Auch ich habe mich jetzt angemeldet. Ich will Fit werden wie ein Turnschuh und ein Sixpack haben wie Brad Pitt in seinen besten Zeiten, weiß aber schon vorher das es nicht funktionieren wird. Trotzdem, ein bisschen weniger von der Wohlstands-Plauze wäre schon etwas Feines. Also ab in den SUV und die wenigen Kilometer bis zur Fitnessbude herunterrasseln. Sicherlich, man könnte auch mit dem Fahrrad hinschaukeln, aber man soll es am Anfang ja nicht gleich übertreiben, mit dem Sport, habe ich mir sagen lassen. Außerdem haben die Wetter-Experten, in einer der vielen Wetter-Apps, die ich auf meinem Smartphone, fein säuberlich, direkt auf der zweiten Seite angeordnet habe, bestimmt irgendwo was von Regen gesagt. Wenn ich ein Türke wäre, würde ich jedenfalls darauf schwören. „Vallah“.

Als ich also den Panzer auf dem Parkplatz der Bude vom Schaller, dem ehemaligen Geschäftspartner und/oder Busenfreund von Dr.Motte abstelle, erwartet mich die erste Freude des schweißtreibenden Abenteuers. Hier, an dieser Stelle ist eine Parkscheibe vonnöten, sagt mir ein überlebensgroßes Schild direkt am Anfang des Platzes. Ein bisschen kleiner, darunter stand noch irgendwas wie: „Ansonsten könnte es teuer werden“, oder dergleichen. Dass ich keines dabei habe erschließt sich dem geneigten Leser, respektive Zuhörer, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, schon im vorausgegangenem Satzbaustein. „Scheiß darauf“, sage ich zu mir selbst und denke: „Wird wohl schon keine von den Zettel-Tanten vorbeischauen, in der halben Stunde, die es braucht, bis meine Muskeln vor schmerzen schreien.“

Gesagt getan. Karre verriegeln und hinein ins Vergnügen…

Gesagt getan. Karre verriegeln und hinein ins Vergnügen. Am Drehkreuz zeigt sich das die Mitgliedskarte funktioniert, denn ein grünes Licht signalisiert mir, das mir Einlass gewährt wird in den heiligen Hallen der gestählten Arme. Das grüne LED-Biernchen sollte aber auch das einzige offizielle Feedback des Tages sein, das ich erhalte, denn einen Mitarbeiter der Bude, geschweige denn einen ausgebildeten Fitness-Trainer sucht man hier, um diese Uhrzeit, vergebens. Eine Dame, die in Ansätzen dann doch was mit dem Schaller oder zumindest seine Firma zu tun hat, bekomme ich dann doch noch vor das Gesicht. Nämlich dann, als ich schon schwitzend vor Anstrengung, die Treppe zur ersten Etage hinter mir gelassen habe und den Umkleideraum für Herren betrete.

Die Dame wird so um die sechzig sein, schiebt einen dieser Reinigungskarren, die gefüllt sind mit den Utensilien, die es braucht, um Böden, Wände und Scheißhäuser zu reinigen vor sich her und sieht nicht nur aus wie eine Putze, sondern ist auch eine. Sie schaut beim Wischen des gefliesten Bodens mit einem Auge auf den Selbigen und mit dem anderen auf den schrumpeligen Schwanz eines aufgepumpten Mannes um die vierzig, der sich ungeniert vor der Alten entblößte, um unter die Dusche zu springen und sich die Sonnenstudio-gebräunte Haut sauber zu rubbeln.

Ich bin froh, das ich mich schon daheim in den Trainingsanzug gequetscht habe…

Ich bin froh, dass ich mich schon daheim in den Trainingsanzug gequetscht habe und nur noch die Schuhe tauschen muss und hoffe das die notgeile, glotzende Schreckschraube, wenn ich mit meiner Einheit fertig bin, ihre Arbeit zur Gänze verrichtet hat. Ein weiteres Mal nehme ich die Treppe und gelange auf kürzestem Wege in den Fitness-Raum und lasse diesen am Absatz der Treppe kurz auf mich einwirken. Hier scheinen tatsächlich Menschen, die etwas von Ihrer Arbeit verstehen und nach dem Abschluss der Klötzchen-Aufbau-Schule, auf dem dritten Bildungsweg ihren Master in: „Wie lasse ich eine Mucki-Bude anschaulich erscheinen“, nachgeholt haben am Werke gewesen zu sein. „Nicht schlecht Herr Specht, sieht gut aus, Rainer!“

Nun aber genug des Lobes und ran an den Bauchspeck und zum warm werden ein bisschen aufs Laufband. Ich habe gehört das einige das tun und aus der Ferne sehe ich auch schon ein paar von Denen in Reih und Glied auf der Stelle laufen. Dass ich das auch draußen in freier Natur haben könnte, ist mir im übrigen durchaus bewusst, allerdings verzichte ich gerne auf die Scheiß-Sonne, die mir einen Sonnenbrand auf die wenig behaarte Birne zaubert, wenn ich obendrauf nicht eine Mütze drapiere, oder mir nicht eines dieser bescheuerten Kopftücher um die Murmel wickele.

