Alter, was scheint die Sonne heute. Nicht mir aus dem Arsch, sondern direkt aus dem Himmel. Keine Wolke, ach was sag ich, nicht mal ein kleines Feder-Wölkchen trübt den azurblauen Himmel. Hat bestimmt 32 Grad da draußen, da führt doch kein Weg dran vorbei, seine Haut irgendwo oder irgendwie mit Wasser zu benetzen. Zeit seine Freizeit zu genießen, ins Freibad zu gehen, sich die wärmenden Strahlen direkt auf den fetten Balg scheinen zu lassen und danach ins kühle Nass zu springen.

Gesagt getan. Rein ins Auto und auf kürzestem Wege direkt zum Freiluft-Bad um sich einzureihen, in die Schlange die sich vor dem winzigen Kassenhäuschen gebildet hat. Drinnen sitzt eine alte Dame, so um die 70, die so schlecht sieht, dass sie jeden einzelnen Geldschein, mit der Lupe auf Wertigkeit und Echtheit überprüfen muss. Der Automat der durchaus das Potenzial hätte, die Situation zu entschärfen, ist defekt und das nicht seit gestern, sondern seit letztem Jahr, so um diese Jahreszeit.

Trotzdem, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Ist doch alles nicht so schlimm…

Trotzdem, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Ist doch alles nicht so schlimm. Nur die Suppe, die einem geradewegs von der Platte, die sich mit dem Alter auf dem Kopf gebildet hat, schräg über den von Haaren übersäten Rücken, direkt in die Arschritze läuft, lässt einem das lange Warten doch ein wenig unbehaglich erscheinen. Aber auch das geht vorbei und man darf schon bald seinen Obolus entrichten und mit Freude durch das Drehkreuz ins Innere steuern.

Dort angekommen stellt man erschrocken fest, das hunderte, ach was sag ich, tausende die Hürde der weitsichtigen Greisin genommen und auch die Schikane des metallenen Drehkreuz hinter sich gelassen haben. Eng an Eng sind die Liegewiesen, bereits im vorderen Bereich, gefüllt. Dass die Sonnenanbeter ihre Decken, Handtücher und Matratzen nicht bereits auf den Gehwegen abgelegt haben und ihre halbnackten Astralkörper der Allgemeinheit präsentieren, erscheint bei diesem Anblick wie ein Wunder, ist aber wahrscheinlich nur eine Folge der stetig patrollierenden Badeaufsicht.

Langsam und mit wachem Blick geht man den Weg entlang…

Langsam und mit wachem Blick geht man den Weg entlang, um die große Liegewiese zu erreichen. Vorsichtig setzt man sodann den ersten nackten Fuß auf den Rasen und spürt die einzelnen Halme zwischen den Zehen. Einen Fuß vor den anderen und im Zickzack-Kurs geht es weiter durch die glücklichen Rentner, die hier im Reih und Glied auf den mitgebrachten Liegen, bequem in der Sonne brutzeln. Die Ruheständler haben sich morgens, ganz früh einen Wecker gestellt, um die besten Plätze zu ergattern. Haben auch alle eine Dauerkarte, die Greise und brauchen nicht zu warten, am Drehkreuz. Halten einfach den Pass unter die Nase des Bademeisters, begrüßen diesen mit Handschlag und spazieren, ohne weitere Repressalien zu befürchten, in das Bad.

Leider muss ich feststellen, dass für mich hier, im vorderen Bereich der Wiese nichts zu holen ist. Wäre ja auch zu schön, denn hier ist noch alles gut erreichbar, was es braucht, um einen schönen Tag im Freibad zu verbringen. Das Schwimmbecken, der Kiosk mit dem kalten Bier, der Imbiss mit den fettigen Kartoffelstäbchen, die meist drapiert mit einem Klecks Mayo daherkommen und die Toiletten um den ungesunden Fraß wieder auszuscheiden.

Ich gehe, mit meiner schweren Sporttasche, schwitzend, weiter und erreiche den mittleren…

Ich gehe, mit meiner schweren Sporttasche, schwitzend, weiter und erreiche den mittleren Teil der Wiese und erhoffe mir hier ein freies Plätzchen zu finden. Doch auch hier, wo auch das Kleinkinderbecken zu finden ist, ist es voller als erwünscht. Hier haben sich die Familien mit den lärmenden, nervenden Blagen angesiedelt. Hier liegen: Handtücher an Handtücher, Strandmuscheln an Strandmuscheln, Picknickdecken an Picknickdecken und auch der Rest der freien Wiese wird besetzt durch Utensilien wie: Kühltaschen, Badelatschen, Kinderwägen, Sonnenschirme, Taucherbrillen, Wasserpistolen und Gewehre, Wasserbälle und jede Menge anderer Kram, der der Bespaßung der mitgebrachten Sprösslingen dient.

