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Schlechtwetterfront im Gehirn

Oft kann das Schreiben so einfach sein. Die Gedanken tanzen im Gehirn Tango und übertragen sich auf die Finger, die dann wiederum in Windeseile über die Tastatur huschen und die schönsten, geistreichsten und witzigsten Sätze auf das virtuelle Papier bannen. Blumige Worte. Einfach, schnörkellos und leicht verständlich aber dennoch mit einem gewissen Charme behaftet.

Es gibt aber Tage, die anders sind…

Es gibt aber Tage, die anders sind. Nichts ist es mit huschenden Fingern und blumigen Worten. Im Gehirn sind Wolken aufgezogen. Dunkel und bedrohlich. Sie bilden eine undurchdringbare Front für die wohligen Geistesblitze und verhindern die süße Symbiose zwischen den Windungen im Gehirn, den Fingern und der schwarzen Tastatur aus dem Hause Microsoft. Häufig kommt dann noch Regen hinzu. Erst fallen nur ein paar Tropfen. Der erste Tropfen bringt den Hass mit, der nächste die Trauer und ein weiterer die Wut. Doch schon bald wird aus den vereinzelten Tropfen, ein heftiger Schauer, der schon bald in einen ausgedehnten Sturm mündet. Alles Schlechte plätschert aus den Regenwolken herab und fördert mehr und mehr Ungemach hervor. Wild wird auf die Tasten gehämmert. Vulgäres, undiszipliniertes Geschmiere das die Welt nicht braucht.

Die mörderische Tastatur

Eines Abends saß ich vor dem Monitor,
doch er blieb leer.
Eines Abends, der Mond schien durch
mein Fenster, war ein Vakuum in meinem Kopf.

Irgendwann, es dauert nur ein paar
Minuten, überlegte ich mir, dass für jede
Zeile, die ich auf das imaginäre Papier bringen
würde, ein Mensch dran glauben müsse.

Sofort war ich Feuer und Flamme
und hämmerte mit feuchten Fingern
auf die Tastatur ein. Der scheiß Mond
schien noch immer durch die Scheibe.

Die erste Zeile die ich schrieb, war
grauenhaft. Sie durchtrennte die Halsschlagader
von M. Die Buchstaben hinterliessen
rote Schlieren auf dem Bildschirm.

Die zweite Zeile, die ich schrieb, war
auch nicht besser, doch sie brachte den
Tod von I. Er wurde erwürgt und sein
Röcheln klang wie Musik in meinen Ohren.

Die dritte Zeile kam recht laut daher.
Die Kugel einer Shotgun zertrümmerte
den Schädel von K. Gehirnmasse klatsche
zähflüssig auf dem Monitor. Ich fand Gefallen daran.

Die vierte Zeile war gemein. Sie schlich
sich an und näherte sich N. von hinten.
Eine Plastiktüte fand den Weg über ihren Kopf.
Ihr Körper erschlaffte rasant.

Die fünfte Zeile hat mich erschreckt, so
gewaltig war sie. Mit einer Motorsäge wurde S.
zerteilt. In vielen kleinen Stücken lag er dann da,
in einem Meer aus Blut. Ich stand auf und
übergab mich auf dem Klo.

Als ich zurück kam und die ersten fünf Zeilen las,
schrieb ich die sechste nicht mehr.
Der Mond war weg und die Sonne ging auf
und ich zu Bett. Ich schlief schnell
und friedlich ein und träumte – bittersüß.