Also rauf auf eines der Laufbänder…

Also rauf auf eines der Laufbänder, zwischen einer fetten Ollen in den Wechseljahren und einen dicklichen Mann in meinem Alter, deren Deo schon vor einer ganzen Weile versagt haben muss. Hier bin ich also in bester Gesellschaft und kann, nachdem ich mit meinen Wurstfingern das Programm am Display auf: „Absoluter Anfänger“ eingestellt habe, endlich loslegen. Das Band läuft an und meine Beine bewegen sich im Schneckentempo vor und zurück. Bei diesem Tempo kommt ja nicht einmal meine Oma ins Schwitzen, denke ich und fingere erneut am Display herum, bis ich schlussendlich eine Geschwindigkeit gefunden habe, die Augenscheinlich deutlich schneller ist, als die nebenan bei der Dame auf der linken Seite und auch ein bisschen beim unappetitlich riechenden Mann auf der rechten. Euch werde ich es zeigen.

Tatsächlich perlen mir aber schon nach kurzer Zeit, die ersten Schweißtropfen von der Stirn und tropfen ungalant auf das Display. Mein Atem geht schnell und ich spüre das meine Beine, langsam aber sicher, schweren werden. Der Stinker, neben mir auf dem Fließband des Grauens, scheint das Ganze besser zu verkraften als ich, denn aus dem Augenwinkel kann ich erkennen das sein Atem ganz ruhig geht und er konzentriert gerade aus schaut, und dabei unverständlicherweise lächelt, wie ein Idiot.

Doch noch gebe ich nicht auf…

Doch noch gebe ich nicht auf. Diese Blöße will ich mir nicht geben. Mindestens 15 Minuten, will ich in diesem Tempo auf dem Laufband verbringen. Erst nach Ablauf dieser von mir selbst gesetzten Frist hat mein Arsch wieder Pause. „Keine Sekunde vorher“, denke ich voller Überzeugung, stelle sodann aber entsetzt fest, das gerade einmal vier Minuten vergangen sind. „Das wird haarig, das wird schwer. Danach werde ich fertig sein, mit meinem Training“, denke ich und schäme mich schon jetzt für meine Unsportlichkeit. Ich werde wahrscheinlich aus den Laden schleichen ohne ein einziges, stählernes, Gewichte in die Höhe gestreckt zu haben und frustrierter sein als jemals zuvor in meinem Leben.

Nach acht vergangenen Minuten auf dem Folterband denke ich ans aufhören. Meine Beine fühlen sich an, als wären sie aus Blei und das Shirt, dass ich träge, ist bereits komplett durchgeschwitzt. „Vielleicht soll es heute noch nicht sein. Eventuell brauche ich noch ein bisschen Zeit. Jeder fängt halt klein an, und es ist auch noch kein Meister vom Himmel gefallen“, murmele ich leise vor mich hin und bin verzweifelt.
„Ich brauche mich nicht zu schämen. Vor nichts und niemanden brauche ich, als erwachsener Mann, Rechenschaft abzulegen“, hänge ich noch dran und habe mich fast selbst überzeugt. Doch noch laufe ich auf der Stelle und habe noch nicht den großen roten, an einen Not-Aus-Schalter an einer Maschinen erinnernden, Knopf gedruckt, der das Band zum Stoppen bringt.

Es taucht eine junge Frau in meinem Blickfeld auf…

Es taucht eine junge Frau in meinem Blickfeld auf. Sie geht zu einem Crosstrainer, der direkt vor meinem Laufband platziert ist. Trotz das meine Wadenmuskulatur brennt wie ein trockener Weihnachtsbaum und ich schnaufe wie eine alte Dampflok, versuche ich locker und lässig auszusehen. Die blondierte Schönheit stellt ihre riesige Wasserflasche auf den Boden und präsentiert mir dabei ihren perfekten, in einer hautengen Leggings verpackten Hintern und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. In diesem Augenblick sehe ich wahrscheinlich genauso bescheuert aus, wie das Stinktier nebenan, doch es ist mir mehr als egal.

Es gibt sie also wirklich. Frauen die genauso hübsch sind, wie die auf den Plakaten von dieser Bude und ich habe das Glück das so eine, direkt vor mir ihren hübschen Körper in Wallung bringen möchte. Nun verspüre ich wieder neue Energie. Die junge Göttin in der engen Buchse, wird unbewusst dafür Sorge tragen, dass ich die 15 Minuten schaffe. Mindestens. Endlich steigt sie auf das Gerät und bewegt ihre langen Beine auf den Pedalen nach vorne und hinten. Endlich kommt auch ihr Po in Bewegung und mir kommt es so vor, als würde die Leggings an einigen Stellen durchsichtig werden, wenn sie der durchtrainierte Körper dehnt. „Das muss ein Material aus der Weltraumforschung sein“, denke ich und versuche trotz meiner heraushängenden Zunge und meiner animalischen Geilheit, die nötige Contenance zu bewahren.

