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Ich glotz TV im Plattenbau

Ein Hochhaus das 14 Etagen hat und irgendwo im Ruhrpott steht. Graue, kerzengerade Wände, Fenster an Fenster und Balkon an Balkon. Im unteren Bereich zieren Graffiti den tristen Bau. Wenige Laternen erhellen die Umgebung rund um das Haus nur minimal. Dunkle Ecken und ein finsterer, enger Durchgang zum Hinterhof runden das Bild der Siedlung ab. Im Hof vertrieben sich Jugendliche ihre Langeweile. Sie sind gezwungen hier zu wohnen und sitzen rauchend auf dem Schaukelpferdchen für die Kleinen oder trinken Alkopops auf den Bänken, die rund um den Sandkasten aufgestellt wurden. Auch der eine oder andere Joint wandert schon mal durch die Hände der jungen Menschen. Kinder, für die dieser Platz eigentlich geschaffen wurde, trauen sich hier schon lange nicht mehr hin.

In der fünften Etage sind die Friedrichs zu Hause. Eine junge Familie mit drei Kindern und einem Vater der als Elektriker sein Geld verdient. Die Mutter ist Hausfrau und kümmert sich liebevoll um die drei Wunschkinder der Familie. Geld haben sie wenig, aber es reicht, um die monatlichen Rechnungen zu begleichen und satt zu werden. Gelegentlich ist auch das eine oder andere Spielzeug für die Kinder drin. Meist sind die kleinen Geschenke, die der Vater besorgt, um seinen Kindern eine Freude zu bereiten, gebraucht. Trotzdem strahlen die Kinder jedes Mal, wenn der Vater seine Mitbringsel auspackt und für einen kurzen Moment ist der ansonsten frustrierte Arbeiter glücklich. Jedes Kind bekommt etwas, dass in etwa den gleichen materiellen Wert aufweist. Der Vater will keinen Streit unter den Kindern und achtet penibel auf die Wertigkeit der Präsente, die er meist auf dem Flohmarkt besorgt.

Die Einrichtung der Wohnung ist einfach…

Die Einrichtung der Wohnung ist einfach. Auch die Möbel wurden gebraucht gekauft und sind bunt durcheinander gewürfelt. Im Wohnzimmer findet man ein großes Ecksofa in Rot, eine Schrankwand mit zwei Glastüren in Weiß und einen abgewetzten Teppich in Blau. Nur das Fernsehgerät der Marke Samsung wurde neu erworben. Lange hat die Familie gespart und auf Urlaub verzichtet, um sich das 65 Zoll große Gerät zu leisten.

Nun läuft der Apparat den ganzen Tag und alle Familienmitglieder sind der gleichen Meinung: Für dieses Gerät zu sparen und zu verzichten hat sich wirklich gelohnt. Groß, protzig und ein Bild das sich, im wahrsten Sinne des Wortes, sehen lassen kann. Ultra HD, Tripple Tuner und auch internetfähig ist die flache Flimmerkiste. Tagsüber, wenn der Vater auf der Arbeit ist und die Kinder die nahe gelegene Hauptschule besuchen, läuft der Shopping-Kanal und die Hausfrau kann beim Wischen, Waschen, Bügeln und beim Saugen von Dingen träumen, die sie sich nicht leisten kann.

Nachmittags, wenn die Kinder aus der Schule kommen…

Nachmittags, wenn die Kinder aus der Schule kommen, werden die Hausaufgaben im Wohnzimmer vor dem laufenden Fernseher erledigt. Die Mutter hat nichts dagegen denn sie ist der Meinung, dass Fernsehen nicht nur unterhaltsam ist, sondern in erster Linie bildet. Fast ihr gesamtes Fachwissen rund um die Haushaltsführung hat sie sich beim Fernsehen angeeignet. Dass ihre Kinder Sendungen schauen, die für Ihr Alter nicht geeignet sind oder Programme glotzen, die doch nicht zur Aneignung von Allgemeinwissen geeignet sind, interessiert die Hausfrau wenig bis gar nicht. Wissen hätten die Kinder zwar dringend nötig, aber der Dame des Hauses erscheint es wichtiger, dass die Kinder glücklich und zufrieden wirken und gelegentlich auch einfach mal die Fresse halten und sie in Ruhe lassen.

Besonders jetzt. Es muss gekocht werden, denn das übergewichtige Oberhaupt der Familie ist auf dem Weg nach Hause. Jeden Tag meldet er sein Erscheinen im heimeligen Plattenbau fernmündlich an, denn er bringt einen Bärenhunger mit nach Hause und will auf sein wohlverdientes Essen nicht allzu lange warten. Noch im Blaumann und mit ein paar Lüsterklemmen in der Hosentasche nimmt der Malocher dann auf der Couch neben seiner Frau und den Kindern platz. Gegessen wird nämlich, wie soll es anders sein, ebenfalls im Wohnzimmer vor der Glotze. Nun laufen Serien wie: „Berlin-Tag & Nacht“, „Der Trödeltrupp“, „Betrugsfälle“, „Der Blaulichtreport“ oder „Sterne von Berlin“ und bringen die gesamte Familie in Verzückung.

Nach dem Abendessen versammelt sich die gesamte Sippe…

Nach dem Abendessen versammelt sich die gesamte Sippe ein weiteres Mal auf dem Sofa, futtert scheffelweise Chips, Popcorn, Erdnüsse und tafelweise Schokolade und erfreut sich an Sendungen wie: „Frauentausch“, „Bauer sucht Frau“, „Das Supertalent“, und „Deutschland sucht den Superstar“. Alle sind sodann entzückt von den doofen Menschen, die sich in den Unterhaltungsshows regelmäßig zum Affen machen. Dann und wann verdrücken die Friedrichs auch ein paar Tränen. Vor Rührung ganz starr, verfolgen sie dann gebannt die Handlungen des Kandidaten auf der Bühne, der nicht nur gut aussieht, sondern zusätzlich noch die Fähigkeit besitzt, gelegentlich den richtigen Ton beim Singen zu treffen.

Wenn zum späten Abend die Kinder endlich im Bett liegen und sich auf den anstrengenden Tag in der Schule vorbereiten und sich auch die Frau mit Migräne im Schlafgemach verbarrikadiert hat, kommt die Zeit des Familienoberhaupts. Der schwer arbeitende Mann holt sich dann eine eiskalte Dose Bier aus dem Kühlschrank und macht es sich, bewaffnet mit einem Stück Pizza vom Vortag, auf der Couch vor dem riesigen Fernseher bequem. Nachdem er ungefähr eine halbe Stunde damit verbracht hat durch die Kanäle zu zappen, bleibt er dann doch, wie fast am jeden Abend, auf Sport 1 hängen und verfolgt die anmutigen Bewegungen der freizügigen Damen, die die Hauptrollen bei den „Sexy Sport Clips“ spielen, kratz sich dabei am Gemächt und träumt von einer besseren Welt.

Morgendliche Rituale alleinstehender Menschen

Heute wollen wir unseren fokussierenden Blick einmal auf das Geschehen in zwei verschiedenen Haushalten werfen. Beide darin lebende Protagonisten sind ledig, kinderlos und leben alleine in einer Wohnung. Beide sind um die vierzig Jahre alt und stehen, wie man häufig so lapidar daher sagt, mit beiden Beinen fest im Leben. Beide können mit ihrem, aus dem Job generierten, Einkommen alle Rechnungen pünktlich begleichen. Schlussendlich bleiben noch ein paar Euros über, um ein Leben zu führen, dass beiden Menschen den Zutritt zur mittleren Einkommensschicht gewährt.

Dem aufmerksamen Leser wird bereits jetzt aufgefallen sein, dass die beiden erwähnten Personen, um die es heute gehen soll, einige Gemeinsamkeiten haben. Im Laufe des Textes wird aber auch der letzte Leser nicht umhinkommen zu bemerken, das beide hier beschriebene Menschen dennoch sehr viele Unterschiede aufweisen. Insbesondere hinsichtlich deren Charakterzüge und der daraus resultierenden Verhaltensweisen wird einem klar, das es sich hierbei um eine Frau und einem Mann handeln muss. Dies zeigt sich besonders dann, wenn wir unseren Blick auf den Beginn eines jedweden Tages werfen und die beiden Hauptpersonen dabei beobachten wie sie sich auf den anstrengenden, vor ihnen liegenden, Arbeitstag vorbereiten.

Bevor wir nun wirklich in das interessante morgendliche Geschehen in den beiden Haushalten einsteigen, möchte ich hier noch einmal eindeutig und unmissverständlich darauf hinweisen, dass mir durchaus bewusst ist, dass meine Schreibweise häufig klischeehaft und mit einem veralteten Blick auf beide Geschlechter ausgestattet ist. Dennoch wird der eine oder andere Leser – und davon bin ich vollends überzeugt – sich an der einen oder anderen Stelle wiederkennen, oder zumindest jemanden kennen, der ähnliches oder gleiches Verhalten an den Tag legt. Um noch deutlicher in Stereotypen zu denken und sämtliche Gutmenschen auf die Palme zu bringen, werde ich die einzelnen Passagen, stringent und nach Geschlecht getrennt, in Rosa und blau auf das virtuelle Papier bannen.

Der altmodische Wecker, der ganz in Pink gehalten ist, klingelt genau dreimal. Die Dame des Hauses setzt sich im Bett auf, nimmt ihre Schlafmaske ab und schwingt die Beine behäbig aus dem Bett. Sie ist noch müde, aber sie hat sich angewöhnt direkt beim ersten Klingeln des Weckers aufzustehen. Sich nochmals umzudrehen und die Augen ein paar Minuten zu schließen verwehrt sie sich, denn irgendwo hat sie gelesen, dass man dann noch müder sei. Ihr Blick wandert als Erstes in einer der großen Spiegeltüren des riesigen, weißen Schrankes von Ikea. Angewidert blickt sie in ein verschlafenes, alterndes Gesicht einer Frau von 38 Jahren. Schnell wendet sie den Blick ab, geht aus dem Schlafzimmer in die Küche und bereitet ihr Frühstück vor.

Nachdem der Wecker drei bis viermal in den Schlummermodus versetzt wurde, steht der Mann auch schon auf. Ganz zerknittert sieht der sonst eigentlich attraktive Kerl, der schwer auf die vierzig zugeht, aus. Gestern war er spät im Bett. Zu spät, denn eigentlich braucht er mindestens sieben Stunden Schlaf um fit zu werden. Das war auch schon einmal anders, aber der Lack ist ab, wie man so schön sagt. Doch zaudern bringt nichts, denn auch heute muss er wie jeden anderen Werktag ins Büro. Wichtige Aufgaben und ein Termin, der durchaus vielversprechend klingt, warten auf ihn. Wie jeden Morgen spult er also sein Programm, das ihn nicht nur sauber und gepflegt, sondern auch satt werden lässt, ab. Zuerst wird die Kaffeemaschine angestellt, denn nichts ist schlimmer als ein Tag ohne seine morgendliche Tasse Kaffee und die obligatorische filterlose Zigarette dazu.

Auf Kaffee verzichtet sie gänzlich…

Auf Kaffee verzichtet sie gänzlich. Stattdessen kocht Sie Wasser in einen, mit Blümchen verzierten, Teekessel den Sie von Ihrer Mutter geerbt hat. Das Frühstück besteht aus fair angebauten grünen Tee, den sie ausschließlich im feinen Teeladen der hiesigen Innenstadt kauft und einem gesunden Müsli mit viel Obst und wenig fettreduzierten Quark. Beim Frühstück blättert sie, wie jeden Morgen, in einer ihrer Zeitschriften zum Thema Dekorieren und Einrichten und holt sich dabei Anregungen für die eigene Wohnung. Ihr ist es wichtig, dass ihr kleines aber feines Heim immer schön dekoriert und die Dekorationen der Jahreszeit entsprechend ausgewählt sind. Nach dem Frühstück beschließt sie zu Duschen und geht in das penibel gereinigte Bad.

