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Einkaufen mit Frau im Schlepptau

Bald ist die Woche schon wieder vorbei und das Wochenende steht direkt vor der hölzernen, vom Portas-Mann aufgemöbelten, Haustür. Die Frau hat daheim, in der überheizten, warmen Kaschemme nicht nur gestrickt und gehäkelt, sondern auch einen Einkaufszettel geschrieben. Das macht sie immer am Freitagabend der Vorwoche und hat dabei nicht nur die einzelnen Tage, und die Gerichte, die an diesen gekocht werden sollen im Blick, sondern auch das Budget, das ihr vom angetrauten Göttergatten dafür zur Verfügung gestellt wird. Penibel und hoch konzentriert reiht sie zuerst, um den Überblick zu behalten, alle Wochentage der kommenden Woche in Spalten und ordnet die Gerichte in den darunter liegenden Zeilen an. Hat sie diese Aufgabe zu ihrer eigenen Zufriedenheit erledigt, kann sie auch schon mit der eigentlichen Liste, der am Samstag zu besorgenden Utensilien und Fressalien, beginnen.

Wie immer wird die Liste lang und die Dame des Hauses braucht einige Zeit dafür. Zwischendurch schiebt sie ihre Lesebrille immer mal wieder auf die Stirn, um keine der Handlungen der Silhouette des Bergdoktors, die über die riesige, an der Wand montierte Mattscheibe flimmert zu verpassen und stopft sich dabei einen Schoko-Brownie in den Mund. Gerne wäre sie auch mit so einen tollen, charmanten und erfolgreichen Mann verheiratet, der ihr die Welt zu Füßen legen würde. Doch ein Blick auf die Couch gegenüber, wo ihr eigener Mann gerade eben, nach dem dritten Bier im Sitzen eingeschlafen ist, holt sie abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein bisschen angeekelt stellt sie dabei fest, dass ein dünner Speichelfaden im Winkel, seines mit Oberlippenbart verzierten Mundes hängt und dieser nun geräuschlos auf die aus Polyesterfasern bestehende, moosgrüne Strickjacke tropft.

“Es ist so wie es ist”, resümiert sie, als sie die Einkaufsliste fertig beiseite legt…

„Es ist so wie es ist“, resümiert sie, als sie die Einkaufsliste fertig beiseite legt und ihren Mann unsanft, mit einem Schlag auf dessen Oberschenkel, aus dem Schlaf holt. Auch der Bergdoktor hat seine Aufgaben heuer erledigt und braucht zumindest heute keine Herzen mehr zu brechen. Ehemann und Ehefrau begeben sich schweigend zum Badezimmer, um an den zwei nebeneinander angebrachten Waschbecken, die Abendtoilette zu erledigen. Beisser werden gereinigt, Ohrringe aus Ohrläppchen geholt, Wasser und Seife ins Gesicht geschmiert nur, um nachher mit dem Handtuch wieder abgerubbelt zu werden. Die Dame des Hauses legt, nach dieser Prozedur, noch eine Nachtcreme auf. Der Mann hat das Schlafgemach bereits erreicht und ist längst aus seinen Klamotten geschlüpft, hat sich ausgiebig am Gemächt gekratzt und ist danach in den Schlafanzug aus grober Baumwolle geschlüpft.

Als die Ehefrau das Schlafzimmer betritt, schläft der Mann bereits. Man hört es am lauten Schnarchen und wird unweigerlich an den letzten Ausflug in den nahegelegenen Park erinnert, wo einige vom Borkenkäfer befallenen Bäume mittels Kettensäge von ihrem Leiden erlöst wurden. Auch die Ehefrau zieht nun ihre Kleider aus und schlüpft in ihr Nachthemd. Der total bunte Fetzen Stoff zeigt auf frappierender Weise eine enorm starke Ähnlichkeit mit dem Zelt des Zirkus, der auf dem Parkplatz vor dem Lidl-Mark seine Tore geöffnet hat und das nicht nur hinsichtlich der Farbauswahl, sondern bedauerlicherweise auch im Hinblick auf die Größe. Sodann wuchtet sie ihren Körper auf die Matratze, greift mit geübtem Griff in die Schublade des Nachttischchens, stopft sich die Stöpsel in die Ohren und verdeckt ihre Augen mit einer im Leoparden-Muster daherkommenden Schlafmaske. Als sie endlich ihre Lieblingsposition gefunden hat und das Schnarchen des Mannes zu einem dumpfen Hintergrundrauschen abebbt, schläft auch sie hurtig ein.

