Am liebsten würde ich einfach sitzen. Sitzen, auf dem Plastikstuhl, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Sitzen, bis der fette Arsch, auf dem rissigen Kunststoff blutig wird und die Augen müde werden, von den massenhaft anwesenden Vögeln, auf der Wiese, mit Würmern im Schnabel. Scheißen tun die Viecher auch ständig. Trotzdem. Der Anblick von kackenden Amseln, die mit ihren spitzen Schnäbeln, Würmer aus der feuchten Erde ziehen und dabei groteske Geräusche machen, ist immer noch besser als die Wohnung zu verlassen.

Auf dem heimischen Balkon, mit einer Kippe im Mundwinkel, ist die Welt noch in Ordnung. Hier brauche ich mit niemandem zu reden, brauche nicht, wie sonst immer, so zu tun als ginge es mir gut. Kein aufgesetztes Lächeln, kein Small Talk und keine sinnlosen Befehle. Hier kann ich, ungestraft, ärgerlich gucken, mich gehen lassen und dabei über die böse Welt, die da vor mir liegt, sinnieren.

In der gammeligen Jogginghose sitze ich dann dort…

In der gammeligen Jogginghose sitze ich dann dort. Egal ob es regnet, die Sonne scheint, oder die Welt untergeht. Hier bin ich Mensch. Hier bin ich allein. Allein mit den vielen zwielichtigen Gedanken, die mir das Leben mit anderen Menschen so schwer machen. Hirngespinste, die mir Streiche spielen. Geistesblitze die mich, im Gespräch mit Arbeitskollegen nur blöde lächeln lassen, während meine Gesprächspartner ausschweifend über die Erlebnisse am Wochenende philosophieren. Ideen, die mich nachts um den Schlaf bringen, die mich schwitzend aufwachen lassen und die meinen Kopf häufig, vor Schmerzen, fast zerbersten lassen.

Nun, genau jetzt, scheint die Sonne. Die Sonne, die ich so hasse. Ihre Fröhlichkeit verbreitenden Strahlen erreichen viele Menschen. Sie strahlt ihnen direkt ins Herz und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht, das ehrlich erscheint. Bei mir funktioniert es nicht und so verberge ich mich hinter zwei Sonnenschirmen, die lächerlich bunt sind und eine dunkle Sonnenbrille für zwei Euro aus dem Discounter. Dann und wann schiebe ich die Brille etwas herunter und erhasche einen kurzen Blick, ins goldene Sonnenlicht, das zwischen den Sonnenschirmen seinen Weg in meine Augen sucht. Doch es bringt nichts. Ich spüre nichts. Wie immer, wenn ich hier sitze und versuche mich in den Griff zu bekommen. Wie immer, wenn ich mir eine Taktik überlege. Eine Taktik, die mich reden lässt, mit den Menschen, die mich lachen lässt über miserable Witze, die mich weinen lässt, wenn ein geliebter Mensch stirbt.