Danach geht auch der Mann ins Bad, schlüpft aus dem Pyjama und betrachtet seinen nackten alternden Körper im großen Spiegel, der eine Wand des Bades ziert. Er findet, dass er sich ganz gut gehalten hat. Oft wird er sogar jünger geschätzt, als er eigentlich ist. Das schmeichelt ihm, auch wenn er weiß, dass es manchmal, vielleicht sogar öfter, nur Höflichkeit ist. Klar, er ist kein Adonis, aber schlank und an den richtigen Stellen ein wenig muskulös. Ein wenig Bauchspeck hat er angesetzt, aber das stört ihn nicht weiter. Er isst einfach zu gerne und auch auf das eine oder andere kühle Bier will er nicht verzichten. Die Brust ist behaart und auch den Bauch zieren nicht wenige Haare. Vor ein paar Jahren hat er sich in regelmäßigen Abständen die Brust rasiert, aber damit hat er schon lange aufgehört, denn bereits nach drei bis vier Tagen sprießen die ersten Haare wieder und es juckt wie verrückt. Das ist einfach so. Damit müssen sich eben alle abfinden, vor allem die Frauen, findet er.

Langsam schlüpft sie aus ihrem Schlafanzug…

Langsam schlüpft sie aus ihrem Schlafanzug und beobachtet dabei jede Bewegung im übergroßen Spiegel. Auch ihr rosafarbener Sportslip wird nun heruntergezogen und landet auf dem Fußboden. Nun steht sie nackt vor dem Spiegel und vermeidet jeden weiteren Blick in den selbigen. Sie weiß, dass sie zu fett ist, ihr Arsch mit den Jahren immer dicker geworden ist, sie unter Orangenhaut leidet und ihre Brüste immer mehr gen Boden wandern. Dass nicht wenige ihrer Arbeitskollegen sie fast täglich mit den Blicken ausziehen und sie regelmäßig Komplimente bekommt, tut sie als „Schwanzdenken“ ab und behauptet immer, dass diese Typen wohl jede Frau ins Bett kriegen wollen, egal wie sie aussieht. Eilig steigt sie in die Duschkabine um endlich den bösen Spiegel, der Sie allmorgendlich ärgert zu entkommen. Penibel wird die Temperatur des Wassers eingestellt. Nicht zu warm und nicht zu kalt darf es sein, damit die Dame sich wohlfühlt.

Der Blick des Mannes wandert weiter an seinem Körper herunter. Sein Penis hängt schlaff über den prallen Hodensack zwischen den Beinen. Er findet ihn ein wenig zu klein, aber er tröstet sich immer mit dem Gedanken, dass er gut mit ihm umgehen kann und die meisten Frauen, mit denen er im Bett gelandet ist, danach zumindest befriedigt aussahen. Auch hier rasiert sich der Mann nicht, kürzt aber an ein paar Stellen die Haare mit einer kleinen Schere, die extra hierfür angeschafft wurde. Auch die Beine sind behaart. An dieser Stelle hat er sich nie rasiert und würde auch gar nicht auf die Idee kommen. Er amüsiert sich jedes Mal über die Radsportler, auf ihren Weg durch die malerischen Landschaften und verschlafenen Städtchen Frankreichs, die durchweg glattrasierte Beine haben. Wenn Sie jetzt noch ein paar Hochhackige Pumps dazu tragen würden, könnte er sich glatt in den einen oder anderen Sportler verlieben, sagt er immer.

Die Duschbrause wird in Schulterhöhe eingestellt, denn ihre Haare…

Die Duschbrause wird in Schulterhöhe eingestellt, denn ihre Haare dürfen auf keinen Fall nass werden. Haare waschen ist für Sie eine andere Tätigkeit als das Duschen und wird ausschließlich abends, nach dem anstrengenden Tag im Büro erledigt. Der Griff nach dem Duschgel erweist sich schwieriger als gedacht, denn sie kann sich nicht zwischen den vielen Tuben und Spendern entscheiden. Mehr als 15 verschiedene Sorten zieren den Rand der Duschkabine und alle wurden wohlüberlegt angeschafft. Nach kurzer Überlegung greift sie dann doch zu der ersten Tube, die sie in die Finger bekommt, öffnet den Deckel der hübsch verzierten Verpackung und quetscht die Tube, bis die cremige Flüssigkeit den gesamten Handteller bedeckt. Eilig verteilt sie die Cremeseife mit einem Schwamm auf ihren Körper. Dabei ist sie immer drauf bedacht das ihr Intimbereich nichts davon abbekommt, denn für den so sensiblen Bereich hat sie eine eigene Seife. Knapp fünf Minuten verbringt sie damit ihren gesamten Körper zu reinigen, um danach den Schaum abzuwaschen.

Schnell springt er unter die Dusche und lässt, dass fast kochende Wasser, über seinen Kopf und den gesamten Körper laufen. Zuerst werden die Haare gewaschen. Das Anti-Schuppen-Shampoo nutzt er schon seit Jahren und ist zufrieden damit. Ihm ist es wichtig, dass er immer das gleiche Produkt im Drogerieladen bekommt, denn damit hat er gute Erfahrungen gemacht. Sein Haar ist und bleibt damit schuppenfrei.

Danach kommt der Damenrasierer zum Einsatz…

Danach kommt der Damenrasierer zum Einsatz. Nichts ist schlimmer als eine Frau, die an den wesentlichen Stellen unrasiert daherkommt, findet sie und so rasiert sie sich täglich unter den Achseln und an den Beinen. Auch ein paar Schamhaare müssen dran glauben. Für diese Prozedur nimmt sie sich Zeit, auch wenn sie weiß, dass sie nicht mehr viel davon hat. Das Schminken und Stylen muss heute zügig gehen, wenn sie ausnahmsweise pünktlich im Büro sein will. Als sie endlich zufrieden mit ihrem Ergebnis ist und auch die letzten unschönen Härchen im Abfluss verschwunden sind, steigt sie aus der Dusche, trocknet sich ab, zieht einen frischen Slip und ein BH an und beginnt sich vor dem Spiegel zu schminken. Es dauert lange bis die Fältchen unter einer dicken Schicht Schminke verschwunden sind, der Lidschatten perfekt gezogen wurde und der Lippenstift, die ansonsten viel zu schmalen Lippen, etwas sinnlicher wirken lässt.

Beim Mann hingegen ist als Nächstes der Körper dran. Beim Duschgel ist er nicht so wählerisch. Häufig nimmt er einfach das billigste, das ihm in die Hände fällt. Sauber werden sie wohl alle machen und riechen tun sie ausnahmslos nicht schlecht. Die Duschbrause wird zur Seite geschoben, der gesamte Körper eingeseift und auch die entlegensten Stellen saubergerubbelt. Danach stellt er sich wieder unter das laufende Wasser und befreit seinen Körper vom Schaum.

Nur in Unterwäsche bekleidet macht sie sich wieder auf den Weg…

Nur in Unterwäsche bekleidet mach sie sich wieder auf den Weg ins Schlafzimmer und öffnet einer der Türen des großen Schrankes, um sich die Kleidung für den heutigen Tag herauszusuchen. In Reih und Glied und nach Farben sortiert, hängen hier Hosenanzüge, Röcke, Blusen und auch ein paar Kleider zum Ausgehen. Über der Stange mit den Bügeln gibt es mehrere Regalbretter, ausschließlich für Sportbekleidung, T-Shirts und die legeren Jeanshosen für die Freizeit. Darunter befinden sich mehrere, kleine Schubladen aus Plastik. Eine für Unterwäsche, die nächste für Strümpfe und Strumpfhosen, eine für Schals und Tücher und in der letzten Befindet sich eine Schatulle mit ihrem Schmuck. Auch hier hat sie es schwer sich zu entscheiden. Die Auswahl ist beiläufig bemerkt zu groß, aber sie kann sich einfach nicht von den vielen schönen Sachen, die allesamt teuer waren, trennen. Hier hängen auch viele Klamotten, die ihr schon seit Jahren nicht mehr passen, doch sie will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie sich auch in diesen irgendwann wieder hineinpressen kann, ohne sich wie eine Ölsardine zu fühlen.

Der Mann putzt sich mittlerweile die Zähne. Auch diese Aufgabe erledigt er unter der Dusche. Das spart Zeit, wie er findet und Zeit ist bekanntlich Geld. Er steigt aus der Duschkabine auf ein Handtuch für die Füße und trocknet seine Haare und seinen Körper mit einem Frotteehandtuch ab. Schnell schlüpft er in seine vorher bereit gelegten Boxershorts, seine Jeans und in ein weißes T-Shirt. Nun kommt der Elektro-Rasierer zum Einsatz. Mit einer über die Jahre hinweg perfektionierten Bewegung entfernt er mühelos die Bartstoppeln die jeden Tag aufs Neue sprießen. Nun noch die spärlich gewordene Haarmähne kämmen und fertig ist er mit dem Reinigungsritual.

Im Hinblick auf ihren Termin mit dem Kerl aus der Buchhaltung…

Im Hinblick auf ihren Termin mit dem Kerl aus der Buchhaltung entscheidet sie sich für eine schwarze, körperbetonte Hose und eine weiße eng anliegende Bluse. Die obersten beiden Knöpfe des Oberteils lässt sie bewusst auf. Im Laufe ihrer beruflichen Karriere hat sie gelernt mit den Waffen einer Frau zu kämpfen. Sie hofft, dass der Idiot aus der Buchhaltung sich mehr mit dem Innenleben ihrer Bluse, als mit ihren Zahlen auf dem Notebook beschäftigt, denn Ihre Ergebnisse waren diesen Monat nicht perfekt. Nun noch ein paar hochhackige Schuhe, die ihren Hintern besser zur Geltung kommen lassen und der Tag kann kommen.

Die Zeit ist knapp und so verzichtet er heute auf sein Frühstück. Kurzerhand beschließt er sich, unterwegs, ein belegtes Brötchen beim hiesigen Bäcker zu besorgen. Die gewonnene Zeit gibt ihm immerhin die Möglichkeit eine Tasse Kaffee und eine filterlose Zigarette zu genießen. Beides gönnt er sich auf seinen Balkon und überfliegt dabei die neuesten News auf sein Tablet. Ist auch das erledigt, schlüpft er in seine Jacke, schließt die Tür hinter sich ab und steigt in seinen roten Camaro und braust, wie immer ein wenig zu schnell, zur Arbeit.

Bevor sie die Wohnung verlässt, macht sie ihren morgendlichen Rundgang…

Bevor sie die Wohnung verlässt, macht sie ihren morgendlichen Rundgang. Alle Fenster sind mit einem kleinen Schloss ausgestattet, das vor Einbruch sichern soll. Diese werden alle penibel begutachtet. Sodann werden alle Stecker aus den Steckdosen gezogen und der Herd mindestens dreimal auf die ordnungsgemäße Abstellung kontrolliert. Erst dann kann die Dame des Hauses die Wohnungstür hinter sich schließen, um das Haus zu verlassen, nur um eine Minute später nochmals zurückzukehren um nochmals zu checken, ob sie auch wirklich und wahrhaftig die Wohnungstür vorschriftsmäßig verriegelt hat. Sie war sich einfach nicht mehr sicher. Endlich findet sie den Weg zu Ihren kleinen geliebten Fiat 500, der zu ihrem Verdruss mal wieder zugeparkt wurde. Nur eineinhalb Meter nach vorn und nach hinten hat man ihr zum Ausparken gelassen. Das wird eng. Geschlagene 5 Minuten braucht die knallharte Businessfrau um aus der Parklücke zu kommen, weitere 10 Minuten durch die engen Straßen der Vorstadt um dann die Autobahn zu befahren und mit wahnwitzigen 80 Sachen zur Arbeitsstätte zu düsen.

