Schon seit einer gefühlten Ewigkeit wartet der Mann im Büro auf den ersehnten Feierabend, auf das Wochenende und auf ein eiskaltes Bier. Es sind noch knapp 30 Minuten, die verstreichen müssen, bis die Klappe fällt. Nichts kann ihn hier auch nur eine Minute längere halten, denkt er verharrt regungslos auf seinen Bürostuhl und glotz gedankenverloren ins Dekolleté seiner Kollegin, die ihm gegenüber sitzt und mit spitzen Fingern auf die Tastatur einhämmert als gäbe es kein Morgen mehr. Nur wiederwillig löst er seinen Blick von den Titten der Kollegin, kratzt sich durch die Innentaschen seiner Hose ungeniert am Sack und denkt: „Auch die wird die ungeschriebene Gesetze, die einem den Alltag im Büro erträglicher machen noch lernen.“

Endlich hat er es geschafft. Die Zeiger auf seiner nostalgisch anmutenden Armbanduhr aus dem Hause Festina, zeigen genau 13 Uhr. Die Tage Montag bis Donnerstag sind arbeitsreich und gespickt mit Konferenzen und Terminen aber der Freitag ist da, um die Woche ausklingen zu lassen und früher in das Wochenende zu gehen. Komme was wolle. Da führt kein Weg dran vorbei. Der altersschwache PC wurde schon 10 Minuten vorher heruntergefahren, der Aktenschrank wurde bereits akribisch verschlossen und auch die ansehnliche Butterbrotsdose aus Metall wurde in die teuere, lederne Aktentasche geschoben.

Während sich Peter endlich auch den Trenchcoat über das Business-Hemd…

Während sich Peter endlich auch den Trenchcoat über das Business-Hemd wirf, tippt „Fräulein Vorbild“ immer noch und tut so als wäre ihr das Wochenende egal. Er kann dieses Verhalten nicht nachvollziehen, macht jetzt aber dennoch die Biege und wirft der Blondine ein nicht ernst gemeintes „Schönes Wochenende“ an den Kopf und hämmert die Tür von außen in die Angeln. Draußen angekommen geht er an der Schranke vorbei, findet sein Liebling auf ihn wartend, auf seinem reservierten Parkplatz und hüpft elegant über die Fahrertür und landet passgenau mit seinem Arsch im Sitz der feuerroten Corvette.

Die Autobahn ist um diese Zeit frei. Er kann gehörig auf das Gaspedal drücken und dabei im Takt seiner laut aufgedrehten Lieblingsmucke mit wehendem Haar nach Hause düsen. Dort angekommen braucht er nicht nach einem Parkplatz zu suchen. Sein roter Rennhobel findet Platz unter dem riesigen Carport, das vor seinem schicken, frei stehenden Einfamilienhaus sein Zuhause gefunden hat. Hier ist sein Schatz vor den grauenhaften Regen und den scheißenden Vögeln einigermaßen geschützt und dennoch könnte Peter schnell, wenn ihm danach wäre, in das Vehikel springen und am Nachmittag, um in Metaphern zu denken, mit nacktem Oberkörper an der Strandpromenade auf und ab fahren.

Doch nun geht er zur Tür und lässt behutsam den Schlüssel in das Schloss gleiten…

Doch nun geht er zur Tür und lässt behutsam seinen Schlüssel in das Schloss gleiten und öffnet diese. Seine beiden, wunderschönen und wohlerzogenen Kinder, die beide eine Privatschule besuchen, kommen angerannt, fallen ihm um den Hals und zeigen ihn damit wie gerne sie ihn haben. Kimberly ist 14 und Josef 12. Ein Mädchen und ein Junge. Genauso wie er und seine Frau es sich es seinerzeit gewünscht, geplant und ausgeführt hatten. Genau nach Zeitplan, damit nichts seiner Karriere im Weg steht. Seine Frau kümmert sich auch heute einzig und alleine liebevoll um das Wohl der Kinder, fährt sie zum Ballett, zum Geigenunterricht und zum Tennis. Nebenbei schmeißt sie den Haushalt und hat alle Tätigkeiten mehr als nur im Griff. Peter weiß, dass der Terminkalender seiner Frau voller ist als sein eigener, wird sich aber hüten es ihr auf die Nase zu binden.

Auch seine Frau kommt nun, um ihn zu begrüßen. Der attraktiven Dame des Hauses, die immer noch eine absolute Traumfigur hat, steht ehrliche Freude ins Gesicht geschrieben. Sie führen eine harmonische aber konservative Ehe, wie Peter findet. Zuvorkommend wie sie ist, hilft sie ihren Gatten aus dem Mantel, hängt diesen ordentlich an die Garderobe und geleitet ihn sodann ins Wohnzimmer. Hier ist bereits alles vorbereitet. Sein Sessel, auf dem er nun Platz nimmt, ist in Richtung des Fernsehers ausgerichtet. Er muss nichts weiter tut. Seine liebende Gattin zieht ihm behutsam die Schuhe aus und stülpt die kuscheligen Pantoletten über seine von der Arbeit schmerzenden, verschwitzten Füße und hebt diese vorsichtig auf den Fußhocker.

Nun bleibt der blonden Schönheit nur noch…

Nun bleibt der blonden Schönheit nur noch ihm die bereits geöffnete, eiskalte Flasche von seinem Lieblingsbier zu reichen und die Fernbedienung des riesigen Fernsehgeräts in die andere Hand zu geben, um sich sodann leise in die Küche zurückzuziehen. Während sich ihr Göttergatte von der anstrengenden Arbeit ausruht, bereitet sie dort seine Lieblingsspeise zu, schaut aber in regelmäßigen Abstanden im Wohnzimmer nach dem Rechten. Ihr ist es wichtig und ein großes Anliegen, dass das Bier ihres Mannes in der braunen Glaskaraffe nicht komplett zur Neige geht.

