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Der unangefochtene Star auf dem Grill

Wurst. Bratwurst. Thüringer. Drei einfache Worte, die wenig aussagen. Könnte man meinen. Aber mal ernsthaft. Jedem von uns ist doch sicherlich ein Grillabend bei Freunden in Erinnerung geblieben, oder etwa nicht? Klar, der eine oder andere muss da schon etwas länger grübeln, oder gar komplett passen. Manch einer hat halt keine Freunde oder was noch viel schlimmer ist keinen Grill.

Alle anderen wissen sicherlich was es für ein anmutiges Gefühl sein kann, wenn die Holzkohle ganz langsam aus der Tüte in den Grill gleitet, die perfekt angeordneten Anzünder gierig nach der aufsteigenden Hitze des entfachten Feuerzeugs lechzen und schlussendlich die ersten Flammen um die Kohlen züngeln. Ein prickelnder Augenblick. Noch viel geiler wird es, wenn die ersten Thüringer, mit vor Vorfreude schweißnassen Händen, auf den Grill gelegt werden und schon nach ein paar Minuten der erste Duft, des reinen Handwerksprodukt im Naturdarm, in die Nase steigt.

Scheiß auf den Nachbarn…

Scheiß auf den Nachbarn, der sich in regelmäßigen Abständen überteuerte argentinische Steaks auf den Grill klatscht. Scheiß auf den vegetarischen Yuppie der seine Tofu-Würstchen brutzelt. Scheiß auf den Hipster der tagtäglich zum lokalen Sushi-Dealer rennt, um sich rohen Fisch in die Figur zu schaufeln. Nur die Wurst aus Thüringen ist das einzig Wahre.

Es dauert nicht lange, bis die erste Wurst fertig ist. Speichel bildet sich in deiner Mundhöhle und sucht sich den Weg in Freie. Alle Blicke sind auf dich und die Grillzange, in deinen Händen, gerichtet. Deine Freunde sehen angespannt aus, aber versuchen es vergebens zu verbergen. Jeder will eine haben. Jeder muss eine haben. Der mit Liebe gemachte Nudelsalat verkommt zur Nebensache. Die ersten Würste werden behutsam auf die Pappteller verfrachtet. Nun hat jeder Gast eine Wurst, aber alle warten bis auch der Gastgeber sitzt. Endlich, nach fast unerträglicher Wartezeit ist es so weit. Der erste Biss in die Thüringer bringt dich den Himmel ein wenig näher. Eine nicht wegzudiskutierende Menge, deiner Freunde, sieht aus, als hätten sie gerade ihren ersten Orgasmus erlebt. Die anderen schweigen und genießen den Moment des Triumphs. Guten Appetit.

Die Zetteltante im ranzigem Kittel

„Das, was wir sehen, ist das was wir begehren.“ So, oder so ähnlich sagte das schon Hannibal Lektor, in das Schweigen der Lämmer und dann muss da doch was dran sein, denke ich mir und betrachte eingehend den drehenden Gyros-Spieß, vor dem ein fettleibiger, schwitzender Grieche mit einem langen scharfen Messer steht und das saftige Fleisch herunterschneidet. Ich stehe nun schon einen ganze Weile in der Fritten-Schmiede meines Vertrauens und beobachte das emsige Treiben hinter dem Tresen, bis sich nach einer gefühlten Ewigkeit die blondierte Griechin im ehemals weißen Kittel dazu herab lässt meine Bestellung aufzunehmen.

Auf einen winzigen Zettelchen schreibt sie sodann hurtig meine Wunschliste. Die Buchstaben und Worte auf dem Papier gleichen dem Geschmiere, das mein Arzt auf einem Attest oder in einem Bericht hinterlässt und sind für Außenstehende, wie ich es einer bin, niemals im Leben entzifferbar. Liebevoll drapiert die ebenfalls übergewichtige Blondine den Zettel, zu einigen anderen mit ähnlichen Geschmiere, mit einem Magneten an eine metallene Leiste, an der Wand gegenüber, die anscheinend einzig dafür in das Ensemble aus Gastronomie-Großgerätschaften und Möbel arrangiert wurde.