Als ich endlich mein Ziel erreich habe und das Band zum Stillstand bringe…

Als ich endlich mein Ziel erreicht habe und das Band zum Stillstand bringe, schnaufe ich tief durch und glotze weiterhin auf die sich schnell bewegenden Arschbacken der blonden Amazone, vor mir. Beton lässig, schwinge ich sodann mein Handtuch über die Schulter, schlendere so cool es mir mit den schmerzenden Beinen möglich ist, an den geilen Hintern vorbei und schenke dem dazugehörigen Gesicht mein freundlichstes aber anzüglichstes Lächeln und ernte dafür den ausgestreckten Mittelfinger, der Göttin in Pink. Fuck.

Nach dieser Niederlage, gebe ich mich für heute geschlagen, beschließe aber am nächsten Tag, um die gleiche Uhrzeit wiederzukommen. Instinktiv erhoffe ich mir, dass die Blondine mit der engen Hose wieder da ist. Ich mag es, wenn Frauen ihre Krallen ausfahren und lächele, während ich langsam die Treppen zur Umkleide hoch schleiche. Oben angekommen stelle ich erleichtert fest, dass die Reinigungsfrau tatsächlich nicht mehr da ist. Der Tag scheint also doch nicht so schlecht zu werden, wie es den Anschein gemacht hat. Ich ziehe mich aus, reinige meinen schmerzenden Körper unter der Dusche und fühle mich, nach der Reinigung, erfrischt und vital wie niemals zuvor. Beim Anblick meines nackten Körpers im Spiegel der Umkleide, scheint es mir, als hätte sich der Umfang meines stattlichen Bauches tatsächlich schon ein wenig verringert, doch mein Gehirn trübt meine Freude, indem es mir sagt, das ich mich täusche.

Trotzdem bin ich stolz auf mich und bringe…

Trotzdem bin ich stolz auf mich und bringe, als ich wieder angezogen bin, die wenigen Haare auf meinem Kopf, mit einem Kamm wieder in Form. Danach steige ich die Treppen herunter erhasche einen letzten Blick auf meinen „Crush“, wie die heutige Jugend wohl sagen würde und beobachte wie die Frau, die gefühlt zwanzig Jahre jünger ist als ich selbst, ihre Brustmuskulatur auf dem Butterfly in Form bringt. Gerne würde ich eine Kusshand zuwerfen, oder ihr zumindest zuwinken, verzichte aber darauf als ich ihren bösen Blick sehe, den sie aufgesetzt hat, als sie mich erblickte.

Ein bisschen frustriert, aber dennoch stolz auf meine sportliche Betätigung und mit der vollen Überzeugung in der Brust, dass ich die junge Frau in den nächsten Tagen wiedersehen werde, verlasse ich den Fitness-Tempel. Gemütlich schlendere ich über den Parkplatz zu meinem Auto, betätige die Zentralverriegelung und schmeiße lässig meine Sporttasche in den Kofferraum des SUVs. Mit der linken Hand öffne ich sodann die Fahrertür, schwinge meine Hintern lässig in die Furzkuhle des Fahrersitzes, schnalle mich an und starte mein Fahrzeug. Erst jetzt, entdecke ich das Knöllchen, das hinter den Scheibenwischer meine Windschutzscheibe, geklemmt ist, bringe den Motor wieder zum Stillstand und steige aus.

Der Blick auf den Betrag, den ich blechen soll…

Der Blick auf den Betrag, den ich blechen soll, weil ich keine Parkscheibe in mein Vehikel gelegt habe, bringt mich zum erschaudern. 30 Euro soll ich überweisen und das bitte schnellstmöglich, muss ich lesen und kann aus den Augenwinkeln erkennen, wie eine junge Frau, mit perfekten Körper, der auf dem Butterfly gestählt wird, lauthals zu lachen scheint, während sie in meine Richtung schaut. Wahrscheinlich kann sie sogar aus der Ferne, durch die Glasfassade der Fitnessbude erkennen, wie dem alternden Idioten, der sie gerade noch dämlich angemacht hat und lüstern ihren Körper begutachtete, sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen ist.

Wütend schmeiße ich den Schrieb auf den Beifahrersitz, starte erneut den Motor und brause vom Parkplatz. Verflogen ist all die Freude über meinen gestählten Körper. Verflogen ist die Vorfreude auf dem morgigen Tag, den ich wieder hier verbringen wollte. Unsympathisch erscheint mir die junge Fitness-Göre, mit ihrem leckeren Figürchen nun und egal ist mir meine fette Wampe. Tatsächlich spiele ich mit dem Gedanken, den ganzen Mist einfach ad acta zu legen und noch heute meine Vertrag, den ich mit Herrn Schaller geschlossen habe, zu kündigen, gestehe mir aber das Recht zu, mindestens noch eine Nacht drüber zu schlafen.