Franky Red

Es stinkt bestialisch in der Toilette der Bahnhofskneipe und das Licht ist gedämpft. Man fragt sich unweigerlich, wann hier das letzte Mal eine Putzfrau ihre Arbeit verrichtet hat. Drei Männer stehen in Reih und Glied vor der Pissrinne, halten ihren Penis in der Hand und stützen sich mit der anderen an der gekachelten Wand vor ihnen ab. Der Urin der Männer spritzt platschend gegen die Fliesen und saust dann zügig die selbigen herab, bis er schlussendlich in der abschüssig angelegten Rinne landet und von dort in den Abfluss fließt. Einer von ihnen ist Frank, der sich mit den anderen beiden zwielichtigen Gestalten, seit geschlagenen fünf Stunden in dieser miesen Kaschemme aufhält, Karten kloppt und sich dabei volllaufen lässt.

Frank lässt sich Zeit beim Pinkeln. Er will unbedingt der letzte sein, der seinen Schwanz zurück in die Unterhose schiebt und sich dann die Pfoten mit dem eisigen Wasser aus dem Hahn im Vorraum wäscht. Er hat vor, sich in einer der Kabinen einzuschließen, ohne das einer der anderen Kerle etwas davon mitbekommt. Als Peter und Hans endlich gemeinsam feixend den Kloraum verlassen, weiß Frank, dass sein Plan aufgegangen ist und verschwindet schnell in einer der engen Kabinen.

Dort angekommen wuchtet er seinen mitgebrachten Rucksack von den Schultern…

Dort angekommen wuchtet er seinen mitgebrachten Rucksack von den Schultern und stellt ihn neben dem Klo ab. Aus seiner rechten Hosentasche fingert er sodann das kleine Briefchen, um das ständig seine Gedanken kreisen, heraus. Mit der aus der Geldbörse geholten EC-Karte, schaufelt er eine kleine Menge des weißen Pulvers aus dem geöffneten Briefchen, schüttet es auf den dreckigen Klodeckel und formt sich mit der Plastikkarte eine Line, die ihm den heutigen Tag überleben lassen wird. Schnell zieht er sich das Koks durch einen eigerollten Fünfziger durch die Nase direkt ins Gehirn. Sofort lässt der Stoff seinen Körper wohlig erschaudern und die Synapsen im Hirn Tango tanzen.

Abrupt geht es ihm besser und der Alkohol in der Blutbahn ist kaum noch zu spüren. Die neu gewonnene Energie breitet sich rasant in seinem Körper aus. Es dauert nur Sekunden, bis er ein anderer Mensch ist. Er weiß, dass seine Aussprache deutlich und artikuliert sein wird, wenn er hier rauskommt und sich bei seinen Kumpels verabschiedet. Er bezweifelt allerdings, dass sie seinen Namen noch kennen. Zu besoffen ist das elende Pack.

Noch einmal kontrolliert Frank, ob die Tür wirklich verschlossen ist…

Noch einmal kontrolliert Frank, ob die Tür wirklich verschlossen ist. Er ist froh das hier, in der schäbigsten Kneipe der Stadt, die Klotüren bis zum Boden reichen. Niemand ist in der Lage, wenn er sich vor der Tür hinhockt, drunter zu schauen um zu kontrollieren, was drinnen passiert. Frank steigt nun aus seinen Klamotten, bis er komplett nackt ist. Dann beugt er sich vorn über und öffnet den mitgebrachten Rücksack, entnimmt ihm seine Arbeitskleidung und steigt, ohne vorher eine Unterhose über den beharrten Hintern zu ziehen, in den Overall und danach in den Mantel.

Bevor er den Kloraum verlässt, zieht er sich eine weitere Portion des Stoffes, vom Dealer seiner Vertrauens, durch seine vom Alkohol gerötete Nase. Erst dann entriegelt er die Tür, tritt in den Vorraum, begutachtet den Sitz seiner Arbeitskleidung im Spiegel vor dem Waschbecken und säubert sich danach fahrig die Hände. Zufrieden mit dem Ergebnis und seinem Äusseren im Allgemeinen, öffnet er nun die Tür, die ihn direkt in den Schankraum der Kneipe entlässt.

Frank tritt aus der dunklen Toilette direkt in den hell erleuchteten Raum mit…

Frank tritt aus der dunklen Toilette direkt in den hell erleuchteten Raum mit dem Tresen. Neben ihm an der Wand dudelt ein Spielautomat seine immerwährende, monotone Melodie. Jegliche Augen sind nun auf Frank gerichtet. Kurz hält er inne und genießt es, die Show auf seiner Seite zu haben, schreitet dann durch den Raum zum Tisch, an dem Peter und Hans sitzen, greift sich seinen mit Kohle-Strichen umrandeten Deckel und geht auf direktem Weg zum Tresen. Frank spürt die Blicke seiner Saufkumpanen auf seinem Rücken ruhen, doch er ist es gewohnt solchergestalt begutachtet zu werden.

Am Tresen angelangt, schaut ihn der Wirt fragend und mit offenem Mund an, hält dann aber pflichtbewusst seinen Deckel ab und freut sich über ein kleines, gerechtes, Trinkgeld von Frank. Ein weiteres Mal geht die neue Attraktion der Kneipe am Tisch seiner Kumpels vorbei, schleudert ihnen einen missachtenden Abschiedsgruß entgegen und verlässt dann zügig die elende, mickrige Kaschemme mit dem schlechten Ruf.

Als er endlich die Tür hinter sich schließt und er sich auf einem belebten, zu den vielen Gleisen führenden…

Als er endlich die Tür hinter sich schließt und er sich auf einem belebten, zu den vielen Gleisen führenden, Gang des Hauptbahnhofs wiederfindet, wird ihm bewusst, dass er die gesamte Nacht durchgezecht hat. Es ist bereits früher morgen und der Bahnhof ist voller Menschen. Zu viele Menschen für Frank. Alle wuseln wild umher und bahnen sich ihren Weg, durch die Menschenmassen, um sich vorzuarbeiten, bis zum Zug der sie zur Arbeit bringt. Ein Blick auf die, an der Bahnhofswand montierte Uhr, verrät Frank das er selbst noch gut eineinhalb Stunden Zeit hat, bis sein Dienst beginnt.

Auch Frank geht nun seinen Weg und kommt nicht umhin zu bemerken, dass auch an diesem Ort sein Aussehen für Furore sorgt. Nicht wenige Personen staunen, einige lächeln und die wenigen Kinder, die um diese nachtschlafende Zeit schon im Bahnhof zugegen sind, bleiben stehen und blicken ihn mit strahlenden Augen an. Frank kennt dieses Verhalten zur Genüge. Frank macht es nichts aus. Er hat sich damit abgefunden und geht nun an den vielen Treppenaufgängen, die zu den höher gelegenen Gleisen führen, vorbei und erreicht nach wenigen Minuten den Hinterausgang des Bahnhofs und tritt ins Freie.

Die Sonne geht bereits auf und gibt den Startschuss für den ein weiteren unnützen Tag…

Die Sonne geht bereits auf und gibt den Startschuss für ein weiteren unnützen Tag. Langsam und würdevoll schreitet Frank über den Bahnhofsplatz, überquert eine Straße die er sodann wenige hundert Meter folgt, bis er ein eisernes, knapp zwei meter hohes geschlossenes Tor erreicht. Eine kleine Tür, mitten im Tor selbst angebracht, ist aber geöffnet. Durch diese geht Frank nun hindurch und gelangt in eine, im roten Lichtschein der Neonreklamen daliegende Gasse. Die Mietshäuser, die die Straße säumen, sind augenscheinlich alt und stammen, wie Frank vermutet, aus der Jahrhundertwende und wurden zu Bordellen umfunktioniert.

Frank schlendert an den Hauseingängen vorbei. In jedem sitzt eine andere, leicht bekleidetet Dame, fragt wie es ihm geht und bittet ihn herein. Doch Frank ist wählerisch, lächelt zwar zurück, geht aber weiter und lässt im Vorbeigehen seinen Blick schweifen, bis er schlussendlich an einer zierlichen Blonden hängenbleibt. Sie sieht jung und unverbraucht aus. Kurzerhand entschließt Frank der jungen Liebesdame die Treppen hinauf zu folgen und mit ihr ein Schäferstündchen – gegen Geld versteht sich – zu verbringen.

Oben angekommen verschwinden sie gemeinsam in einem winzigen Zimmer…

Oben angekommen verschwinden sie gemeinsam in einem winzigen Zimmer. Hinter der Tür mit der findet sich lediglich ein Doppelbett und eine kleine Kommode, auf der sich eine Schüssel mit Präservativen befinden. Manu öffnet zügig den wallenden Mantel ihres Freiers und die ersten drei Knöpfe, im mittleren Bereich des Overalls und schon schnellt Franks Genital hinaus. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei. Frank legt Manu dreizig Euro auf die Chiffonniere und zieht sich auf der selbigen noch eine Nase, bevor es zur Arbeit geht.

Nun ist es wirklich taghell hier draussen. Manu hat ihm verraten, dass er sich beeilen muss, wenn er nicht zur Spät zur Arbeit erscheinen wolle. Frank nimmt also die Beine in die Hand, flitzt die Straße, die zurück zum Bahnhof führt entlang, erreicht den Eingang und taucht in der Masse der zum Zug eilenden Menschen, so gut es eben mit seiner Aufmachung geht, unter. Am Bahnhofskiosk kauft er sich, auf die Schnelle, noch einen Flachmann Doppelkorn, den er im inneren seines Mantels verstaut. Er wird ihn brauchen, wenn er seine Schicht einigermaßen, ohne zu zittern, überstehen will.

Irgendwo muss er noch eine letzte Linie ziehen…

Irgendwo muss er noch eine letzte Linie ziehen. Die Wirkung des Kokains lässt einfach zu schnell nach und ihm graut es schon jetzt vor dem Moment, in dem ihm der Stoff ausgeht. Doch daran will er noch nicht denken. Er verbannt diesen Gedanken in einen hinteren, weit entfernten Bereich seines Gehirns, weiß aber schon jetzt, dass es nicht lange dauern wird, bis er sich einen Weg nach vorne, ins Bewusstsein, suchen wird. In einem unbeobachteten Moment springt er über das Drehkreuz, das den Eingang zur Bahnhofstoilette bewacht und verschwindet in die Kabine ganz hinten in der Ecke, zieht sich eine letzte Nase Kokain vor der Arbeit und lässt zur Tarnung die Spülung einmalig laufen.

Zügig verlässt er das Bahnhofsklo und erreicht im letzten Moment den Drogeriemarkt, indem er heute arbeiten wird. Er durchquert den Laden, geht in den beengten Raum für Mitarbeiter, greift in seinen Rücksack und holt den weißen, künstlichen Bart heraus, den er sich sofort, mittels Gummiband, um den Kopf spannt. Nun ist seine Verwandlung, ja seine Transformation, zur Ganze abgeschlossen. Jetzt kann er das Podest, das extra für ihn errichtet wurde, erklimmen und Platz nehmen auf den hölzernen Thron, für den Weihnachtsmann. Nun kann er kleine Kinder zu sich heraufbitten, sie auf seinen Schoß platz nehmen lassen, sie anlächeln und ihnen kleine Werbegeschenke aus einem braunen Sack überreichen.

Die Kinder werden, nachdem sie ihre anfängliche Scheu überwunden haben…

Die Kinder werden, nachdem sie ihre anfängliche Scheu überwunden haben, gerne zu ihm heraufkommen. Sie werden ihm ihre geheimsten Wünsche ins Ohr flüstern und vielleicht sogar verraten, dass sie nicht immer lieb waren und begründend anfügen, warum sie dennoch ein Geschenk verdient haben. Die Eltern werden glücklich sein, dass ihre Kinder so viel Freude haben und ihre Smartphones zücken und Fotos machen. Die Hersteller werden zufrieden sein, weil sie ihre Produkte schon frühzeitig an die zukünftige Zielgruppe heranführen konnten. Der Ladenbesitzer ist guter Laune, weil die Anwesenheit von Frank, in einem lächerlichen Kostüm, für mehr Umsatz in der Kasse sorgt.