Ganz gemütlich lässt man es am nächsten Tag angehen…

Ganz gemütlich lässt man es am nächsten Tag angehen. Der Mann besorgt beim morgendlichen Gang mit dem Rauhaardackel namens Wigald, beim hiesigen Bäcker, Brötchen und die Dame des Hauses bereitet in dieser Zeit daheim alles für ein ausgiebiges, opulentes Frühstück vor. Am Wochenende wollen es sich die beiden Rentner besonders gut gehen lassen. Als ihr Gatte die Wohnung betritt, der Dackel es sich in der Ecke der Küche, neben der Heizung, in seinem Körbchen gemütlich gemacht hat, ist der Tisch bereits gedeckt. Wurst, Schinken, Käse, Marmelade, Honig, Quark und für jeden drei gekochte Eier warten darauf von dem Ehepaar vertilgt zu werden. Schnell werden drei dick belegte Brötchen in den Rachen gestopft, die Eier geköpft und verschlungen und das Ganze mit mindesten vier Tassen, wegen der Pumpe entkoffeinierten, Kaffee heruntergespült.

Sodann geht es auch schon ans Waschen und Anziehen. Allerdings macht sich der Magen des Mannes, deutlich hörbar, bemerkbar und er weiß, dass er nicht umhinkommt vorher etwas zu erledigen. Zügig verschwindet er, nicht ohne sich zuerst mit der Tageszeitung bewaffnet zu haben, auf die Gäste-Toilette und widmet sich voll und ganz dem Morgenschiss. Währenddessen ist die Frau aber nicht untätig. Sie schlüpft zur Gänze aus ihren Klamotten, zeigt sich nackt wie Gott sei einst schuf vor dem Spiegel und muss anerkennen, dass sich ihr Körper seit damals doch ein wenig verändert hat. Schnell schiebt sie aber den aufsteigenden Ekel zur Seite und zwängt sich in die Duschkabine, um sich mit einem, am Holzstiel befestigten, Schwamm sauber zu rubbeln.

Danach trocknet sie sich, so gut es eben geht ab…

Danach trocknet sie sich, so gut es eben geht ab, putzt sich die Zähne, steigt in Rock und Bluse, legt tonnenweise Schmuck an und benetzt alle freiliegenden Hautpartien mit Tosca-Parfüm. Danach noch Lidschatten, Eyeliner, Rouge und Lippenstift und fertig ist die Dame des Hauses. Nun wartet sie auf ihren geliebten Mann, der noch immer auf dem Kot-Thron für Besucher sitzt, gelegentlich mit der Zeitung raschelt und dann und wann mal einen Furz, deutlich hörbar, in die enge Kabine entlässt. Freundlich aber bestimmt hämmert sie gegen die hölzerne Tür und setzt ihren Mann damit bewusst unter Druck. Missmutig bricht der Mann sein morgendliches Geschäft ab, rubbelt sich fahrig die Kimme sauber und zieht sich danach die gammelige Cordhose und das Polohemd von gestern an. Auf die Morgentoilette verzichtet er, aus Protest, komplett.

Bewaffnet mit mehreren Taschen, Tüten und zwei Kisten Leergut macht man sich auf den Weg zur Garage. Der Mann öffnet das Tor, verschwindet im Innenraum und schmeißt achtlos das Leergut und die Tüten in den Kofferraum. Reimund ist schon jetzt bedient. Trotzdem befreit er nach kurzer Zeit den altersschwachen, aber zuverlässigen, Opel der Baureihe Club aus seinem Gefängnis, damit auch das angetraute Weibchen ins Vehikel einsteigen kann. Als Heidrun endlich ihren zarten Hintern im ausgesessenen Polster positioniert hat und der Sicherheitsgurt über Bauch und Möpse gespannt wurde, kann die kurze Fahrt zum nahegelegenen Einkaufscenter endlich beginnen.

