Schlagwort: Tod (Seite 1 von 1)

Landleben deluxe

Morgens, wenn der alte Mann die Beine behäbig aus dem Bett schwingt, ist die Blase meist bis zum Bersten gefüllt. Das am gestrigen Abend nicht zu wenige Biere in den Schlund gekippt wurden, macht die Sache nicht besser. Schnell muss es also gehen, auch wenn die müden, alten Knochen nicht mehr so mitmachen wie sie sollten. Hurtig muss die Nasszelle aufgesucht werden, damit der Urin nicht in der schon jetzt besudelten Unterhose landet.

Mit klapprigen Beinen macht sich der Opa auf den Weg durch den Flur mit den alten, in die Tage gekommenen abgewetzten Teppich. Man kann richtig erkennen, dass in der Mitte des Läufers aus dem Orient nicht nur der Opa selbst über Jahre hinweg zum Scheißhaus geschlurft ist, sondern auch das angetraute Weib des Greises, als dieses noch nicht unter dem Torf war. Eine Furche haben sie gezogen, mit Hausschuhen und manchmal blanken, verhornten Füßen.

Als Herbert endlich am stillen Örtchen angelangt ist…

Als Herbert endlich am stillen Örtchen angelangt ist und die Tür geöffnet hat, schlägt ihm ein bestialischer Gestank entgegen. Jahrelang hat der alte Mann das Badezimmer nicht mehr gründlich gereinigt. Eine verdammt lange Zeit wurde die Kloschüssel, das Waschbecken und die Dusche nicht mehr mit Reinigungsmittel benetzt. Eine kleine Ewigkeit hat kein Putzlappen das Reinigungsmittel erst behutsam und dann vehement von Keramik und Fliesen gerubbelt. Herbert ist dazu nicht mehr in der Lage. Kann es einfach nicht mehr.

Nichts kann Herbert mehr. Nur noch schlafen, saufen, fressen, kacken und pissen. Okay, fernsehen geht auch noch. Aber nur, wenn er ganz nah am Gerät sitzt und den Ton bis zum Anschlag aufgedreht hat. Es ist ohnehin niemand hier, der sich an der Lautstärke stört. Wohnt in einer Einöde auf dem Land der alte Mann. Niemand verirrt sich in diese gottverdammte, schäbige Gegend. Nicht einmal die eigenen Kinder oder die Enkel. Einsamkeit ist Herberts einziger Begleiter. Tagein und tagaus.

Der alte Hof, den Herbert bewohnt, verfällt zusehends…

Der alte Hof, den Herbert bewohnt, verfällt zusehends. Tiere hat er schon lange nicht mehr. Damals – für ihn scheint es gar nicht lange her – da herrschte hier das pure Leben. In guten Zeiten hatte er weit über fünfzig Milchkühe, zig Katzen und einen Hofhund. Auch ein paar Hühner, die ihm und seiner Familie mit frischen Eiern versorgten, nannte er sein Eigen. Die Kinder tollten auf dem Gelände herum und verbrachten eine unbeschwerte Kindheit auf dem Land, fuhren mit dem Trecker und kümmerten sich gemeinsam mit Herbert um das Vieh.

Heute wohnen alle seine Nachkommen in der weit entfernten Stadt und scheren sich einen Dreck um ihren Erzeuger. Niemand hatte seinerzeit Interesse den Hof weiterzuführen. Alle wollten studieren und einen Anzug oder ein Kostüm tragen und sich nicht die manikürten Finger schmutzig machen. Als aus den Kindern Teenager wurden, war es vorbei mit der Freude, die sie auf den Hof hatten. Vergessen schienen die vielen tollen Erlebnisse aus der Kindheit und das Lächeln auf dem Gesicht der Kinder war verschwunden.

Als Herbert endlich auf der dreckigen Klobrille platzgenommen hat und die Blase…

Als Herbert endlich auf der dreckigen Klobrille platzgenommen hat und die Blase sich durch den Penis in die braune Schüssel entleert, legt sich erneut die Einsamkeit wie ein bleierner Mantel um die Schultern des ergrauten Mannes. Eine einzelne Träne läuft die faltige Wange herab und tropft auf den dünnen, knochigen Oberschenkel des Mannes, der einmal glücklich war.