Auch Frank ist für einen kurzen Moment glücklich. Er wird von seinem Chef Geld bekommen. Er wird auch dieses Geld, wie gewohnt, seinem Dealer in den Rachen werfen und er wird sich eine große Flasche Schnaps davon kaufen. Doch dieses Mal wird alles anders. Alles besser als jemals zuvor. Er hat sich entschieden, in dem Moment als er auf dem Weihnachtsmann-Thron platz genommen hat. Frank wird sich in der Bahnhofstoilette das scheiß Koks mit einer Spritze in die Vene pumpen, sich danach zum Eingang des bereits geschlossenen Ladens schleppen, die Pulle Schnaps in einem Zug leeren und sich sodann, direkt hier, in seinem absurden Weihnachtsmann-Kostüm, die Pulsadern aufschneiden und den gekachelten Bahnhofsboden, mit seinem roten, zähflüssigem Blut besudeln. Frohe Weihnachen.

Einkaufen mit Frau im Schlepptau

Bald ist die Woche schon wieder vorbei und das Wochenende steht direkt vor der hölzernen, vom Portas-Mann aufgemöbelten, Haustür. Die Frau hat daheim, in der überheizten, warmen Kaschemme nicht nur gestrickt und gehäkelt, sondern auch einen Einkaufszettel geschrieben. Das macht sie immer am Freitagabend der Vorwoche und hat dabei nicht nur die einzelnen Tage, und die Gerichte, die an diesen gekocht werden sollen im Blick, sondern auch das Budget, das ihr vom angetrauten Göttergatten dafür zur Verfügung gestellt wird. Penibel und hoch konzentriert reiht sie zuerst, um den Überblick zu behalten, alle Wochentage der kommenden Woche in Spalten und ordnet die Gerichte in den darunter liegenden Zeilen an. Hat sie diese Aufgabe zu ihrer eigenen Zufriedenheit erledigt, kann sie auch schon mit der eigentlichen Liste, der am Samstag zu besorgenden Utensilien und Fressalien, beginnen.

Wie immer wird die Liste lang und die Dame des Hauses braucht einige Zeit dafür. Zwischendurch schiebt sie ihre Lesebrille immer mal wieder auf die Stirn, um keine der Handlungen der Silhouette des Bergdoktors, die über die riesige, an der Wand montierte Mattscheibe flimmert zu verpassen und stopft sich dabei einen Schoko-Brownie in den Mund. Gerne wäre sie auch mit so einen tollen, charmanten und erfolgreichen Mann verheiratet, der ihr die Welt zu Füßen legen würde. Doch ein Blick auf die Couch gegenüber, wo ihr eigener Mann gerade eben, nach dem dritten Bier im Sitzen eingeschlafen ist, holt sie abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein bisschen angeekelt stellt sie dabei fest, dass ein dünner Speichelfaden im Winkel, seines mit Oberlippenbart verzierten Mundes hängt und dieser nun geräuschlos auf die aus Polyesterfasern bestehende, moosgrüne Strickjacke tropft.

“Es ist so wie es ist”, resümiert sie, als sie die Einkaufsliste fertig beiseite legt…

„Es ist so wie es ist“, resümiert sie, als sie die Einkaufsliste fertig beiseite legt und ihren Mann unsanft, mit einem Schlag auf dessen Oberschenkel, aus dem Schlaf holt. Auch der Bergdoktor hat seine Aufgaben heuer erledigt und braucht zumindest heute keine Herzen mehr zu brechen. Ehemann und Ehefrau begeben sich schweigend zum Badezimmer, um an den zwei nebeneinander angebrachten Waschbecken, die Abendtoilette zu erledigen. Beisser werden gereinigt, Ohrringe aus Ohrläppchen geholt, Wasser und Seife ins Gesicht geschmiert nur, um nachher mit dem Handtuch wieder abgerubbelt zu werden. Die Dame des Hauses legt, nach dieser Prozedur, noch eine Nachtcreme auf. Der Mann hat das Schlafgemach bereits erreicht und ist längst aus seinen Klamotten geschlüpft, hat sich ausgiebig am Gemächt gekratzt und ist danach in den Schlafanzug aus grober Baumwolle geschlüpft.

Als die Ehefrau das Schlafzimmer betritt, schläft der Mann bereits. Man hört es am lauten Schnarchen und wird unweigerlich an den letzten Ausflug in den nahegelegenen Park erinnert, wo einige vom Borkenkäfer befallenen Bäume mittels Kettensäge von ihrem Leiden erlöst wurden. Auch die Ehefrau zieht nun ihre Kleider aus und schlüpft in ihr Nachthemd. Der total bunte Fetzen Stoff zeigt auf frappierender Weise eine enorm starke Ähnlichkeit mit dem Zelt des Zirkus, der auf dem Parkplatz vor dem Lidl-Mark seine Tore geöffnet hat und das nicht nur hinsichtlich der Farbauswahl, sondern bedauerlicherweise auch im Hinblick auf die Größe. Sodann wuchtet sie ihren Körper auf die Matratze, greift mit geübtem Griff in die Schublade des Nachttischchens, stopft sich die Stöpsel in die Ohren und verdeckt ihre Augen mit einer im Leoparden-Muster daherkommenden Schlafmaske. Als sie endlich ihre Lieblingsposition gefunden hat und das Schnarchen des Mannes zu einem dumpfen Hintergrundrauschen abebbt, schläft auch sie hurtig ein.

Ganz gemütlich lässt man es am nächsten Tag angehen…

Ganz gemütlich lässt man es am nächsten Tag angehen. Der Mann besorgt beim morgendlichen Gang mit dem Rauhaardackel namens Wigald, beim hiesigen Bäcker, Brötchen und die Dame des Hauses bereitet in dieser Zeit daheim alles für ein ausgiebiges, opulentes Frühstück vor. Am Wochenende wollen es sich die beiden Rentner besonders gut gehen lassen. Als ihr Gatte die Wohnung betritt, der Dackel es sich in der Ecke der Küche, neben der Heizung, in seinem Körbchen gemütlich gemacht hat, ist der Tisch bereits gedeckt. Wurst, Schinken, Käse, Marmelade, Honig, Quark und für jeden drei gekochte Eier warten darauf von dem Ehepaar vertilgt zu werden. Schnell werden drei dick belegte Brötchen in den Rachen gestopft, die Eier geköpft und verschlungen und das Ganze mit mindesten vier Tassen, wegen der Pumpe entkoffeinierten, Kaffee heruntergespült.

Sodann geht es auch schon ans Waschen und Anziehen. Allerdings macht sich der Magen des Mannes, deutlich hörbar, bemerkbar und er weiß, dass er nicht umhinkommt vorher etwas zu erledigen. Zügig verschwindet er, nicht ohne sich zuerst mit der Tageszeitung bewaffnet zu haben, auf die Gäste-Toilette und widmet sich voll und ganz dem Morgenschiss. Währenddessen ist die Frau aber nicht untätig. Sie schlüpft zur Gänze aus ihren Klamotten, zeigt sich nackt wie Gott sei einst schuf vor dem Spiegel und muss anerkennen, dass sich ihr Körper seit damals doch ein wenig verändert hat. Schnell schiebt sie aber den aufsteigenden Ekel zur Seite und zwängt sich in die Duschkabine, um sich mit einem, am Holzstiel befestigten, Schwamm sauber zu rubbeln.

Danach trocknet sie sich, so gut es eben geht ab…

Danach trocknet sie sich, so gut es eben geht ab, putzt sich die Zähne, steigt in Rock und Bluse, legt tonnenweise Schmuck an und benetzt alle freiliegenden Hautpartien mit Tosca-Parfüm. Danach noch Lidschatten, Eyeliner, Rouge und Lippenstift und fertig ist die Dame des Hauses. Nun wartet sie auf ihren geliebten Mann, der noch immer auf dem Kot-Thron für Besucher sitzt, gelegentlich mit der Zeitung raschelt und dann und wann mal einen Furz, deutlich hörbar, in die enge Kabine entlässt. Freundlich aber bestimmt hämmert sie gegen die hölzerne Tür und setzt ihren Mann damit bewusst unter Druck. Missmutig bricht der Mann sein morgendliches Geschäft ab, rubbelt sich fahrig die Kimme sauber und zieht sich danach die gammelige Cordhose und das Polohemd von gestern an. Auf die Morgentoilette verzichtet er, aus Protest, komplett.

Bewaffnet mit mehreren Taschen, Tüten und zwei Kisten Leergut macht man sich auf den Weg zur Garage. Der Mann öffnet das Tor, verschwindet im Innenraum und schmeißt achtlos das Leergut und die Tüten in den Kofferraum. Reimund ist schon jetzt bedient. Trotzdem befreit er nach kurzer Zeit den altersschwachen, aber zuverlässigen, Opel der Baureihe Club aus seinem Gefängnis, damit auch das angetraute Weibchen ins Vehikel einsteigen kann. Als Heidrun endlich ihren zarten Hintern im ausgesessenen Polster positioniert hat und der Sicherheitsgurt über Bauch und Möpse gespannt wurde, kann die kurze Fahrt zum nahegelegenen Einkaufscenter endlich beginnen.

Nach nur fünf Minuten der schweigsamen Fahrt…

Nach nur fünf Minuten der schweigsamen Fahrt erreichen sie das Einkaufsparadies und biegen auf den übervollen Parkplatz ein. Bis allerdings ein freier Abstellplatz für den grauen Liebling des Mannes gefunden wurde, vergehen weitere zehn Minuten. Endlich steht die Kiste. Reimund macht sich auf den Weg zum Supermarkt ihres Vertrauens, um einen Einkaufswagen zu holen. Die Ehefrau wartet so lange im Auto, damit ihre Knie nicht allzu lang, der ständigen Belastung ihres eigenen Gewichtes standhalten müssen. Als der Mann das Auto wieder erreicht hat, wuchtet auch seine Gattin die schweren Beine aus der Öffnung der Beifahrertür und Reimund befüllt den drahtigen Zwiebelporsche mit Leergut und Tragetaschen.

Dann geht es auch schon in den Laden. Direkt am Anfang muss allerdings schon Halt gemacht werden, denn hier befindet sich der einzige Automat für die Leergut-Abgabe. Leider steht direkt vor Heidrun und Reimund ein unzweideutig nach Knoblauch riechender Mann, der bewaffnet mit zwei prall gefüllten blauen Säcken, auf die Dienste der hochmodern erscheinenden Apparatur wartet. Reimund schwant böses und als der Stinker an der Reihe ist, bewahrheitet sich die unangenehme Vorahnung. Langsamer als eine Schnecke, fingert der vollbärtige Mann eine Plastikflasche nach der andere aus den Säcken und stopft diese in das dafür vorgesehene Loch im Automaten. Selbstredend ertönt, bevor der Übelriechende zu Ende gekommen ist, ein Alarm und eine rote Rundumleuchte signalisiert, dass der Bauch der Maschine zur Gänze gefüllt ist. Erst als nach einer kleinen Ewigkeit, sich ein untersetzter Mitarbeiter des Ladens dazu herablässt, den Automaten zu entleeren und entstören, kann der behaarte Iltis seine Arbeit zum Abschluss bringen und den Weg für Reimund und Heidrun freimachen.

Als die beiden schließlich den heiß ersehnten Kassenbon aus dem Automaten…

Als die beiden schließlich den heiß ersehnten Kassenbon aus dem Automaten in den Händen halten, kann es auch schon weitergehen. Man quetscht sich durch das Drehkreuz und gelangt in den perfekt ausgeleuchteten Obst- und Gemüsebereich des Marktes. Reimund schiebt den Einkaufswagen nun gelangweilt hinter seiner Frau her. Gelegentlich nickt er zustimmend, wenn sein angetrautes Weib ihm eine Frage zu einem Produkt stellt und beobachtet ansonsten schweigsam wie Mandarinen, Äpfel, ein Kohlkopf, Zwiebeln und ein längliches Gemüse, deren Namen er nicht kennt und nicht kennen will, in den Einkaufswagen gelegt werden.

