsgeschenke gekauft habe, ob ich denn Haustiere (wie sie selbst) habe, was ich beruflich mache, wie viel Kinder ich habe, ob ich regelmäßig Stuhlgang habe und ob ich mir vorstellen könnte irgendwann einmal auszuwandern. Ich antworte dann immer möglichst einsilbig und betont gelangweilt, um ihr deutlich zu machen, das ich auf diese Art der Konversation nicht erpicht bin, doch ihre zwei, maximal drei grauen Zellen weigern sich vehement meiner unausgesprochenen Aufforderung, den Mund zu halten, nachzukommen. Wirklich sinnvolle Fragen über die Dienstleistung, die hier angeboten wird, bleiben meist komplett aus.

Trotz alledem beherrscht die Tussi…

Trotz alledem beherrscht die Tussi, mit der etwas zu engen Hose und dem zu tiefen Dekolleté, ihr Handwerk perfekt. Meine kurzen, präzisen Anweisungen, wie das Haar geschnitten werden soll, kommt sie in Windeseile nach. Ein bisschen Rasieren hier, die Länge kürzen da und auch die gezackte Schere, zum ausdünnen der Haare, kommt mit flinken Fingern zum Einsatz. Nach knapp 15 Minuten habe ich die Prozedur, inbegriffen des obligatorischen Waschens der Haare vor dem eigentlichen Schneiden, überstanden. Der Blick in den Runden Spiegel, der mir das Ergebnis von allen Seiten präsentiert, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. An der Kassentheke zahle ich den geforderten Betrag ohne Murren und gebe artig ein, nicht übermäßiges aber angemessenes Trinkgeld und lasse mir einen Stempel auf ein Kärtchen, das mir den zehnten Haarschnitt für Lau einbringt, geben. So werde ich wohl auch das nächste Mal wieder auf dem gleichen Frisierstuhl Platz nehmen, das unangemessene Geschwafel ertragen, den einen oder anderen verstohlenen Blick, durch den Spiegel, auf ihren ausladenden Busen werfen und hinterher trotzdem gut gestylt und fröhlich den Laden verlassen.