Nach nur fünf Minuten der schweigsamen Fahrt…

Nach nur fünf Minuten der schweigsamen Fahrt erreichen sie das Einkaufsparadies und biegen auf den übervollen Parkplatz ein. Bis allerdings ein freier Abstellplatz für den grauen Liebling des Mannes gefunden wurde, vergehen weitere zehn Minuten. Endlich steht die Kiste. Reimund macht sich auf den Weg zum Supermarkt ihres Vertrauens, um einen Einkaufswagen zu holen. Die Ehefrau wartet so lange im Auto, damit ihre Knie nicht allzu lang, der ständigen Belastung ihres eigenen Gewichtes standhalten müssen. Als der Mann das Auto wieder erreicht hat, wuchtet auch seine Gattin die schweren Beine aus der Öffnung der Beifahrertür und Reimund befüllt den drahtigen Zwiebelporsche mit Leergut und Tragetaschen.

Dann geht es auch schon in den Laden. Direkt am Anfang muss allerdings schon Halt gemacht werden, denn hier befindet sich der einzige Automat für die Leergut-Abgabe. Leider steht direkt vor Heidrun und Reimund ein unzweideutig nach Knoblauch riechender Mann, der bewaffnet mit zwei prall gefüllten blauen Säcken, auf die Dienste der hochmodern erscheinenden Apparatur wartet. Reimund schwant böses und als der Stinker an der Reihe ist, bewahrheitet sich die unangenehme Vorahnung. Langsamer als eine Schnecke, fingert der vollbärtige Mann eine Plastikflasche nach der andere aus den Säcken und stopft diese in das dafür vorgesehene Loch im Automaten. Selbstredend ertönt, bevor der Übelriechende zu Ende gekommen ist, ein Alarm und eine rote Rundumleuchte signalisiert, dass der Bauch der Maschine zur Gänze gefüllt ist. Erst als nach einer kleinen Ewigkeit, sich ein untersetzter Mitarbeiter des Ladens dazu herablässt, den Automaten zu entleeren und entstören, kann der behaarte Iltis seine Arbeit zum Abschluss bringen und den Weg für Reimund und Heidrun freimachen.

Als die beiden schließlich den heiß ersehnten Kassenbon aus dem Automaten…

Als die beiden schließlich den heiß ersehnten Kassenbon aus dem Automaten in den Händen halten, kann es auch schon weitergehen. Man quetscht sich durch das Drehkreuz und gelangt in den perfekt ausgeleuchteten Obst- und Gemüsebereich des Marktes. Reimund schiebt den Einkaufswagen nun gelangweilt hinter seiner Frau her. Gelegentlich nickt er zustimmend, wenn sein angetrautes Weib ihm eine Frage zu einem Produkt stellt und beobachtet ansonsten schweigsam wie Mandarinen, Äpfel, ein Kohlkopf, Zwiebeln und ein längliches Gemüse, deren Namen er nicht kennt und nicht kennen will, in den Einkaufswagen gelegt werden.

Dann taucht man gemeinsam weiter in das innere des überfüllten Marktes ein. Die Frau arbeitet ihre Liste ab und Reimund konzentriert sich einzig und alleine darauf, den Einkaufswagen zielgerichtet durch die vielen anderen Einkaufswütigen zu steuern und seiner Frau, wie ihm der eigene Dackel beim Gassi-Gehen auch, ohne groß darüber nachzudenken zu folgen. Bedauerlicherweise ist Heidrun nicht in der Lage, die Produkte auf der Liste einfach aus dem Regal zu nehmen und in den Wagen zu verfrachten. Zum völligen Unverständnis des Mannes liest sich das Weibsbild, praktisch vom jeden Produktes, die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite durch und vergleicht diese mit einem vergleichbaren Fabrikat, eines anderen Herstellers.