Fahrig reinigt er sich nach dem Geschäft die Hände unter eiskalten Wasser und macht sich auf den Weg in die Küche. Wieder nimmt er den Weg über den alten Läufer, der damals viel Geld gekostet hat, geht aber am Schlafzimmer vorbei bis zur hölzernen Treppe, die ihn in den unteren Bereich des Bauernhauses führt. Jede einzelne Stufe nimmt er langsam und bedächtig. Er möchte nicht fallen, sich den Kopf blutig schlagen oder die Knochen brechen. Niemand würde ihn schreien hören, wenn er unten am Treppenabsatz liegen würde, wie ein Käfer auf dem Rücken.

In der Küche angekommen füllt er den blechernen Teekessel mit Wasser…

In der Küche angekommen füllt er den blechernen Teekessel mit Wasser und setzt ihn auf die Kochplatte. Während er darauf wartet, dass das Wasser kocht, denkt er an seine Frau zurück. Er hat sie immer geliebt. Bis ins hohe Alter waren sie ein Herz und eine Seele. Vor seinem geistigen Auge kann er sie nun sehen. Sie steht an der Arbeitsplatte mit ihrem geblümten Kittel, lächelt ihn an und bereitet einen Kuchen zu.

Sie war es, die alles zusammengehalten hat. Sie war es die, die Bezugsperson für die Kinder war. Als sie noch lebte, kamen sie regelmäßig zu Besuch. Doch als sie verstarb und sie unter der Erde war, wurde alles anders. Herbert hatte sich seinerzeit verändert. Hatte sich zurückgezogen und konnte den Tod seiner Frau niemals akzeptieren. Wenn die Kinder anfänglich zu Besuch kam, redete er nicht mit ihnen, saß nur in seinem Sessel und starrte vor sich hin. Niemand konnte ihn trösten. Niemand konnte den Verlust wettmachen. Später kamen sie nicht mehr und er wusste heute, dass er es ihnen nicht verübeln konnte.

Das Pfeifen des Kessels auf dem Herde reißt Herbert aus den Gedanken…

Das Pfeifen des Kessels auf dem Herd reißt Herbert aus den Gedanken und die Erscheinung seiner Frau an der Arbeitsplatte verblasst genauso schnell, wie sie aufgetaucht ist. Herbert steht nun auf und bereitet sich einen letzten Tee zu. Schweigend setzt er sich an den Küchentisch und ist sich bewusst, dass es nun an der Zeit ist allen zu vergeben.

Noch ein letztes Mal denkt er nun zurück an seine geliebte Frau. Ein letztes Mal denkt er an seine tollen, erfolgreichen Kinder, auf die er so stolz sein kann. Sie alle haben sich ein Leben aufgebaut. Sie alle funktionieren und haben es geschafft nach dem Tod der Mutter trotz der Traurigkeit, irgendwann wieder Mut zu fassen.
Mit Wehmut denkt er an seine Enkel, die er nie richtig kennengelernt und gibt sich an allem die Schuld. Er weiß es nun mit Sicherheit und hat endlich Klarheit darüber erlangt, wie die nächsten Schritte aussehen müssen.

Alles ist vorbereitet. Alles Nötige ist in die Wege geleitet. Auf die Kinder und Enkel werden keinerlei Kosten zukommen und auch sonst wird nicht viel zu erledigen sein. Die Briefe an die Kinder sind gestern von ihm zu Post gebracht worden. Sie werden heute per Einschreiben zugestellt. Niemand trifft eine Schuld. Ohne zu zögern, greift er nach den kalten stählernen Lauf der Schrotflinte, die er sich am gestrigen Abend zurechtgelegt hat, schiebt sich den Lauf in den zahnlosen Mund und drückt ohne ein weiteres Mal nachzudenken den Abzug durch und verteilt sein Gehirn an den Wänden und die Decke der alten Küche.

Der miese Schreiberling

„Wer der schreibenden Zunft angehört, der hat doch immer Ideen. Wie kann es sonst sein, dass so einer, der immer mit dieser schrecklich runden Brille herumläuft mit seinen Büchern Geld verdient? Ein Auto hat der feine Herr auch noch. Scheint also wirklich kein schlechter Schreiberling zu sein. Wird schon seine Leser haben, der Typ mit der Brille. Vielleicht sollte ich wirklich mal ein Buch von ihm kaufen? Wenn ich doch nur wüsste, unter welchem Pseudonym er sein Geschmiere auf den Markt bringt. Wird wohl kaum unter seinen wirklichen, also richtigen Namen – der Name der auch an seiner Wohnungstür steht – seine Schreibe veröffentlichen?“

