Schlagwort: Zungenkuss (Seite 1 von 1)

Spielplatzgeschichte

Der Junge ist vierzehn und das Mädchen dreizehn. Für beide ist heute ein ganz besonderer Tag. Sie habe sich verabredet, auf dem Schulhof, im Beisein ihrer grinsenden Schulkameraden. Die beiden haben ein Date ausgemacht und es ist ihnen egal, was die anderen darüber denken. Beide sind sich bewusst darüber, dass sie langsam aber sicher erwachsen werden – sie spüren es ohne Umstände in ihrem Innersten – und wollen sich dementsprechend selbstbewusst, gegenüber den Kids verhalten.
Ausgemacht wurde, dass sich beide in der hiesigen Billard-Kneipe treffen und ganz ungezwungen eine Partie spielen. Dass der Wirt der eher schäbigen Kaschemme nicht so sehr auf das Alter seiner Gäste achtet, ist allseits bekannt.

Beide erreichen wenige Minuten nach 17 Uhr, wie verabredet, die Pinte, lächeln sich kurz verlegen an und durchschreiten sodann die schwere, hölzerne Tür. Das Bernie schon fast eine Stunde hier in der Gegend umherstreicht und immer wieder die Tür der Kneipe, aus sicherer Entfernung, in Augenschein genommen hat, wird sein Geheimnis bleiben. Zielgerichtet durchqueren die beiden Teenager den düsteren Raum, nicken kurz dem Wirt, der sich hinter dem Tresen verschanzt hat, zu und erreichen ihr angesteuertes Ziel, den Billardtisch, zügig. Der Tisch ist frei und die gesamte Kneipe noch leer. Erst vor ein paar Minuten hat der Laden aufgemacht und der Kneipier wird sich noch ein wenig gedulden müssen, bis die wenigen Stammkunden seines Etablissements den Schankraum bevölkern. Er hat also Zeit, für die beiden Turteltauben, die sich am Billardtisch ihrer Jacken entledigen und sich anschicken eine Mark in das Gerät zu schmeißen.

Bernie kann beobachten, wie sich der Mann mit der enormen Wampe…

Bernie kann beobachten, wie sich der Mann mit der enormen Wampe, Oberlippenbart und lederner Weste, die über ein kariertes Hemd drapiert wurde, mit einem kleinen Block und einem Kugelschreiber bewaffnet, auf den Weg zu ihnen macht. Er schätzt, dass der Mann so um die 50 ist, kann sich aber auch täuschen, denn die vielen Falten, die der tätowierte Mann im Gesicht hat, könnten auch das Ergebnis eines ausschweifenden Lebensstils sein, vermutet Bernie. Der junge Mann kommt auch nicht umhin zu bemerken, dass der alternde, geile Bock, seiner Begleitung ungeniert auf den, in Jeans verpackten, Hintern glotzt während sie sich vornüber beugt und das Geld in den dafür vorgesehen Schlitz hineinschiebt. Kurzerhand entschließt er, in den Laden, zusammen mit Irene, kein weiteres Mal einen Fuß zu setzen.

Damit der Penner endlich seinen Blick von Irenes Hintern abwendet, bestellt Bernie, als der Wirt schließlich vor ihnen steht, so schnell es eben geht, zwei Bier und funkelt ihn dabei böse an. Der Wirt geht auf die Provokation des Jungen nicht ein, lächelt nur müde und zeigt dabei ein paar widerliche Goldzähne in der Kauleiste und erwidert: „Klar Kleiner, kommt sofort“, und verschwindet wieder hinter seinen Tresen und macht sich an die Arbeit. Schon nach wenigen Minuten kommt er wieder angewackelt, stellt die Getränke auf einen kleinen, runden Stehtisch ab, schaut Irene lüstern in den Ausschnitt ihrer Bluse und verschwindet dann aber schneller als gedacht.

Die beiden sind froh, als sich endlich die hölzerne Tür ein zweite Mal öffnet…

Die beiden sind froh, als sich endlich die hölzerne Tür ein zweites Mal öffnet und sich ein Gast, mit ebenso einem Bierbauch wie der Wirt selbst, auf einem Barhocker an den Tresen hockt, ein Herren-Gedeck bestellt und damit die Aufmerksamkeit des Inhabers am Zapfhahn in Anspruch nimmt. Bernie hat noch nie Bier getrunken, nippt nun aber an seinem und tut so als würde es ihm schmecken. Auch Irene hat bisher noch keinen Alkohol probiert und wäre glücklicher über eine Cola gewesen, tut es ihrem Schwarm aber gleich und trinkt einen kleinen Schluck des Bieres. „Ekelig“, sagt sie und verzieht das Gesicht. Bernie gibt sich cool, besorgt seiner Freundin eine Cola am Tresen und teilt ihr mit, dass er auch ihr Bier trinken werde.

