Das Arbeitsleben ist schön. So schön, dass man am liebsten jeden Tag und zu jeder Uhrzeit arbeiten würde. Gerne betritt man die Firma auch am Wochenende und an Feiertagen, um sein Bestes für die Unternehmung zu geben. Nicht 100 Prozent, sondern 120 ist die Devise. Urlaub und Freizeit sind sowieso überbewertet, denn wer Freude an seiner Tätigkeit hat braucht keine Entspannung.  Auch Sonderzahlungen, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Prämien und Tantiemen erscheinen bei so viel Freude überflüssig. Erreichbarkeit, rund um die Uhr, bereitet ein wohliges Behagen. Man ist eben wichtig für die Firma und unentbehrlich. Da muss die Familie schon mal ein Auge zudrücken und auch an  Kindergeburtstagen, Familienfeiern, und den eigenen Hochzeitstag auf den erfolgreichen Vater und Ehemann verzichten. Weihnachten, Ostern und all die anderen Tage, die die Deutschen so gerne mit Ihren Familien verbringen, verbringt der Mann in seinem Büro. Ist doch sowieso eher sentimentale Frauensache, das Feiern.

Die meisten Loser haben das Gebäude schon verlassen.

Ruhig ist es in den Abendstunden im Bürotrakt. Die meisten Loser haben das Gebäude schon verlassen, spielen mit Ihren Kindern, sitzen in der Kneipe oder gammeln vor dem Fernseher herum. In den Fluren ist es dunkel, aber die kleine Schreibtischlampe, ausgestattet mit einer dieser neumodischen LED-Birne, bringt Licht ins Dunkel und vertreibt die düstere Stimmung, die dem Arbeiter zwar unerklärlich ist, aber dennoch schwer auf seinem Gemüt liegt. Der kleine Lüfter im PC brummt leise vor sich hin und hilft ihm, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Die Monotonie der klickenden Tastatur, die der Angestellte mit professioneller Leidenschaft betätigt, macht ihn glücklich. Glücklicher, als er es woanders sein könnte.

Alle sind gefangen in einem Raum voller Idioten

Sitzungen, Besprechungen, und Meetings dauern gerne  mal etwas länger. Niemand ist in der Lage, früher zu gehen. Alle sind gefangen in einem Raum voller Idioten. Statistiken werden bemüht, Auswertungen besprochen und Ergebnisse präsentiert. Keiner geht pünktlich nach Hause. Erst wenn die Diskussion, mal wieder, ins Leere zu laufen scheint, ist ein Ende in Sicht. Die ersten Verlierer rutschen unruhig auf ihren Stühlen herum. Was die nur haben? Auf die wartet doch sowieso niemand daheim. Kann man sich zumindest nicht vorstellen, aber gefragt hat man nie. Gespräche abseits der Arbeitsthemen sind rar und eher unerwünscht. Freundschaften pflegt man auf der Arbeit nicht. Im Gegenteil. Alles sind Feinde, die einen übertrumpfen wollen, damit sie beim Chef besser dastehen oder bei der nächsten Gehaltsrunde die besseren Karten in der Hand haben. Schneller, höher und weiter. Gerne auch mit ein paar Hilfsmittelchen. Kaffee in rauen Mengen, Koffeintabletten und Energiedrinks. Ab und an auch schon mal härtere Sachen, die einen leistungsfähiger machen. Der Körper geht kaputt, die Seele stirbt, doch der Firma geht es gut.