„Ich bin mir wirklich und wahrhaftig gar nicht mal so sicher, ob er wirklich Bücher schreibt. Vielleicht ist der Spinner auch nur Blogger oder Journalist und macht einen auf Assange. Auf jeden Fall, höre ich ihn jeden Abend, auf so einer altmodischen Schreibmaschine tippen. Und das in der heutigen Zeit. Es gibt doch moderne Computer, die alles von selbst korrigieren. Mit dem richtigen Programm benötigt man keine Rechtschreibung und keine Schulbildung. Geht alles von allein. Mit großer Sicherheit sind gar keine Ideen mehr notwendig. Eine ausgeklügelte Software, mit einem von findigen Programmierern hinterlegten Algorithmus macht dann alles allein.“

“Eventuell hat er doch einen Computer. Zuzutrauen wäre es…”

„Eventuell hat er doch einen Computer. Zuzutrauen wäre es ihm. So einen, der tatsächlich schon vieles allein macht. Einen rundlichen Hochleistungsrechner mit angebissenem Apfel. Mich würde es nicht wundern, wenn er dann einfach ein altmodisches Eingabegerät angeschlossen hat. Eine Tastatur, die dieses klickende Geräusch macht, um uns alle zu täuschen. Um uns allen vorzugaukeln was für ein kluger, gebildeter Mann er doch ist, mit seiner Scheiß-Harry-Potter-Brille und dem albernen Bart.“

„Der treibt es noch auf die Spitze. Grüßt sogar immer freundlich im Hausflur, wenn er mir entgegenkommt. Als wenn ich nicht wüsste, was er für ein Geheimnis vor mir und den anderen Hausbewohnern verbirgt. Eines, das er teilt mit Millionen von Menschen, aber mich und alle anderen direkten Nachbarn mit seiner Anonymität ausschließt. Ein scheinheiliger Penner der sich einen Dreck um seine Nachbarn schert und uns einen riesigen, virtuellen Haufen Scheiße vor die Füße wirft. Die pure, bodenlose Provokation. Doch ich mache das nicht mehr lange mit, dass sollte jedem klar sein. Auch ihm. Besonders ihm.“

“Wenn ich ihn das nächste Mal begegne, werde ich vorbereitet sein.”

„Wenn ich ihn das nächste Mal begegne, werde ich vorbereitet sein. Ich werde mich nicht erneut täuschen lassen von seinem Lächeln und dem geheuchelten, friedfertigen Gruß. Nein, ich werde ihn zur Rede stellen und ihn auffordern ehrlich zu sein und direkt im Hausflur zu gestehen, dass er mit seinem radikalen Geschmiere das Volk anstachelt. Ich werde ihn so weit in die Ecke drängen, bis er alles zugibt. Er wird seinen Namen nennen und auch die seiner Komplizen, die dafür sorgen, dass er weiterhin zu Hause Sitzen kann, ohne auf die Arbeit zu gehen.“

„Auch von der Angst, die ihm dann ins Gesicht geschrieben steht, werde ich mich nicht blenden lassen. Er wird ein guter Schauspieler sein, um seine Haut zu retten. Er wird alles tun, damit er seine Tarnung nicht aufgeben muss. Er wird höchstwahrscheinlich versuchen sich der Situation zu entziehen. Der Typ wird probieren sein Heil in der Flucht zu suchen, die Treppen hinauflaufen und seine Wohnungstür verrammeln. Er wird sich verschanzen wollen und alsbald den Computer hochfahren, um seine Meute auf mich zu hetzen. Doch ich werde all dies verhindern.“

„Wenn er diese Verhalten wirklich an den Tag legt und versucht zu verduften und mir keinerlei Antworten zu geben, wird er dafür büßen. Wie bereits erwähnt bin ich vorbereitet auf dies alles. Auch auf Aggression seinerseits. Ich werde dann einfach das mitgebrachte Messer ziehen. Das größte aus meiner umfangreichen Waffensammlung. Die Klinge ist schön lang. Über 20 cm blanker, extrem scharfer Stahl. Ich werde nicht lange fackeln. Nicht lange überlegen. Das Messer wird leicht in seinen Bauch gleiten. Das hellbraune Leinenhemd wird kein Hindernis sein und sich rapide dunkelrot verfärben.“

“Klar, der Hausflur wird dreckig sein.”