Dann taucht man gemeinsam weiter in das innere des überfüllten Marktes ein. Die Frau arbeitet ihre Liste ab und Reimund konzentriert sich einzig und alleine darauf, den Einkaufswagen zielgerichtet durch die vielen anderen Einkaufswütigen zu steuern und seiner Frau, wie ihm der eigene Dackel beim Gassi-Gehen auch, ohne groß darüber nachzudenken zu folgen. Bedauerlicherweise ist Heidrun nicht in der Lage, die Produkte auf der Liste einfach aus dem Regal zu nehmen und in den Wagen zu verfrachten. Zum völligen Unverständnis des Mannes liest sich das Weibsbild, praktisch vom jeden Produktes, die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite durch und vergleicht diese mit einem vergleichbaren Fabrikat, eines anderen Herstellers.

Dann und wann nimmt die holde Weiblichkeit…

Dann und wann nimmt die holde Weiblichkeit auch einen Mitarbeiter des Ladens unter beschlag und stellt, ausschließlich zu ihrem Vergnügen, Fragen zum Preis, zur Herstellung und Auffindbarkeit der Produkte auf ihrer Liste. Reinhold schaut dann immer betreten zur Seite oder auf den Boden und tut so als würde er die Fragestellerin an seiner Seite nicht kennen. Erst als die Dame den Einkaufswagen fast bis zum Rand mit Fressalien und Artikeln aus dem Non-Food-Bereich gefüllt hat, erwacht die Aufmerksamkeit von Reimund wieder, denn sie haben den Bereich mit den Getränken erreicht.

Mit einem schnellen Handgriff greift Reimund sich die Kiste des billigen Mineralwassers und verfrachte sie unten, auf die Ablage unter dem Drahtkorb des Einkaufswagens und studiert sodann, mit geübtem Blick, die Preise der Biere die Heuer zum vergünstigten Preis angeboten werden. Bei der Auswahl des Bieres darf allerdings, einem ungeschriebenen Gesetz folgend, nichts falsch gemacht werden. Das Bier muss schließlich schmecken und so darf die Auswahl nicht nur am Preis festgemacht werden. Meist sind nur die nicht so schmackhaften Biere im Angebot und so greift der Rentner auch heute, wie eigentlich jedes Mal, zum Bier von der lokal ansässigen Brauerei.

An der Kasse legt die Göttergattin langsam und mit Bedacht, jedes Produkt einzeln…

An der Kasse legt die Göttergattin langsam und mit Bedacht, jedes Produkt einzeln auf das Warenband und drapiert dabei, aus einem dem Mann unbekannt Grund, schwere Sachen nach vorn und die Leichten ans Ende des gummierten Fließbandes. Immer wieder lächelt sie dabei die genervt wartende Kassiererin an, stellt Fragen zu Rabattmarken und merkt dabei nicht wie Reimund heimlich einen Dreierpack Kräuterlikör unter die Waren mischt. Als sie endlich den Wagen geleert hat und ganz hinten einen sogenannten Warentrenner auf das Band stellt, sind wieder einige Minuten ins Land gegangen. Als die Verkäuferin die Waren endlich über den Scanner zieht und der Einkaufskorb langsam aber sicher wieder gefüllt wird, erntet Reimund einen bösen vernichtenden Blick, als der Dame des Hauses den Likör in den Wagen knallt. Reimund ist es egal.

Als sie schliesslich den Laden verlassen, kommt es Reimund so vor, als ob draussen die Sonne bereits untergeht. Er ist ausgelaugt und fertig mit den Nerven. Schnurstracks eilt er zu seinem geliebten Auto und nimmt keinerlei Rücksicht darauf, dass Heidrun ihm nicht so schnell folgen kann. Mit den Nerven am Ende verfrachtet er die Einkäufe zuerst in die mitgebrachten Tüten und dann in den Kofferraum. Penibel achtet er aber darauf, dass der leckre Kräuterlikör nicht in den Tüten landet, sondern direkt in die Jackentasche seiner Strickjacke gesteckt wird. Er wird das Gesöff brauchen, sobald er daheim ist. Als sodann auch die Kisten mit Wasser und Bier im Kofferraum verschwinden kommt auch das schwitzende Weib herbei und lässt sich wie ein nasser Sack auf das Furzpolster des Beifahrersitzes nieder.

Hurtig steigt auch Reimund sodann in die Kiste…

Hurtig steigt auch Reimund sodann in die Kiste, klemmt sich hinter das Lenkrad und startet den Motor, um nachfolgend auf schnellstem Wege nach Hause zu steuern, das Vehikel in die Garage zu stellen und die Einkäufe in die Küche zu tragen. Sofort danach verzieht er sich mit den Dreierpack Kräuterlikör und zwei Flaschen Bier in den Bastelkeller und kommt erst dann wieder heraus, wenn die Gattin ihn zum Essen ruft. Danach bewaffnet er sich erneut mit Bier und verzieht sich wieder, um in seinem Hobbykeller endlich zu realisieren, dass er erneut einen dieser grausigen Tage, an denen der Einkauf erledigt wird, überstanden hat und er ab jetzt, genau sieben Tage Zeit hat sich vom heute erlebten Grauen zu erholen.

Spielplatzgeschichte

Der Junge ist vierzehn und das Mädchen dreizehn. Für beide ist heute ein ganz besonderer Tag. Sie habe sich verabredet, auf dem Schulhof, im Beisein ihrer grinsenden Schulkameraden. Die beiden haben ein Date ausgemacht und es ist ihnen egal, was die anderen darüber denken. Beide sind sich bewusst darüber, dass sie langsam aber sicher erwachsen werden – sie spüren es ohne Umstände in ihrem Innersten – und wollen sich dementsprechend selbstbewusst, gegenüber den Kids verhalten.
Ausgemacht wurde, dass sich beide in der hiesigen Billard-Kneipe treffen und ganz ungezwungen eine Partie spielen. Dass der Wirt der eher schäbigen Kaschemme nicht so sehr auf das Alter seiner Gäste achtet, ist allseits bekannt.

Beide erreichen wenige Minuten nach 17 Uhr, wie verabredet, die Pinte, lächeln sich kurz verlegen an und durchschreiten sodann die schwere, hölzerne Tür. Das Bernie schon fast eine Stunde hier in der Gegend umherstreicht und immer wieder die Tür der Kneipe, aus sicherer Entfernung, in Augenschein genommen hat, wird sein Geheimnis bleiben. Zielgerichtet durchqueren die beiden Teenager den düsteren Raum, nicken kurz dem Wirt, der sich hinter dem Tresen verschanzt hat, zu und erreichen ihr angesteuertes Ziel, den Billardtisch, zügig. Der Tisch ist frei und die gesamte Kneipe noch leer. Erst vor ein paar Minuten hat der Laden aufgemacht und der Kneipier wird sich noch ein wenig gedulden müssen, bis die wenigen Stammkunden seines Etablissements den Schankraum bevölkern. Er hat also Zeit, für die beiden Turteltauben, die sich am Billardtisch ihrer Jacken entledigen und sich anschicken eine Mark in das Gerät zu schmeißen.

Bernie kann beobachten, wie sich der Mann mit der enormen Wampe…

Bernie kann beobachten, wie sich der Mann mit der enormen Wampe, Oberlippenbart und lederner Weste, die über ein kariertes Hemd drapiert wurde, mit einem kleinen Block und einem Kugelschreiber bewaffnet, auf den Weg zu ihnen macht. Er schätzt, dass der Mann so um die 50 ist, kann sich aber auch täuschen, denn die vielen Falten, die der tätowierte Mann im Gesicht hat, könnten auch das Ergebnis eines ausschweifenden Lebensstils sein, vermutet Bernie. Der junge Mann kommt auch nicht umhin zu bemerken, dass der alternde, geile Bock, seiner Begleitung ungeniert auf den, in Jeans verpackten, Hintern glotzt während sie sich vornüber beugt und das Geld in den dafür vorgesehen Schlitz hineinschiebt. Kurzerhand entschließt er, in den Laden, zusammen mit Irene, kein weiteres Mal einen Fuß zu setzen.

Damit der Penner endlich seinen Blick von Irenes Hintern abwendet, bestellt Bernie, als der Wirt schließlich vor ihnen steht, so schnell es eben geht, zwei Bier und funkelt ihn dabei böse an. Der Wirt geht auf die Provokation des Jungen nicht ein, lächelt nur müde und zeigt dabei ein paar widerliche Goldzähne in der Kauleiste und erwidert: „Klar Kleiner, kommt sofort“, und verschwindet wieder hinter seinen Tresen und macht sich an die Arbeit. Schon nach wenigen Minuten kommt er wieder angewackelt, stellt die Getränke auf einen kleinen, runden Stehtisch ab, schaut Irene lüstern in den Ausschnitt ihrer Bluse und verschwindet dann aber schneller als gedacht.

Die beiden sind froh, als sich endlich die hölzerne Tür ein zweite Mal öffnet…

Die beiden sind froh, als sich endlich die hölzerne Tür ein zweites Mal öffnet und sich ein Gast, mit ebenso einem Bierbauch wie der Wirt selbst, auf einem Barhocker an den Tresen hockt, ein Herren-Gedeck bestellt und damit die Aufmerksamkeit des Inhabers am Zapfhahn in Anspruch nimmt. Bernie hat noch nie Bier getrunken, nippt nun aber an seinem und tut so als würde es ihm schmecken. Auch Irene hat bisher noch keinen Alkohol probiert und wäre glücklicher über eine Cola gewesen, tut es ihrem Schwarm aber gleich und trinkt einen kleinen Schluck des Bieres. „Ekelig“, sagt sie und verzieht das Gesicht. Bernie gibt sich cool, besorgt seiner Freundin eine Cola am Tresen und teilt ihr mit, dass er auch ihr Bier trinken werde.

Beide greifen sich nun ein Queue und benetzen dessen Spitze mit Kreide. Bernie richtet die Kugeln aus und lässt Irene anstoßen. Die Regeln sind beiden bekannt. Irene scheint schon öfter gespielt zu haben. Mit voller Wucht stößt sie die weiße Kugel in die anderen, die sich daraufhin in einem wilden Durcheinander auf dem Tisch verteilen. Eine, genau genommen die Rote Vollkugel, landet sogar in einem Loch und Irene strahlt. „Wenn das kein gutes Zeichen ist“, sagt sie und schaut Bernie dabei direkt in die Augen und lächelt. Gekonnt beugt sich die brünette Schönheit sodann über den Tisch und versenkt eine Zweite und auch noch ein Dritte ihrer Kugeln, bis sie schlussendlich an der Vierten scheitert. Bernie versucht es ihr gleichzutun, aber scheitert schon an der Ersten. Er ist hin und weg, von der Frau und auch ein bisschen vom Bier.

Irene gewinnt das Spiel locker…

Irene gewinnt das Spiel locker und auch das Zweite entscheidet sie deutlich für sich. Bernie ist es egal. Er muss hier nicht gewinnen. Er muss auch nicht auf dicke Hose machen und den Macho spielen. Es ist auch so alles stimmig, er weiß es, ohne groß darüber nachzudenken. Irene hat nun ihre Cola ausgetrunken und macht den Vorschlag, den Laden zu verlassen, um noch ein wenig zum nahegelegenen Spielplatz zu gehen. Langsam wird es dunkel draußen. Der Laden hat sich gefüllt. Es ist laut und es stinkt nach Qualm. Bernie willigt ein. Er würde alles machen, was Irene von ihm verlangt.