Dann und wann nimmt die holde Weiblichkeit…

Dann und wann nimmt die holde Weiblichkeit auch einen Mitarbeiter des Ladens unter beschlag und stellt, ausschließlich zu ihrem Vergnügen, Fragen zum Preis, zur Herstellung und Auffindbarkeit der Produkte auf ihrer Liste. Reinhold schaut dann immer betreten zur Seite oder auf den Boden und tut so als würde er die Fragestellerin an seiner Seite nicht kennen. Erst als die Dame den Einkaufswagen fast bis zum Rand mit Fressalien und Artikeln aus dem Non-Food-Bereich gefüllt hat, erwacht die Aufmerksamkeit von Reimund wieder, denn sie haben den Bereich mit den Getränken erreicht.

Mit einem schnellen Handgriff greift Reimund sich die Kiste des billigen Mineralwassers und verfrachte sie unten, auf die Ablage unter dem Drahtkorb des Einkaufswagens und studiert sodann, mit geübtem Blick, die Preise der Biere die Heuer zum vergünstigten Preis angeboten werden. Bei der Auswahl des Bieres darf allerdings, einem ungeschriebenen Gesetz folgend, nichts falsch gemacht werden. Das Bier muss schließlich schmecken und so darf die Auswahl nicht nur am Preis festgemacht werden. Meist sind nur die nicht so schmackhaften Biere im Angebot und so greift der Rentner auch heute, wie eigentlich jedes Mal, zum Bier von der lokal ansässigen Brauerei.

An der Kasse legt die Göttergattin langsam und mit Bedacht, jedes Produkt einzeln…

An der Kasse legt die Göttergattin langsam und mit Bedacht, jedes Produkt einzeln auf das Warenband und drapiert dabei, aus einem dem Mann unbekannt Grund, schwere Sachen nach vorn und die Leichten ans Ende des gummierten Fließbandes. Immer wieder lächelt sie dabei die genervt wartende Kassiererin an, stellt Fragen zu Rabattmarken und merkt dabei nicht wie Reimund heimlich einen Dreierpack Kräuterlikör unter die Waren mischt. Als sie endlich den Wagen geleert hat und ganz hinten einen sogenannten Warentrenner auf das Band stellt, sind wieder einige Minuten ins Land gegangen. Als die Verkäuferin die Waren endlich über den Scanner zieht und der Einkaufskorb langsam aber sicher wieder gefüllt wird, erntet Reimund einen bösen vernichtenden Blick, als der Dame des Hauses den Likör in den Wagen knallt. Reimund ist es egal.

Als sie schliesslich den Laden verlassen, kommt es Reimund so vor, als ob draussen die Sonne bereits untergeht. Er ist ausgelaugt und fertig mit den Nerven. Schnurstracks eilt er zu seinem geliebten Auto und nimmt keinerlei Rücksicht darauf, dass Heidrun ihm nicht so schnell folgen kann. Mit den Nerven am Ende verfrachtet er die Einkäufe zuerst in die mitgebrachten Tüten und dann in den Kofferraum. Penibel achtet er aber darauf, dass der leckre Kräuterlikör nicht in den Tüten landet, sondern direkt in die Jackentasche seiner Strickjacke gesteckt wird. Er wird das Gesöff brauchen, sobald er daheim ist. Als sodann auch die Kisten mit Wasser und Bier im Kofferraum verschwinden kommt auch das schwitzende Weib herbei und lässt sich wie ein nasser Sack auf das Furzpolster des Beifahrersitzes nieder.

Hurtig steigt auch Reimund sodann in die Kiste…

Hurtig steigt auch Reimund sodann in die Kiste, klemmt sich hinter das Lenkrad und startet den Motor, um nachfolgend auf schnellstem Wege nach Hause zu steuern, das Vehikel in die Garage zu stellen und die Einkäufe in die Küche zu tragen. Sofort danach verzieht er sich mit den Dreierpack Kräuterlikör und zwei Flaschen Bier in den Bastelkeller und kommt erst dann wieder heraus, wenn die Gattin ihn zum Essen ruft. Danach bewaffnet er sich erneut mit Bier und verzieht sich wieder, um in seinem Hobbykeller endlich zu realisieren, dass er erneut einen dieser grausigen Tage, an denen der Einkauf erledigt wird, überstanden hat und er ab jetzt, genau sieben Tage Zeit hat sich vom heute erlebten Grauen zu erholen.