„Klar, der Hausflur wird dreckig sein. Sicherlich, ich werde kurzfristig den Ärger der Nachbarn auf mich ziehen. Sie werden wahrscheinlich noch weniger mit mir reden, als schon jetzt. Mir ausweichen. Doch das wird vorübergehen. Sie werden es verstehen und auf meiner Seite sein, wenn es zur Gerichtsverhandlung kommt, davon bin ich überzeugt. Auch die Öffentlichkeit wird sich auf meine Seite schlagen und meine Tat als gerechtfertigt einstufen. Kann nicht anders sein. Das Volk wird auch darüber hinwegsehen, dass mein Vorstrafenregister lang ist und ich bereits in der Vergangenheit mit Gewalttaten gegen sogenannte Minderheiten und Andersartige aufgefallen bin.“

„Auch wenn der Staat mich einsperrt, weiß ich, dass ich das richtige getan habe. Ich lasse mich nicht verbiegen und bleibe auch unter Druck standhaft bei meiner Meinung. Es wird Menschen geben, die mir dankbar sein werden. Es wird Personen geben, die versuchen mir nachzueifern und daran arbeiten werden, die Welt von diesen Subjekten zu befreien. Auch das Fernsehen und die Medien im Allgemeinen werden mir dabei helfen. Sie werden mich besuchen wollen. Ich werde sodann in die Kamera lächeln und meine Thesen ungefiltert in die Welt hinausposaunen. Das niedrige Volk wird mir an den Lippen hängen und meine Weisheiten aufsaugen. Ich weiß es. “

Fett, Feist & Einsam, aber Durstig!!!

Fett und feist ist der Mann aus dem Ruhrpott geworden. Noch mehr Gewicht auf den Hüften als damals. Auch als Teenager war er schon übergewichtig. Nun ist er dazu auch noch alt geworden. Macht die Sache nicht besser, wie er findet. Falsches Essen und dazu die leckeren Bierchen, jeden Tag. Auch Falten hat er im Gesicht bekommen und dunkle Ringe unter den Augen. Macht nicht mehr viel her, der Mann Anfang vierzig. Ist immer alleine geblieben. Hat nie eine Frau gefunden, aber auch nicht wirklich danach gesucht. Nun ist der Zug abgefahren, denkt er und setzt widerwillig und ein wenig melancholisch, den Flaschenhals an die Lippen und nippt an seinem ersten Bier heute.

Damals, als junger Mann ging das alles. Da war er noch nicht ausgeschlossen. Zu jener Zeit war er Teil einer großen Clique, wie man damals sagte, und ging jedes Wochenende mit den Jungs in den Club, oder in die Kneipe und feierte. Doch irgendetwas hatten seine Kumpels anders gemacht. Sie hatten dann und wann mal ein Date und sich dann für kurze Zeit abgesondert von der Truppe, um mit der holden Weiblichkeit in Kontakt zu kommen. Mal ein One-Night-Stand und mal etwas Längeres.

Auch er ist keine Jungfrau mehr. Weit gefehlt…

Auch er ist keine Jungfrau mehr. Weit gefehlt. Ist schon damals regelmäßiger Gast in der Lilienstraße gewesen und hat sich als regelmäßiger, wiederkehrender, meist freundlicher, Freier einen Namen gemacht bei den Bordsteinschwalben. Es war einfach. Man brauchte sich auf nichts einlassen, keine Kompromisse eingehen und auch keine Blumen kaufen. Auch ins Kino, in irgendeinen verhassten Liebesfilm oder dergleichen, wollten die Damen aus dem horizontalen Gewerbe nicht. Wollten auch nicht zum Essen eingeladen werden und keinen Pelzmantel oder teuren Schmuck geschenkt bekommen. Toll. Einfach Kohle auf den Tisch und rein ins Vergnügen. Auch heute geht er noch hin, aber nicht mehr so oft wie damals.

Meist sitzt er nach der Arbeit, an der CNC-Fräse, alleine daheim vor dem Computer oder Fernseher und streichelt einer seiner drei Katzen liebevoll über den Kopf. Tiere mag er gerne, die sind ähnlich gestrickt wie die Nutten. Für eine Leckerei aus dem Plastiktütchen, setzen sie sich bei dir auf dem Schoß und lassen sich überall anfassen. Oft vergehen Wochen, manchmal sogar Monate bis er mit einem anderen Menschen, als seine Arbeitskollegen auf der Maloche, spricht. Oft ist es nur ein Telefonat mit einem seiner damaligen Kumpel, der Geburtstag hat. Er denkt immer daran. Vergisst nie einen Ehrentag der Kumpels. Hat sie alle abgespeichert, in einer Excel-Liste.