Froh, dass ich immerhin meine Bestellung aufgeben konnte und damit aus der Masse, die sich vor dem Tresen versammelt hat, heraussteche…

Froh, dass ich immerhin meine Bestellung aufgeben konnte und damit aus der Masse, die sich vor dem Tresen versammelt hat, heraussteche beobachte ich weiter das Geschehen hinter der Balustrade aus Holz, Metall und Glas und lasse mein Zettel, der noch immer unangetastet an der Leiste hängt, nicht aus den Augen. Eine ganze Horde an Menschen, wahrscheinlich die gesamte Sippe, hat sich hinter dem Tresen verschanzt, führt irgendwelche Arbeiten aus, läuft wie aufgescheuchte Hühner hin und her und ignoriert den meinigen Zettel gekonnt. Dann und wann stoßen, aus dem hinteren Bereich des Ladens, der für die Allgemeinheit nicht einsehbar ist, noch weitere Personen dazu, öffnen schwarze Styropor-Kisten und klauen den Wartenden im Verkaufsraum das Essen, stopfen es in die Kisten und verschwinden in Windeseile wieder durch die Hintertür.

Ich war abgelenkt, nur eine kurze Zeit und habe versucht mir das Aussehen der Fastfood-Diebe genau einzuprägen, um in Falle einer Gegenüberstellung genaue Aussagen machen zu können, doch dem Anschein nach gehörten diese wohl doch zum Team der Imbiss-Stube, denn niemand der anderen hat protestiert, oder auf andere Weise zum Ausdruck gebracht, dass hier ein Verbrechen geschieht. Diese kurze Ablenkung hat aber dazu geführt, dass ich nicht beobachten konnte, wer meinen Zettel von der Metallschiene genommen hat und nun meine Essen für mich zubereitet. Ein bisschen nervös versuche ich aus dem Gewusel, dass dem Treiben im Inneren eines Ameisenhaufens, auf frappierende Weise ähnelt, den Menschen herauszufiltern der in diesem Augenblick für mich und meine daheim sitzenden, hungrigen Angehörigen tätig wird.

Nach kurzer Zeit aber, gebe ich bereits entnervt auf und stehe mir weiter, wie alle anderen Trottel auch, die Beine in den Bauch.

Nach kurzer Zeit aber, gebe ich bereits entnervt auf und stehe mir weiter, wie alle anderen Trottel auch, die Beine in den Bauch. Einige der Wartenden wedeln hektisch mit den Armen, um die Aufmerksamkeit der drallen Blondine auf sich zu lenken, andere glotzen wie Zombies auf ihre Smartphones und wischen hektisch, ohne Sinn und Verstand die einzelnen Seiten des Gerätes aus China hin und her. Ich aber bleibe, auch wenn es schwerfällt ruhig und gelassen und schiebe meine heruntergerutschte Brille, mit dem Zeigefinger, wieder in ihre angestammte Position und fixiere meinen Blick, möglichst gelassen, auf die riesige Tafel, die alle feilgebotenen Gerichte fein säuberlich aufzeigt und studiere diese.

Es passiert als ich bei der Grillplatte Artemis angekommen bin. Die Griechische Göttin des fettigen Mahls, bittet mich an die Theke heranzutreten und überreicht mir, mit einem strahlenden Lächeln, eine Plastiktüte mit duftendem Inhalt. Sollte es wirklich wahr sein? Sollte ich diese Tortur, sondergleichen wahrhaftig überstanden haben? Wie konnte das plötzlich so schnell gehen und wer im Gottes Namen hat nun Hand angelegt, am Taxi-Teller für mich und meine Göttergattin und an die Pommes-Schranke meiner Tochter? „Das macht dann 18,10 €, Luke“, sagt die blondierte. Mit offenem Mund überreiche ich ihr einen Zwanziger und sage: „Stimmt so, Helia. Bis nächsten Donnerstag dann.“ Ein weiteres Mal lächelt Helia mich freundlich an und sagt: „Klar, bis nächsten Donnerstag dann. Grüß deine beiden Damen von mir.“