Parkplatz-Rodeo

Endlich hat die Glocke geklingelt und die Schicht ist vorbei. Bei uns in der Firma gibt es tatsächlich noch ein akustisches Signal, das das Ende der einen Schicht und den Start der nachfolgenden signalisiert. Das Ganze erinnert mich irgendwie immer an den Zweiten Weltkrieg. Keine Ahnung wieso das so ist. Ich denke nur immer das die Arbeiter, damals bei Krupp oder Thyssen auch so ein Signal zu hören bekamen, wenn sie für diesen einen Tag genug Bomben produziert hatten. Hat aber sicherlich noch was länger gedauert, bis der so befreiende Ton, seinerzeit ertönte.

Wie dem auch sei. Ich habe Feierabend und nicht nur das, sondern Wochenende. Genial. Heute Abend erwarte ich ein paar Freunde in meiner kleinen Butze. Wir haben uns vorgenommen ein paar Pizzen, erst in den Ofen und dann in unsere Münder zu schieben, ein paar Jägermeister in den Schlund zu kippen und das Ganze mit diversen Bieren herunterzuspülen und dabei zu pokern. Doch wie es der Teufel will, ist nicht nur das Gefrierfach meines Kühlschranks zur Gänze geleert, sondern auch Bier und Schnaps sind nicht im Haus. Was für eine Tragödie.

Es führt also kein Weg daran vorbei…

Es führt also kein Weg daran vorbei, dass ich auf den Weg nach Hause, noch schnell am Einkaufscenter halt mache und die wenigen Dinge, die der Wochenend-Grundversorgung dienen und auch in einer nationalen Krise als Systemrelevant anzusehen sind, zu shoppen. Ich schiebe also meine altersschwache Karre, von der ich noch nicht weiß wie ich sie durch die anstehende TÜV-Prüfung bekommen soll, durch die vollgestopften Straßen bis ich endlich am Einkaufscenter meines Vertrauens angekommen bin.

Hier gibt es einfach alles, was man zum Leben braucht. Ein Discounter für Leute wie mich, einen Supermarkt für die etwas betuchtere Klasse, eine Apotheke, einen Getränkemarkt, einen Blumenladen, mehrere kleinere Boutiquen mit Mode für den kleinen Geldbeutel, einen Tabak- und Lottoladen, einen Schuhladen, einen Ein-Euro-Shop und noch diverse Läden mehr. Alles da also, könnte man meinen, nur genügend Parkplätze sind hier Mangelware, besonders am Wochenende, wie ich wieder einmal mit Entsetzen feststellen muss, als die Front meines Kleinwagens bereits in die Zufahrt zum Parkplatz eingebogen ist.

Nun geht das Gerangel los…

Nun geht das Gerangel los, auf das nicht nur ich keine Lust habe, sondern alle anderen auch, die mit mir im Kreis herumfahren, schlechte Laune haben und auf ihre Chance wittern, einen dieser begehrten Parkplätze zu ergattern. Das Ganze erinnert mich stark an dieses saudumme Partyspiel: die Reise nach Jerusalem. Ich drehe weitere meine Runden und dabei haben sich meine Hände fest um das Lenkrad gekrallt. Ich habe nicht nur die stehenden Fahrzeuge im Blick, sondern beobachte auch das weitere Geschehen auf dem Parkplatz. Man muss das gesamte Areal im Auge behalten, damit man nicht diesen einen wichtigen Augenblick verpasst, wenn eine Person mit einem Einkaufswagen den Supermarkt verlässt und auf ein Auto zusteuert.