Meist sind die Gespräche kurz. Er plappert von damals, seine Freunde von heute…

Meist sind die Gespräche kurz. Er plappert von damals, seine Freunde von heute. Haben alle Frau und Kinder und meist ein Haus mit Garten und nicht viel Zeit. Die haben irgendwie mehr aus ihrem Leben gemacht, als er selbst, stellt er dann sachlich fest. Meist sind Bekannte, Freunde und Verwandte zu Besuch, wenn er anruft. Man verspricht sich, sich bald wiederzusehen. Zum Fußball in der Kneipe, zum Billard spielen, oder der alten Zeiten wegen, am Kickertisch, im kleinen Club, wo es im Sommer immer so heiß war und das Bier billig, wenn es den noch gibt. Meist bleibt es beim Versprechen, das am nächsten Geburtstag wieder aufgefrischt wird.

Ein einfaches Leben, das er immer haben wollte und dennoch nicht zufrieden damit ist. Ein einsamer Mann ist er geworden, mit drei stinkenden Katzen und jede Menge Pfandflaschen, in einer unordentlichen miefigen Wohnung, die noch Niemand außer ihm selbst betreten hat, lebend.

Wieder führt er den Flaschenhals an den Mund. Dieses Mal trinkt er alles aus, in einem Zug. Nun bringt er es hinter sich und bereitet all dem ein Ende. Er hat das Rattengift mit dem wohlschmeckenden Bier vermischt und erhofft sich ein schnellen, unspektakulären Tod. Und tatsächlich sackt der dicke Mann schon nach ein paar Minuten in sich zusammen, rutscht von der abgewetzten Couch und liegt sodann röchelnd auf dem Fußboden. Er spürt noch wie sich seine Katzen liebevoll um ihn herum versammeln bevor das Zimmer vor seinem Auge verschwimmt.

Nun ist es dunkel und still. Er kann nichts mehr sehen, nichts hören und auch alle andere Sinne sind wie benebelt…

Nun ist es dunkel und still. Er kann nichts mehr sehen, nichts hören und auch alle andere Sinne sind wie benebelt. Er fühlt sich leicht wie eine Feder und schwebt plötzlich über seinem eigenen Körper. Er kann sich dort unten auf dem Boden liegen sehen, den elenden Tropf. Ihm fällt es leicht wegzusehen und seinen Kopf gen Himmel zu recken. Er blickt nun in einen helles, gleißendes Licht und er hat vor, wie er es schon so oft gehört hat, sich dort hinein zu bewegen, doch irgendetwas hält ihn noch zurück.

Weit weg kann er etwas hören, das ihm entfernt bekannt vorkommt. Es dauert eine Weile, doch dann wird ihm bewusst, dass es sein Telefon ist, das dort unten klingelt. Ihm soll es egal sein, denn es ist zu spät. Wer auch immer mich anruft, kann mich nicht mehr retten denkt er, doch die Neugier ist es schlussendlich, die seinen Körper nun durchströmt und ihm neues Leben einzuhauchen versucht. Unweigerlich nähert er sich wieder seinen fetten Leib und entfernt sich vom warmen, hellerleuchteten Himmel, über sich. Er spürt wie er wieder zunimmt. Kilogramm für Kilogramm, findet sich sodann wieder, im eigenen Körper und erbricht sich auf dem Teppich.

Das altmodische, orange Telefon klingelt noch immer. Langsam richtet er sich auf…

Das altmodische, orange Telefon klingelt noch immer. Langsam richtet er sich auf und schleppt sich taumelnd in den Korridor in dem das Gerät auf einem kleinen Schränkchen steht. Mit schweißnassen Fingern hebt er den Hörer ab und lauscht keuchend in die fettige Hörmuschel. Es ist Ralf. Er wolle sein Versprechen halten und mit ihm in die Kneipe gehen, denn dort würden die anderen auf sie beide warten. Heute ist Fußball und er wolle ihn abholen, er stehe schon vor seiner Tür und hätte bereits mehrfach geklingelt. Tatsächlich, seit langer Zeit huscht ein Lächeln über das Gesicht des feisten Mannes und er sagt: „Danke man, ich komme gerne. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr es mich freut deine Stimme zu hören. Gib mir nur ein paar Minuten. Ich mache mich nur kurz frisch, dann bin ich bei dir und bei allen anderen.“