Endlich ist das Essen zubereitet. Peter muss nur das neben der Küche gelegene Esszimmer aufsuchen und auf seinen Stuhl Platz nehmen, sich die Servierte auf den Schoß legen und das fettige, deftige und wahrscheinlich ungesunde aber absolut leckere Mahl herunterschlingen. Hier in seiner gewohnten Umgebung braucht er nicht auf die Etikette zu achten. Hier kann er das Essen schlingend und schmatzend herunterwürgen und danach ohne sich zu schämen, rülpsen und furzen. Für sich und die Kinder hat seine Frau übrigens ein anderes Gericht zubereitet. Weitaus gesünder, weniger fettig, aber lang nicht so appetitlich.

Nach dem Essen macht es sich Peter mit aufgeblähtem Bauch auf der…

Nach dem Essen macht es sich Peter mit aufgeblähtem Bauch auf der Terrasse des Anwesens gemütlich. Nur mit einer Badehose bekleidet liegt er sodann auf der bequemen Liege unter dem Sonnenschirm und beobachtet, die sich in der leichten Brise bewegenden größeren Laubbäume am Ende seines Gartens. Dabei lässt er sich einen von der liebenden Gattin kredenzten Cocktail munden und springt gelegentlich, um sich abzukühlen, in den hauseigenen Pool. Erst als die Sonne untergeht und er schon ein wenig angesäuselt von den vielen Cocktails und dem Bier ist, holt ihn seine leicht bekleidetet Frau ab, nimmt ihn an die Hand und geht mit ihm auf direktem Weg ins Schlafzimmer.

Im Schlafgemach angekommen verriegelt die Dame des Hauses die doppelflüglige Tür, öffnet ihren Bademantel und schmeißt sich nackt wie Gott sie einst schuf auf das kreisrunde, riesige Bett. Im über dem Bett an der Decke angebrachten ebenso großen Spiegel, kann der dickliche Adonis erkennen, dass seine Frau ihn, kess wie sie in diesen Momenten nun einmal ist, mit dem Zeigefinger zu ihm heranbittet. Nachdem er seine Badehose heruntergelassen hat, kommt er dieser Bitte lächelnd nach und lässt sich ein, auf den geilen, wollüstigen, langandauernden Tanz der Liebenden.

Völlig erschöpft aber glücklich und beseelt…

Völlig erschöpft aber glücklich und beseelt, spürt er nach dem Liebesakt wie ihm seine mehrfach befriedigte Gattin einen Kuss auf die Wange haucht und sanft die seidene Bettdecke über seinen nackten, vom Paarungsakt gezeichneten Körper legt. Überglücklich und voller Stolz auf sich und sein Leben schläft Peter ein. Erst eine ganze Zeit später spürt Peter etwas Schweres auf seiner rechten Schulter, dass ihn zu schütteln scheint. Auch dringen aus weiter Ferne Worte an sein Ohr, die so gar nicht nach seiner Ehefrau klingen und überhaupt nicht in das Bild zu passen scheinen.

Langsam kommt Peter zu sich. Bedächtig wacht er auf und wird sich der Hand auf seiner Schulter mehr und mehr bewusst. Wie in Zeitlupe hebt Peter nun seinen Kopf von der Schreibtischplatte, dreht sich um und erkennt hinter sich seinen steinalten Chef, der ihn so ungalant Schüttelt, mit bösen Augen anfunkelt und ihm Schimpfwörter an den Kopf schmeißt. Er sei hier nicht zum Pennen, sondern zum Malochen brüllt sein Boss und hört erst dann mit dem Schütteln auf, als sich Peter kleinlaut für sein Fehlverhalten entschuldigt und seine Arbeit, am Freitag um 17:15 Uhr wieder aufnimmt.

Widerwillig stimmt Peter in das Tippen seiner Kollegin…

Widerwillig stimmt Peter in das Tippen seiner Kollegin ein. Angewidert wird ihm bewusst, dass er bestimmt noch eine ganze Stunde braucht bis die Statistik, die er zu erstellen hat, fertig ist. Leidvoll wird Peter klar, dass sich das so wirklich und wahrhaftig angefühlte Erlebnis nur ein Traum war. Voller Ekel weiß er nun, dass er auch heute in seinen kleinen, uralten Opel Corsa steigen wird. Er wird mit der Karre durch überfüllte Straßen fahren und wird ewiglich brauchen bis er einen Parkplatz gefunden hat. Im Anschluss wird er seine gammelige Junggesellenbude aufsuchen, sich eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, ein Bier aus einer Plastikflasche schlürfen und frustriert und alleine furzend und rülpsend den Abend vor dem Fernseher verbringen.

Irgendwann wird er dann auf der ranzigen Couch einschlafen. Nach wenigen Stunden Schlaf wird er sabbernd, mit muffigem Mundgeruch vom Wecker geweckt. Er wird auch am heutigen Samstag wieder das Büro aufsuchen. Er wird wieder für seinen cholerischen Chef da sein. Er wird erneut Arbeiten verrichten, die ihm völlig zuwider sind. Doch eventuell, mit ein bisschen Glück, findet er wieder ein paar Minuten Zeit um seinen Kopf auf die Tischplatte zu legen. Er wird dann endlich wieder mit seiner virtuellen aber wunderschönen Frau zusammen sein können. Er wird wieder eine rote Corvette fahren, Hausbesitzer sein und mit seiner großbusigen Frau ein Schäferstündchen verbringen und glücklich und zufrieden sein.