Aus dem Blickwinkel habe ich eine vielversprechende Kandidatin entdeckt. Eine Dame zwischen 35 und 40 steuert auf einen überteuerten SUV der Bayrischen Motorenwerke zu und schiebt dabei einen vollen Einkaufswagen vor sich her. Die Milf, wie wir unter uns Kollegen zu sagen Pflegen, ist eine von der Sorte die Kohle haben, oder zumindest ihr Stecher. Man sieht es an ihrem vornehmen Gehabe und auch der Fummel, den Sie trägt, ist nicht von Klamotten Anton, oder KIK. Jetzt heißt es geschickt agieren, denn es ist noch ein wenig Zeit zu überbrücken, bis sie endlich ihr riesiges, schwarzes Monstrum aus der Parklücke bugsiert. Alle Lebensmittel, die sie gekauft hat, sind nicht bereits in Tüten verpackt, sondern fristen ihr elendes Dasein einzeln und gefühlt zu hunderten, im drahtigen Transportvehikel. Eine Schande.

Als sie ihren Einkaufswagen endlich neben dem schwarzen Panzer abstellt…

Als sie ihren Einkaufswagen endlich neben dem schwarzen Panzer abstellt, mit einem ihrer Füße eine eingeübte Wischbewegung unterhalb des Hecks ausführt und damit den Kofferraum öffnet, fängt sie mit einer beängstigenden Gelassenheit an, jedes Teil einzeln in die mitgeführten Boxen, im Inneren des Fahrzeugs zu packen. Gezwungenermaßen drehe ich noch eine weitere Ehrenrunde auf dem Parkplatz und erhasche beim Vorbeifahren ein Blick auf einen ihrer pedikürten Füße, deren Zehen aus einer blumigen Sandalette herausschauen, mit dem sie gerade noch so elegant den Kofferraum geöffnet hat und erschaudere beim Anblick.

Als ich die vierte Runde gedreht habe und jedes Mal beim Vorbeifahren den Blick nicht abwenden kann, von ihren Füßen, scheint sie endlich ein Ende zu finden und steht kurz vor dem grandiosen Finale der Einpack-Arie. Kurz danach steigt sie in ihrem SUV und schafft es nach mehreren unglücklichen Versuchen, gerade eben so, aus der Parklücke. Jetzt kommt es darauf an. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, indem man nicht zögern darf. Zügig drehe ich eine letzte, finale Runde, hupe genervt als mir ein Kind, mit einem dieser modernen Scooter vor die Motorhaube rollt und schaffe es tatsächlich, vor einem fluchenden, ergrauten Cabrio-Fahrer mit ähnlich, gekonnt gezwirbelten Schnauzbart wie der von Horst Lichter, meine altersschwache Karre auf den Parkplatz zu stellen.

Mit gewinnenden Lächeln steige ich aus…

Mit gewinnendem Lächeln steige ich aus, verschließe mein Auto, zeige dem grau meliertem Cabrio-Fahrer einen Stinkefinger und verschwinde im Discounter, mit blauen A im Logo. Drinnen angekommen, bewaffne ich mich mit einen rotem Körbchen, das augenscheinlich genug Platz bietet, für ein paar Pizzen, Nüsse, Chips, Schokolade und alles was sonst noch zu einer gesunden Ernährung dazugehört. Hurtig sprinte ich durch die Gänge und werfe die wenigen Brocken, die es braucht, um die Freunde und einem Selbst nicht nur satt, sondern auch glücklich zu stimmen, in das Körbchen und eile beschwingten Schrittes zur Kasse. Dort angekommen heißt es wieder Geduld aufbringen. Augenscheinlich war ich nicht der Einzige, der es nicht auf die Reihe bekommen hat, seinen Kram an normalen Wochentagen zu shoppen.

Jede Menge Rentner, die alle Zeit der Welt zu scheinen haben, versperren mir den Weg zum Paradies und rauben mir den letzten Verstand. Angeekelt muss ich beobachten, wie die Greise im Schneckentempo ihr Mümmelfutter auf das Warenband legen, den Warentrenner im gleichen Tempo dahinter drapieren und dann, wenn der große Moment des Zahlens gekommen ist, noch langsamer ihre Geldbörse öffnen. Natürlich wollen die Tattergreise in Bar zahlen, denn der Wahlspruch: „Nur Bares ist Wahres“, wurde ihnen schon damals, von Onkel Otto, mit in die Wiege gelegt. Einzeln werden sodann die grünspannigen Cent-Münzen behutsam in die ausgestreckte Hand, der gequält lächelnden Kassiererin gelegt, bis schlussendlich der Betrag von 19,54 Euro, bis auf den Cent genau, erreicht wurde.