Gentlemanlike zahlt Bernie die Getränke von ihm und Irene. Auf ein Trinkgeld verzichtet er bewusst und lässt sich, vom böse dreinblickenden Wirt, auch die wenigen Pfennige Rückgeld auszahlen. Das zweite Bier hat er dann doch nicht mehr geschafft. Es steht noch immer unangetastet auf den kleinen, neben dem Billardtisch platziertem Stehtisch und auch der dicke Wirt machte bisher noch keine Anstalten es wegzubringen. Bernie stellt sich vor, wie einer der Säufer vom Tresen, sich das Getränk unbemerkt schnappen würde, wenn er vom Klo kommt. Die Tür, die dahin führt, befindet sich idealerweise direkt neben dem dudelnden Geldspielautomaten, an der Wand, hinter dem Billardtisch.

Ein letzte Mal glotzt der Wirt seiner Irene, beim Verlassen der Pinte…

Ein letztes Mal glotzt der Wirt seiner Irene, beim Verlassen der Pinte, auf den Arsch. Als die massive Tür endlich den Blick darauf verwehrt sind sie unter sich. Die Straße vor der Kneipe ist leer. Die Sonne ist bereits untergegangen. Auf dem Weg zum Spielplatz schweigen beide und schlendern nebeneinander den asphaltierten Weg entlang. Immer wieder berühren sich, rein zufällig, die Hände der beiden Teenager. Trotz des kalten Oktoberabends ist Bernie warm und er spürt wie ein kleiner Schweißtropfen an seinem Rücken hinunterläuft. Seine Hand zittert ein wenig, als er endlich all seinen Mut zusammennimmt und nach der Hand von Irene greift. Als er sie umschließt, treffen sich ein weiteres Mal die Blicke der beiden jungen Menschen und Irene lächelt ihn an. Schweigend gehen sie weiter und erreichen, Händchen haltend, den Spielplatz auf dem sich bereits ein weiteres Pärchen, küssend, auf der Bank gemütlich gemacht hat. Aus dem Blickwinkel erkennt Bernie, dass es Stefan, aus der Parallelklasse ist, der gerade die Lippen, der mit Pickeln übersäten, Kerstin liebkost.

Unbemerkt von dem Pärchen auf der Bank, gehen sie durch den Sand und erreichen das kleine Spielzeughaus mit rotem Dach und grünen, blauen und gelben Wänden. Der Einstieg ist so klein, das sich beide nur mühsam hindurchzwängen können. Als sie endlich drin sind und sich nebeneinander auf die kleine Sitzbank im inneren zwängen, begutachten sie ihre Liebeshöhle. Die Wände sind, überseht mit Sprüchen, Herzchen mit Buchstaben darin und auch ein riesiger, mit schwarzen Edding gezeichneter Penis prangt an der gelben Wand. Kichernd und feixend unterhalten sie sich über das Geschmiere an den Wänden und rätseln, mehr aus Verlegenheit als Interesse, welche Namen sich hinter den Buchstaben, in den viele Herzen verbergen. Als sie jeden Spruch kommentiert und für alle Herzen einen Künstler ernannt haben, ist es Irene die ihre Arme um die Schultern von Bernie legt. Augenblicklich drehen sich beide, wie von einer magischen Kraft angezogen, zueinander und ihre Gesichter sind nun nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt.

Bernie blickt in die tief braunen Augen von Irene…

Bernie blickt in die tief braunen Augen von Irene und ein merkwürdiges Kribbeln breitet sich in seinem Magen aus. Sollten das nun wirklich die Schmetterlinge im Bauch sein, von denen er schon so oft gehört und gelesen hatte? Ist er nun wirklich verliebt in das schönste Mädchen seiner Klasse, oder vielleicht sogar der gesamten Schule, oder ist er einfach nur nervös vor seinem ersten Kuss? Wahrscheinlich ist es Nervosität, denn das Gefühl in der Magengegend ist vergleichbar mit dem vor einen großen Tischtennis-Match, vor einer Klassenarbeit, oder vor einem verhassten Zahnarztbesuch. Gerne würde Bernie noch länger darüber nachdenken, doch es bleibt keine Zeit. Irene legt jetzt ihren Kopf ein wenig schief, öffnet ihre feuchten, vollen Lippen einen kleinen Spalt und nähert sich unweigerlich seinen eigenen.

Endlich berühren sich ihre Lippen und nach den ersten vorsichtigen, zaghaften Küssen entfacht ein Feuer der Leidenschaft, das die beiden Teenager fast um den Verstand bringt. Ein wahres Feuerwerk an Gefühlen explodiert in den Köpfen der jungen Menschen. Irenes Zunge ist nun fordernd und dringt langsam, aber unaufhaltsam, in den geöffneten Mund von Bernie ein. Ihre Zungen treffen sich und Bernies Magen schlägt Purzelbäume. Irenes Speichel schmeckt nach Cola und Pfefferminz-Bonbons und ist der absolut beste Geschmack, den Bernie je kostete. Bernie weiß es noch nicht, doch er wird ihn auch nach Jahren nicht aus dem Kopf bekommen. Eng um umschlungen, verschmolzen zu einem sich liebenden Pärchen, vergessen sie die Zeit und die Welt, um sie herum, verschwimmt zu einer undefinierbaren Masse.

Ihr Kuss ist lang, anhaltend und erfüllend…

Ihr Kuss ist lang, anhaltend und erfüllend. Bernies Herz rast wie verrückt. Irgendetwas, in seinem Gehirn, ist passiert. Etwas, das nun seine Hand unkontrolliert nach der unteren Öffnung von Irenes T-Shirt tasten lässt. Erstaunlich schnell findet diese den Eingang und die Fingerspitzen spüren die weiche, ein wenig verschwitze Haut, seiner Angebeteten. Vorsichtig berührt er den flachen Bauch von Irene, findet den Bauchnabel, den sein Zeigefinger kurz umkreist, um dann doch schnell weiter auf Entdeckungsreise zu gehen. Er spürt ein kurzes Beben von Irenes Körper und eine Gänsehaut, die sich bildet, als Bernies Hand immer weiter nach oben wandert. Als die Hand ihr unterbewusstes Ziel fast erreicht hat, die Fingerspitzen bereits die unteren, in dünnen Stoff eingefassten, metallenen Bügel des Büstenhalters ertasten, stößt Irene ihn plötzlich von sich und eine Ohrfeige landet krachend in seinem Gesicht. Erschrocken weicht Bernie zurück und ist sich bewusst, dass er zu weit gegangen ist. Traurig sucht er den Blick von Irene, die jedoch zu Boden schaut.

Es dauert einen Augenblick, bis er sich gesammelt hat. Er stammelt eine Entschuldigung, die kaum hörbar seinen Mund verlässt. Irene blickt nun wieder auf. Mit den großen tiefbraunen Augen, die er so mag, schaut sie ihn an. Im fahlen Licht der Straßenlaterne erkennt er in ihnen keine Verbitterung mehr. Langsam hebt sie sodann ihren Finger, legt ihn auf Bernies Mund und bringt ihn damit sanft zum Schweigen.

Familienväter auf Abwegen

Neulich war es laut. Neulich war es blutig. Neulich war ich auf Hundertachtzig. Alkohol macht frei, macht enthemmt und macht unbedeutend. Eine mickrige, armselige Figur, die den Mund aufreißt und mit Schimpfwörtern um sich schmeißt. Alles gequirlte Kacke. Für einen nüchternen Menschen nicht zu begreifen und kaum zu ertragen. Ein Treffen mit alten Freunden. Alles Familienväter, die von ihren Frauen Ausgang bekommen haben. Das Bier fließt in Strömen. Fußball läuft. Dortmund gewinnt. Hier ein Schnaps da ein Bier. Herrengedeck. Alle sind redselig, ja freizügig in ihren Äußerungen. Gespräche über Familie und Beruf. Schimpfen über die Firma und Kritik am Handeln der Frau.

Immer wieder herausgehen zum Rauchen. Draußen mit anderen Rauchern über das Spiel diskutieren. Zu viele Chancen vergeben, trotzdem gewonnen. Die Meisterschaft ist noch weit weg, aber immer möglich. Kneipe wechseln. Durch die nächtliche Stadt irren und im schummrigen Licht am Baum urinieren. Die anderen sind schon weit voraus. Keiner wartet. Schnell pinkeln und laufen um die anderen nicht aus dem Blick zu verlieren. Ein paar Tropfen des warmen Urins landen in der Unterhose.

Neuen Laden finden, betreten und von vielen Augen begutachtet werden…

Neuen Laden finden, betreten und von vielen Augen begutachtet werden. Feindselige, bösartige Blicke. Niemand mag Männer mit Bärten, die unberechenbar aussehen. Platz nehmen. Direkt an der Quelle. Kein Tisch in weiter Ferne. Die Bar muss es sein. Die neue Weltordnung hat Einzug erhalten. Stammgäste, die seit Jahren hier stehen, spielen ab jetzt die zweite Geige. Drängeln, Platz wegnehmen und die Dame am Zapfhahn in Beschlag nehmen. Lauthals bestellen. Trinkgeld geben, denn hier muss direkt bezahlt werden. Striche auf Deckeln gibt es für uns nicht. „Schnell, schnell, wir haben Durst, du alte Hippe“. Die Zeit ist knapp, Frau und Kinder warten. Nach drei Bier müssen wir wieder gehen. Zu laut war man, unkultiviert und unfreundlich. Man kann nun mal nicht immer nett sein.

Der nächste Laden ist klein und schummrig. Bier und Schnaps gibt’s hier auch. Alle Gäste sind betrunken und selbst fühlt man sich gleich heimisch. Die wenigen Frauen im Laden sind alt und abgewrackt, aber wen stört es, daheim wartet schließlich ein Topmodel auf einem.

Wieder drängt man sich an den Tresen…

Wieder drängt man sich an den Tresen. Würfelbecher müssen her. Schocken ist der Sport des Abends. Mit Jule und pflücken. Zwei unbekannte wollen mitspielen. Klaus und Peter heißen die unsympathischen Gestalten. Peter ist drahtig und tätowiert. Klaus hat einen mächtigen Bierbauch und stinkt nach Knoblauch. Opfer. Der eigene Geldbeutel ist fast leer. Trotzdem spielt man mit. Was muss, das muss. Becher drehen. Mühsam eine Straße zusammenwürfeln und verlieren. Runde geben. Bier und Schnaps für alle Beteiligten. Neue Runde, neues Glück. Würfel fallen lassen. Eine Runde Schnaps geben. Abgemacht ist abgemacht. Erneut verlieren und Bier bestellen. Der Deckel ist voll. Aussteigen. Man betritt die Toilette. Es stinkt nach Pisse. Alles ist bekritzelt. Ein defekter Kondomautomat verschönert eine Wand. Man nähert sich dem Urinal. „Komm näher, er ist kleiner, als du denkst.“ Doofer Spruch. Trotzdem bemüht man sich zu treffen, doch es ist vergebens. Knapp die Hälfte geht daneben. Scheiß darauf. Stinkt ja eh schon wie in der Kanalisation. Den Schankraum erneut betreten. Umsehen und Denken: „Mein Gott, wie bin ich nur in dieser Kaschemme gelandet?“
Voll wie ein Eimer. Beschließen klug zu sein und nach Hause zu gehen. „Zahlen, bbidddee“. Die letzten Kröten werden zusammengerafft und auf den Tresen geklatscht. 32,80 €. Geht ja noch.

Verabschieden und auf den Gehweg taumeln. Die Sonne geht bereits auf. Direkt vor der Kneipe steht ein Taxi, aber das Geld reicht nicht mehr aus. Zur nahegelegenen U-Bahn wanken. Ticket kaufen und mit viel Glück die richtige Bahn erwischen. Man kann die Zahlen, die vorn darauf stehen, ja kaum noch lesen. Die U-Bahn ist gut besetzt. Junge Menschen, die genauso besoffen sind, wie man selbst, sitzen auf den abgewetzten Polstern. Einige haben „Knöpfe“ im Ohr und die Augen geschlossen. Die anderen singen oder besser gesagt, grölen herum. „Lasst mich bloß in Ruhe Kinder.“ Drei, vier Stationen weiter wird man unsicher. War es wirklich die richtige Bahn? Die letzte Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist schon ewig her. Kein Plan, an welcher Haltestelle man aussteigen muss. Die Bahn verlässt den Tunnel. Ab jetzt geht es oberirdisch weiter. Ein großer Vorteil. Aus dem Fenster gucken und nach irgendwelchen markanten Punkten, die man kennt, suchen. Etwas erkennen, aussteigen und merken das man drei Stationen zu früh ausgestiegen ist. Scheiße.