Vor Anstrengung keuchend, spiele ich mit dem Gedanken mich hier einfach irgendwo dazwischen zu quetschen, habe aber Angst, dass ich ständig einen Ball vor die Glocke oder den Fuß eines umher rennenden Kindes in die Klöten bekomme. Weitergehend würde ich Gefahr laufen, als Pädophiler abgestempelt zu werden, wenn ich hier mit meinen über vierzig Lenzen auf dem Buckel, meine Bierwampe, zwischen dem achtjährigen Kevin-Silvester und der zehnjährigen Stella-Luna in die Sonne knalle.

Also besser weiter suchen…

Also besser weiter suchen und den hinteren Teil der Liegewiese erkunden. Hier haben sich die Teenager und Halbstarken angesammelt und es herrscht eine angespannte Stimmung. Schon als ich die ersten Schritte auf der Wiese tue, vorbei an einer Decke, auf denen sich nicht nur zwei Mädchen zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren bräunen, sondern auch zwei Jungs, gleichen Alters, sich lässig die Sonne auf den Pelz brennen lassen, werde ich argwöhnisch beäugt. Ungeachtet dessen gehe ich weiter und komme an diversen Decken vorbei, auf denen neben Bierdosen, Chips-Tüten und Energy-Drinks auch kabellose Boom-Boxen, die den Ghettoblaster aus meiner Jugend abgelöst haben, platziert sind. Diese spucken schaurige Musik aus, die mit der aus meiner Jugend nicht mehr viel Gemeinsamkeiten hat. Hier hört man die 187 Straßenbande Rappen, dort Capital-Bra und ein wenig weiter Kollegah gemeinsam mit Fler ihre Hasstiraden ins Mikrofon brüllen.

Nee, auch hier muss ich weiter. Geht nicht anders. Kann ich mir nicht die ganze Zeit geben, diesen prolligen, gehaltlosen Sprechgesang, wo jedes zweite Wort ein Schimpfwort ist! Also weiter, bis kurz vor Schluss des Bades, direkt an die umschließende Hecke und den dahinter versteckten Zaun. Hier liegen auch nicht mehr viele. Nur vereinzelt finden sich Decken mit Grüppchen, die einen Joint kreisen lassen oder eine Shisha-Pfeife rauchen. Gelegentlich liegt auch mal einer alleine, einer von der Sorte, wie ich es einer bin. Ein von denen die ein bisschen zu jung sind, um sich früh morgens den Wecker zu stellen und sich eine Dauerkarte zu holen, die ein bisschen zu alt sind für den Bereich mit den Familien und Teenagern aber genau richtig, für diesen hier.

Auch wenn das Schwimmbecken nur noch mit dem Fernglas zu erkennen ist…

Auch wenn das Schwimmbecken nur noch mit dem Fernglas zu erkennen ist, das kalte Bier vom Kiosk in fast unerreichbarer Ferne gerückt und der Geruch von fettigen Pommes mit Curry-getränkten Phosphat-Stäbchen, hier ganz hinten, nicht mehr wahrnehmbar ist, werfe ich meine Sporttasche auf den Boden und bereite meinen Liegeplatz vor. Als ich schlussendlich meinen Badelacken ausgebreitet und mich meiner überflüssigen Kleidung entledigt habe, lege ich mich in die Sonne und schließe erschöpft die Augen. Nach kurzer Zeit erklingen von der Nachbardecke die surreal anmutenden Geräusche einer Maultrommel und der Duft von Marihuana steigt mir in die Nase. Ich spüre einen Finger auf meiner Schulter, öffne die Augen uns schaue in das freundliche Gesicht einer Dame mittleren Alters, die mich einlädt mitzukommen. Hin zu den wunderlich klingenden Lauten, den lächelnden Menschen und den duftenden Joint. Spontan beschließe ich mitzukommen und beim nächsten Besuch im Freibad, sofort diesen Bereich, hier ganz hinten, anzusteuern.