Als ich endlich meinen Kram in die Plastiktüte gestopft…

Als ich endlich meinen Kram in die Plastiktüte gestopft und die Rechnung mit meiner EC-Karte beglichen habe, sieht die Welt schon ein wenig besser aus. Nachdem ich genug Pizzen für alle, Knabbereien für eine ganze Kompanie und des Geldes wegen, einen nachgemachten Jägermeister mein Eigen nenne, brauche ich nur noch einen Kasten Bier. Hier muss aber Qualität her, sonst laufen meine Freunde Amok. Beim Bier hört der Spaß, hier im Ruhrgebiet, bekanntlich auf. Günstig darf es sein, aber bitte mit Niveau und nicht aus der Dose und schon gar nicht aus der Plastikflasche. Also muss ich noch in den Getränkemarkt. Was für ein Drama.

Es nützt nichts. Einmal quer über den Parkplatz, mit Zwischenstopp am Auto, wo ich die Plastiktüte verstaue und mindestens drei anderen Parkplatz-Suchenden den ausgestreckten Mittelfinger zeige, meinen Kofferraum wieder verschließe und mich auf den Weg in den Getränkeshop mache. Hier angekommen werde ich fast erschlagen von der unmenschlich daherkommenden Auswahl an verschiedene Bier- und Biermixgetränken. Zum meinigen völligen Unverständnis scheinen auch Sorten, die keinerlei Alkohol enthalten und isotonisch daherkommen total in Mode zu sein, denn auch davon gibt es, ohne Übertreibung, mindestens 15 verschiedene Sorten, in diesem extrem kleinen Shop. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wer diese Brühe eigentlich säuft, mache es aber dann doch und vor meinem geistigen Auge erscheint einer dieser bescheuerten von oben bis unten tätowierten Hipster, mit Fussel-Bart im Gesicht und Dutt auf dem Kopf, aber null Gehirnmasse im Inneren.

Ich lasse mich nicht beirren…

Ich aber lasse mich nicht beirren. Es gibt nur wenige Sorten mit denen ich mich und meine Kollegen abfinde. Die erste Wahl kommt aus Dortmund, wobei man sich da heutzutage auch nicht mehr ganz sicher sein kann. Ist doch alles eine Brühe denke ich mir, und greife dennoch, aus Gewohnheit und auch ein bisschen aus Überzeugung, zum Kronen. Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, auch wenn ich lieber zum leckeren Dortmunder Bier aus einer kleinen Privatbrauerei greifen wurde, es mein Portmonee aber nicht zulässt.

Ohne weitere Komplikationen verlasse ich bewaffnet mit allem, was es braucht, den Ort des Geschehens und fahre nach Hause. Über eine Stunde habe ich gebraucht, um die wenigen Teile zu besorgen, die es braucht um mit meinen Kumpels einen gemütlichen, bierseligen Abend zu verbringen. Als ich endlich, direkt vor meiner Tür, einen Parkplatz finde, vor Vorfreude grinsend meinen Gurt abnehme und nur noch schnell unter die Dusche möchte, bis mir die Saufkumpanen die Tür einrennen, fällt mir brühend heiß ein, dass ich heute Geburtstag habe.

Meine Kumpels haben versprochen…

Meine Kumpels haben versprochen, dass sie mir genau heute eine Freude machen wollen. Sie haben versprochen alles zu besorgen. Sie haben gesagt, dass ich mich um nichts kümmern müsse, sondern direkt nach der Arbeit nach Hause fahren kann, mich ein wenig ausruhen und unter die Dusche steigen dürfe. Ich weiß nicht genau was ich jetzt tun soll. Soll ich weinen, oder lachen? Auf jeden Fall nehme ich mir vor heute Abend richtig derbe die Kante zu geben, denn es ist ja von allem das Doppelte da …