Eine Steile Treppe führt von der Haltestelle hoch auf eine schmale…

Eine steile Treppe führt von der Haltestelle hoch auf eine schmale Fußgängerbrücke. Hier muss jeder Fahrgast rüber. Die Schienen der Stadtbahn verlaufen direkt in der Mitte der Schnellstraße. Der Ruhrschleichweg ist auch mitten in der Nacht noch recht stark befahren, sodass man es mit mehr als 2 Promille Alkohol im Blut, eher schlecht und, vor allem, nicht zur Gänze unverletzt auf die andere Seite schafft. Also die Treppe rauf. Oben angekommen ist man fix und fertig von der Anstrengung. Irgendetwas drückt. Irgendwo unterhalb des Magens. Es dauert einen langen Augenblick, bis man realisiert, dass es wohl die Blase ist, die hier für Unbehagen sorgt. Schnell wird der Hosenstall geöffnet und wankend nach dem schrumpeligen Glied im inneren gefingert. Mit einer Hand wird sich nun am Geländer festgehalten, um beim Pinkeln nicht den Halt zu verlieren.

Der Prengel in der anderen Hand fühlt sich klebrig an und ein muffiger Duft steigt einem in die Nase. Hurtig verlässt der Druck verursachende Urin die Blase und nimmt den kleinen, aber unausweichlichen, Umweg über die Harnröhre, nur um im hohen Bogen über den Handlauf zu spritzen und platschend auf der Bundesstraße zu landen. Auch einige Windschutzscheiben, der vorbeisausenden Autos, leiden unter Urinbeschuss. Noch während man pinkelt, wird einem schlecht. Das ganze Bier, die ranzigen Nüsse aus der Kneipe und der Döner, den man irgendwo gegessen hat, wollen einfach nicht länger im Magen bleiben. Die Hose ist noch offen und der Dödel hängt an der freien Luft und schon ergießt sich ein Schwall warmer Kotze über den Brückenboden. Auch die eigene Hose und die sündhaft teuren Markenturnschuhe gehen nicht leer aus. Man würgt, bis sich der komplette Mageninhalt auf den Boden verteilt hat und zum Schluss nur noch Rotze und Magensäure zum Vorschein kommt. Einmal tief durchatmen.

Kurz ausruhen. Schnell fühlt man sich ein bisschen besser und…

Kurz ausruhen. Schnell fühlt man sich ein bisschen besser und beschließt voller Tatendrang die letzten drei Stationen bis zur heimatlichen Behausung zu Fuß zurückzulegen. Immer noch schaukelnd, wie ein Fischerboot auf der Nordsee, bei starkem Seegang, nähert man sich den Treppenabgang. Voller Konzentration versucht man den rechten Fuß mittig auf der ersten Stufe zu platzieren. Doch der Blick ist noch immer getrübt, alles verschwimmt vor den Augen. Der Fuß trifft die Stufe nicht richtig. Irgendwas sagt einem, dass es so kommen musste. Hart schlägt man auf und purzelt unkontrolliert die Treppe herab. Der Abstieg ist häufig einfacher als der Aufstieg und gelegentlich schneller als gewünscht. Unten angekommen begibt man sich aus der liegenden Position in eine sitzende. Die Hose hat, am Knie ein großes Loch und Blut färbt die Jeans rapide Rot. Der Kopf schmerzt und der kontrollierende Griff an die Stirn fördert auch hier, die rote Soße zum Vorschein. Scheiße.

Man versucht aufzustehen, aber das schmerzende Knie lässt dies nicht zu. Das Handy wird aus der Hosentasche geholt. Der Blick auf die Anzeige sagt einen, dass es noch funktioniert. Mit mulmigem Gefühl und Tränen in den Augen wählt man die Nummer der Gattin, die einem nach einer Schimpftirade später mit dem Auto abholt, daheim unter die Dusche steckt und drei Tage nicht mit einem spricht. Ein paar Wochen werden die Wunden geleckt, bis man dann doch wieder zum Handy greift, die Kumpels anruft, sich zum Fußball verabredet und der Frau daheim „hoch und heilig“ verspricht nicht zu viel zu trinken. Voll freudiger Erwartung betritt man dann die erste Kneipe. Stammgäste werden vom Tresen vertrieben, unfreundlich ist man und natürlich werden jede Menge der leckeren Getränke in die eigene Figur geschüttet bis man schlussendlich wieder besoffen ist und irgendwie nach Hause kommen muss. Prost.

Arsch auf Kunststoff

Am liebsten würde ich einfach sitzen. Sitzen, auf dem Plastikstuhl, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Sitzen, bis der fette Arsch, auf dem rissigen Kunststoff blutig wird und die Augen müde werden, von den massenhaft anwesenden Vögeln, auf der Wiese, mit Würmern im Schnabel. Scheißen tun die Viecher auch ständig. Trotzdem. Der Anblick von kackenden Amseln, die mit ihren spitzen Schnäbeln, Würmer aus der feuchten Erde ziehen und dabei groteske Geräusche machen, ist immer noch besser als die Wohnung zu verlassen.

Auf dem heimischen Balkon, mit einer Kippe im Mundwinkel, ist die Welt noch in Ordnung. Hier brauche ich mit niemandem zu reden, brauche nicht, wie sonst immer, so zu tun als ginge es mir gut. Kein aufgesetztes Lächeln, kein Small Talk und keine sinnlosen Befehle. Hier kann ich, ungestraft, ärgerlich gucken, mich gehen lassen und dabei über die böse Welt, die da vor mir liegt, sinnieren.

In der gammeligen Jogginghose sitze ich dann dort…

In der gammeligen Jogginghose sitze ich dann dort. Egal ob es regnet, die Sonne scheint, oder die Welt untergeht. Hier bin ich Mensch. Hier bin ich allein. Allein mit den vielen zwielichtigen Gedanken, die mir das Leben mit anderen Menschen so schwer machen. Hirngespinste, die mir Streiche spielen. Geistesblitze die mich, im Gespräch mit Arbeitskollegen nur blöde lächeln lassen, während meine Gesprächspartner ausschweifend über die Erlebnisse am Wochenende philosophieren. Ideen, die mich nachts um den Schlaf bringen, die mich schwitzend aufwachen lassen und die meinen Kopf häufig, vor Schmerzen, fast zerbersten lassen.

Nun, genau jetzt, scheint die Sonne. Die Sonne, die ich so hasse. Ihre Fröhlichkeit verbreitenden Strahlen erreichen viele Menschen. Sie strahlt ihnen direkt ins Herz und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht, das ehrlich erscheint. Bei mir funktioniert es nicht und so verberge ich mich hinter zwei Sonnenschirmen, die lächerlich bunt sind und eine dunkle Sonnenbrille für zwei Euro aus dem Discounter. Dann und wann schiebe ich die Brille etwas herunter und erhasche einen kurzen Blick, ins goldene Sonnenlicht, das zwischen den Sonnenschirmen seinen Weg in meine Augen sucht. Doch es bringt nichts. Ich spüre nichts. Wie immer, wenn ich hier sitze und versuche mich in den Griff zu bekommen. Wie immer, wenn ich mir eine Taktik überlege. Eine Taktik, die mich reden lässt, mit den Menschen, die mich lachen lässt über miserable Witze, die mich weinen lässt, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

Reichlich arm

Du hast gut lachen in deinen schicken Stiefeln. Dir geht es gut in deinen warmen, noblen Klamotten. Doch setz dich mal zu uns. Hier unten auf den ausgetretenen Stufen aus Beton. Spüre, wie die Kälte langsam in deinen Körper kriecht und von ihm Besitz ergreift. Richte den Blick aufwärts und schaue in die Gesichter, die dich verächtlich anstarren. Halte den Pappbecher hoch, damit ein paar Cent hineingesteckt werden können, von den Wenigen, die Mitleid haben.

Setz dich zu uns, aber nicht ohne vorher deine Klamotten gegen welche aus der Bahnhofsmission zu tauschen. Überwinde deinen Ekel und hilf uns bei der Suche nach essbarem in den Mülltonnen hinter dem Supermarkt. Fingere auch jede Pfandflasche aus dem Unrat, von uns aus, mit spitzen Fingern. Sprich fremde Leute im Bahnhof an und frage sie nach Geld für eine Fahrkarte. Lass dich vertreiben von den Männern in Uniform, von deiner warmen Bank in der U-Bahnstation.

Iss mit uns gemeinsam unser karges Mahl…

Iss mit uns gemeinsam unser karges Mahl, denn wir teilen gern. Trinke mit uns billiges Dosenbier und Wein aus dem Tetrapak, höre dir unsere Lebensgeschichte an und fang an zu verstehen, warum wir hier unten sitzen und du dort oben residierst. Lass dich treiben und deinen Gefühlen freien Lauf. Erzähle uns von deinem Leben, das dich zum reichen Mann gemacht hat und klammere dabei deine Kindheit, mit silbernen Löffel im Mund nicht aus. Sei dabei ehrlich zu dir und zu uns und sage uns, wie viele Menschen du auf dem Weg nach oben zurückgelassen hast.

Sage uns auch, mit welchen Tricks du gearbeitet hast, um es so weit zu schaffen, und welche Intrigen du initiiert hast. Erkläre, wie viele Menschen du von der Karriereleiter gestoßen hast, um immer ganz oben zu sein. Erzähle stolz von deiner Firma, mit den vielen Mitarbeitern, die du kaum beim Namen kennst und die du so schlecht bezahlst. Sinniere über die unzähligen Kontrahenten, die du in den Ruin getrieben hast, erkläre uns die Tricks, die du nutzt, um deine Kohle zu vermehren, und zeige dabei dein widerlichstes Lächeln.

Hör nicht weg, wenn wir über unsere Kindheit erzählen…

Hör nicht weg, wenn wir über unsere Kindheit erzählen. Höre genau hin und lass dich auf das Gehörte ein. Nimm einfach auf, dass unsere Eltern nicht reich waren, sondern zum Arbeitsamt oder zum Sozialamt gingen. Sammle Eindrücke von unseren Eltern, die immer besoffen waren und uns schlugen. Lies auch zwischen den Zeilen und höre den Missbrauch durch die eigenen Eltern oder den Verwandten heraus. Mach dir ein Bild von der schäbigen, engen Wohnung, in der wir mit unseren Geschwistern hausten. Erfahre von unseren falschen Freunden, die schon früh kriminell aber immer loyal waren. Erfahren von der Ausgrenzung, den ständigen Misserfolgen, den Aufenthalten in Heimen oder im Jugendknast. Stelle dir danach erneut die Frage nach unseren Chancen im Leben. Prüfe für dich erneut die These, dass jeder es schaffen kann, wenn er nur will.

Beobachte unseren Jüngsten, wenn er zu einem älteren, vor Geilheit sabbernden Mann, hinter dem Bahnhof ins Auto steigt. Sieh in seine traurigen Augen, wenn er nach einer Stunde wieder zurückkommt, mit 20 Euro in der Hand. Erkenne dich wieder, in den Augen des Dealers, der das Geld gegen eine winzige Menge Crack tauscht, die uns für kurze Zeit dem Paradies ein wenig näher bringt. Trink mit uns Schnaps und lass dich nieder im alten Haus, das abgerissen werden soll. Kriech mit uns unter die vielen Decken und Schlafsäcke, die löchrig sind und stinken und lass dich nicht aus der Ruhe bringen, von den Ratten, die hier herumlaufen. Schlafe mit uns ein und lass dich wärmen von unseren Körpern.

Am nächsten Morgen, wenn die Sonne aufgeht, darfst du dann gehen…

Am nächsten Morgen, wenn die Sonne aufgeht, darfst du dann gehen. Steig in deinen Porsche, den du für drei Euro in der Stunde im Parkhaus am Bahnhof geparkt hast und drehe die Heizung auf. Fahre nach Hause in dein schickes Häuschen, stell dich unter die Dusche und spüre die wohltuende Wärme auf deinem Körper. Zieh dir wieder deinen Maßanzug an, gehe in dein Lieblings-Café, lass durchscheinen, dass du nichts gelernt hast, und lass dich bedienen. Gib dich, wie immer knauserig und verlasse den Ort ohne ein Trinkgeld dazulassen. Fahre in die Firma, bleib dir treu und mime den knallharten Chef und zeige keine Empathie.

Arbeite viel und ausgiebig, sei immer erreichbar. Zieh dir regelmäßig ein paar Linien Koks durch die Nase und trinke massenweise Kaffee, damit du geistig immer voll und ganz auf der Höhe bist. Betrüge deine Frau mit deiner Sekretärin, die sich erhofft so schneller Karriere zu machen, oder sich sogar in dich verliebt hat. Sei eiskalt und schmeiße Sie raus, wenn sie mehr von dir einfordert. Lebe ein erfolgreiches aber freudloses und kurzes Leben. Stirb früh an einem Herzinfarkt und lass dich von deiner Frau zu Grabe tragen aber wundere dich nicht, wenn niemand am Grab eine Träne vergießt. Vererbe all dein Geld und deine Besitztümer an deine Frau und beobachte aus dem Höllenfeuer, was die damit anstellt.

Sie genau hin, wie deine Frau…

Sieh genau hin, wie deine Frau die Firma führt. Beobachte wie sie mit Freundlichkeit, guter Bezahlung, humanen Arbeitszeiten und Menschenkenntnis mehr Erfolg hat als du. Sieh, wie sie den mittelständischen Betrieb zu einem Weltkonzern ausbaut. Nimm auch wahr, dass deine Frau einen großen Teil der erzielten Gewinne für etwas Gutes einsetzt. Werde Zeuge wie sie Menschen, wie uns von der Straße, eine Chance gibt und einige wenige von uns es wirklich schaffen. Bemitleide dich selbst und weine bitterlich, über das, was du siehst. Lass dich quälen von deinen gehörnten Peinigern und nimm endlich hin, dass du zu Lebzeiten immer ein Arschloch warst.

Leben ohne Charme

Es ist gerade mal halb acht. Bei mir im Schlafzimmer sind die Rollos noch unten und es ist dunkel. Mitten in der Nacht, könnte man meinen, wenn da draußen, direkt vor meinem Schlafzimmerfenster, nicht so ein Radau herrschen würde. Ich persönlich habe keine Ahnung was da los ist und mich würde es auch nur peripher tangieren, wenn ich doch nur wieder einschlafen könnte. Aber selbst das über den Kopf gezogene Kopfkissen bringt nicht den erwünschten Lautlos-Effekt.

Es hilft wohl nichts. Ich werde hinaus müssen, aus den Federn und mir einen anderen, friedlicheren Ort suchen, um meinen Rausch auszuschlafen. Gestern habe ich mir ein paar leckere, eiskalte Bierchen in den Hals geschüttet und dabei nicht so genau auf die Uhr geschaut. Eigentlich wie jedem Abend, nur gestern waren auch noch einige Kurze dabei. Ein Geschenk von meiner Ex-Frau zu meinem 52. Geburtstag. Ein Doppelkorn aus dem Discounter, für knapp fünf Euro. Nett von ihr. „Der Wille zählt“, oder wie lautet diese beschissene Weisheit?

Die Olle hat mich verlassen, im zweiten Jahr…

Die Olle hat mich verlassen, im zweiten Jahr meiner Arbeitslosigkeit. War es satt mit den wenigen Kröten im Monat auszukommen und nicht in den Urlaub zu fahren. Hat sich einfach einen neuen Gesucht. Ich kann es ihr nicht verübeln. Ihr neuer Stecher ist nicht nett, nicht hübsch und nicht klug, aber er hat einen Job, bei Opel am Fließband, der feine Herr. Da kann ich nicht mithalten. Meine Kinder hat sie auch mitgenommen und mir damit den Boden unter den Füßen weggezogen.

Immerhin war sie so freundlich, mir diesen Karton mit der Pulle vor die Tür zu legen. Das Dingen war sogar eingepackt in Geschenkpapier und eine Schleife hat sie auch drum gewickelt. Auf der Karte stand: Für Paul, in ihrer krakeligen Schrift. Danke. Vielen Dank sogar. Hab den Karton direkt vor der Tür aufgerissen und den Inhalt in den Gefrierschrank gelegt. Sollte schnell kalt werden, die Plörre. Ich hatte es eilig. Wollte schleunigst anfangen mit dem Saufen, denn ich fühlte mich scheiße, eigentlich wie jeden verdammten Tag.

Jetzt brummt mir der Schädel…

Jetzt brummt mir der Schädel und auch im Wohnzimmer, auf der abgewetzten Couch aus dem Sozial-Kaufhaus, herrscht keine Ruhe. Überall turnen sie herum, mit ihren Scheiß-Maschinen und Rasenmäher die so groß sind wie ein kleiner Traktor und mähen und schnippeln alles kurz und klein. Haben die denn kein Mitleid, mit einem armen alten Mann der einen über den Durst getrunken hat? Müssen die ihre Scheiß Arbeit so früh am Morgen erledigen?

Wird wohl alles seine Richtigkeit haben. Auch die Leute da draußen, an den Maschinen, müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Nicht jeder kann vom Amt bezahlt werden. Geht einfach nicht. Auch bei mir war das mal anders. Auch ich hatte mal einen guten Job, in einer Druckerei. Haben richtig gut bezahlt und ich konnte dort mit dem Fahrrad hinfahren. Hab meiner Frau immer Blumen und Schmuck geschenkt und auch den Kindern fast jeden Wunsch erfüllt. Ich konnte mit einem Gehalt alle Rechnungen bezahlen und einmal im Jahr mit der Familie in den Urlaub. Das war was.

Doch dann ist ein Großauftrag weggebrochen…

Doch dann ist ein Großauftrag weggebrochen und die Chefs mussten kurzen Prozess machen, mit einigen von der Arbeiter. „Führt kein Weg dran vorbei“, sagte mir mein Vorarbeiter damals und drückte mir das Schreiben in die Hand. Hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, der Wichser. Nicht besonders emphatisch sagt man dann wohl dazu. Ich bin dann am selben Tag zum Arbeitsamt gegangen, mit der Kündigung in der Hand. Sollte so gemacht werden. Die Tante sagte ich solle den Kopf nicht hängen lassen und das ich mit Sicherheit bald wieder eine Stelle finden würde. Doch es sollte anders kommen.

Ich hatte ja nichts gelernt. War nur ein Helfer an der Druckmaschine. Hab dafür gesorgt das immer genug Papier bereitstand und die Farbe im Druckwerk nicht ausging. Gelegentlich hab ich den Gesellen auch schon mal eine Schale Pommes von der Imbissbude besorgt, wenn es die Zeit zuließ. Nichts Besonderes. Nichts Hochtrabendes. Aber ich war zufrieden. Ich wollte gar nicht mehr und identifizierte mich nicht über die Maloche, wie manch anderer. Hat mir gereicht, der Mist. Gute Kameraden, eine Aufgabe und gutes Geld, für ehrliche Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Und dann das.

Es hat gar nicht lange gedauert…

Es hat gar nicht lange gedauert, dann sprach die Tante vom Amt schon anders: „Sie müssen halt flexibel sein, mal über den Tellerrand hinausschauen …“ Hab dann alles Mögliche gemacht, aber nie lange. Zeitarbeit und so ein Bockmist. Scheiß-Arbeit für weniger Kröten, als ich vom Amt, für das Stempeln bekommen hätte. Irgendwann hab ich mich dann aber quer gestellt. Hab dann einfach in den Bewerbungen, von den Jobs die ich nicht wollte, Rechtschreibfehler reingeschrieben und auch schon mal einen Fettfleck auf dem Papier hinterlassen. Aus Versehen, versteht sich. Haben mich dann gar nicht eingeladen, die Drecksäcke. Gut so.

Nun bin ich seit knapp fünf Jahren Arbeitslos und bekomme nur noch Hartz 4. Wenigstens wird die Miete, meiner kleinen 2-Zimmer-Bude bezahlt. Wenn man sparsam ist, kommt man über die Runden und braucht nicht zu hungern. Auch das tägliche Bier ist drin. Bloß wenn mal was außergewöhnliches ist, wird es eng. Zum Beispiel, wenn eines der Kids Geburtstag hat. Ich schicke ihnen noch heute immer eine Karte mit ein bisschen Geld drinnen. Einen Dank erhalte ich nie. Kein Anruf, kein Besucht, Nichts. Mit einem Säufer wie mir wollen sie nichts am Hut haben, die Kids und auch denen kann ich es nicht verübeln.

Das schlimme ist die Zeit…

Das schlimme ist die Zeit. So lange schlafen kann man gar nicht, dass man nicht ans Denken kommt, nicht einmal dann, wenn die Gärtner der Wohngesellschaft nicht ihre Arbeit in aller Früh verrichten. Bewerbungen schreibe ich schon gar nicht mehr. Hab es einfach aufgegeben. In meinem Alter kriegt man doch nichts mehr. Habe auch keine Hobbys und keine Freunde, nur ein paar lose Bekanntschaften. Alles genauso arme Schlucker, wie ich es einer bin. Meist bleibe ich einfach den ganzen Tag daheim, trinke ein paar Bier und lasse die Zeit verstreichen, bis ich wieder ins Bett kann. Ein freudloses, mickriges Leben das ich führe.

Immer wieder denke ich über alles nach. Über alles, was ich falsch gemacht habe. Was ich besser hätte machen können, doch komme auf keinen grünen Zweig. Es war doch alles in Ordnung. Ich war glücklich, meine Frau zufrieden und den Kindern ging es gut. Nun ist alles futsch, wegen eines vermaledeiten Auftrages. Wer ist schuld an der Misere? Mein Chef, der Auftraggeber, mein Vorgesetzter, der mir die Kündigung übergab, die Tante beim Arbeitsamt, deren Name ich mir bis heute nicht merken kann, oder gar meine Frau die mich nicht weiter unterstützte?

Ich habe keine Ahnung. Ich mag auch nicht mehr darüber nachdenken…

Ich habe keine Ahnung. Ich mag auch nicht mehr darüber nachdenken. Ich mag überhaupt nichts mehr, nicht einmal den duftenden Kaffee, den ich mir aufgebrüht habe und wofür ich den letzten Löffel Kaffeepulver verbraucht habe. Ich kippe ihn weg. Ab damit in den Scheiß-Abfluss. Weg damit, für immer. Ich hole lieber wieder eine der mir wohlbekannten, mir liebgewonnenen, braune Karaffen aus dem Kühlschrank. Auch in der etwas größeren, durchsichtigen, ist noch was drin. Der Tag ist gerettet.

Es dauert nicht lange, bis der Alkohol wirkt. Mir wird warm und ich fühle mich wieder besser. Nun sind meinen Gedanken wieder geordnet und ich sehe alles klar vor meinen Augen. Das ganze Elend wirkt dann nur noch halb so beschissen, wie es in Wirklichkeit ist. Nur wenn ich an meine Kinder denke, laufen mir ab und an ein paar Tränen über der zerfurchten Wangen. Ich ziehe dann die Vorhänge zu. Den alten Säufer soll niemand heulen sehen. Wäre ja noch schöner. Ich brauche kein Mitleid. Ich brauche meine Kinder und eine Frau die mich liebt. Ich brauche eine Beschäftigung, wenn es denn sein muss auch eine Arbeit, die mir unbemerkt die verdammte Zeit stiehlt, wie ein Taschendieb auf dem Weihnachtsmarkt.