Beide greifen sich nun ein Queue und benetzen dessen Spitze mit Kreide. Bernie richtet die Kugeln aus und lässt Irene anstoßen. Die Regeln sind beiden bekannt. Irene scheint schon öfter gespielt zu haben. Mit voller Wucht stößt sie die weiße Kugel in die anderen, die sich daraufhin in einem wilden Durcheinander auf dem Tisch verteilen. Eine, genau genommen die Rote Vollkugel, landet sogar in einem Loch und Irene strahlt. „Wenn das kein gutes Zeichen ist“, sagt sie und schaut Bernie dabei direkt in die Augen und lächelt. Gekonnt beugt sich die brünette Schönheit sodann über den Tisch und versenkt eine Zweite und auch noch ein Dritte ihrer Kugeln, bis sie schlussendlich an der Vierten scheitert. Bernie versucht es ihr gleichzutun, aber scheitert schon an der Ersten. Er ist hin und weg, von der Frau und auch ein bisschen vom Bier.

Irene gewinnt das Spiel locker…

Irene gewinnt das Spiel locker und auch das Zweite entscheidet sie deutlich für sich. Bernie ist es egal. Er muss hier nicht gewinnen. Er muss auch nicht auf dicke Hose machen und den Macho spielen. Es ist auch so alles stimmig, er weiß es, ohne groß darüber nachzudenken. Irene hat nun ihre Cola ausgetrunken und macht den Vorschlag, den Laden zu verlassen, um noch ein wenig zum nahegelegenen Spielplatz zu gehen. Langsam wird es dunkel draußen. Der Laden hat sich gefüllt. Es ist laut und es stinkt nach Qualm. Bernie willigt ein. Er würde alles machen, was Irene von ihm verlangt.

Gentlemanlike zahlt Bernie die Getränke von ihm und Irene. Auf ein Trinkgeld verzichtet er bewusst und lässt sich, vom böse dreinblickenden Wirt, auch die wenigen Pfennige Rückgeld auszahlen. Das zweite Bier hat er dann doch nicht mehr geschafft. Es steht noch immer unangetastet auf den kleinen, neben dem Billardtisch platziertem Stehtisch und auch der dicke Wirt machte bisher noch keine Anstalten es wegzubringen. Bernie stellt sich vor, wie einer der Säufer vom Tresen, sich das Getränk unbemerkt schnappen würde, wenn er vom Klo kommt. Die Tür, die dahin führt, befindet sich idealerweise direkt neben dem dudelnden Geldspielautomaten, an der Wand, hinter dem Billardtisch.

Ein letzte Mal glotzt der Wirt seiner Irene, beim Verlassen der Pinte…

Ein letztes Mal glotzt der Wirt seiner Irene, beim Verlassen der Pinte, auf den Arsch. Als die massive Tür endlich den Blick darauf verwehrt sind sie unter sich. Die Straße vor der Kneipe ist leer. Die Sonne ist bereits untergegangen. Auf dem Weg zum Spielplatz schweigen beide und schlendern nebeneinander den asphaltierten Weg entlang. Immer wieder berühren sich, rein zufällig, die Hände der beiden Teenager. Trotz des kalten Oktoberabends ist Bernie warm und er spürt wie ein kleiner Schweißtropfen an seinem Rücken hinunterläuft. Seine Hand zittert ein wenig, als er endlich all seinen Mut zusammennimmt und nach der Hand von Irene greift. Als er sie umschließt, treffen sich ein weiteres Mal die Blicke der beiden jungen Menschen und Irene lächelt ihn an. Schweigend gehen sie weiter und erreichen, Händchen haltend, den Spielplatz auf dem sich bereits ein weiteres Pärchen, küssend, auf der Bank gemütlich gemacht hat. Aus dem Blickwinkel erkennt Bernie, dass es Stefan, aus der Parallelklasse ist, der gerade die Lippen, der mit Pickeln übersäten, Kerstin liebkost.

Unbemerkt von dem Pärchen auf der Bank, gehen sie durch den Sand und erreichen das kleine Spielzeughaus mit rotem Dach und grünen, blauen und gelben Wänden. Der Einstieg ist so klein, das sich beide nur mühsam hindurchzwängen können. Als sie endlich drin sind und sich nebeneinander auf die kleine Sitzbank im inneren zwängen, begutachten sie ihre Liebeshöhle. Die Wände sind, überseht mit Sprüchen, Herzchen mit Buchstaben darin und auch ein riesiger, mit schwarzen Edding gezeichneter Penis prangt an der gelben Wand. Kichernd und feixend unterhalten sie sich über das Geschmiere an den Wänden und rätseln, mehr aus Verlegenheit als Interesse, welche Namen sich hinter den Buchstaben, in den viele Herzen verbergen. Als sie jeden Spruch kommentiert und für alle Herzen einen Künstler ernannt haben, ist es Irene die ihre Arme um die Schultern von Bernie legt. Augenblicklich drehen sich beide, wie von einer magischen Kraft angezogen, zueinander und ihre Gesichter sind nun nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt.

Bernie blickt in die tief braunen Augen von Irene…

Bernie blickt in die tief braunen Augen von Irene und ein merkwürdiges Kribbeln breitet sich in seinem Magen aus. Sollten das nun wirklich die Schmetterlinge im Bauch sein, von denen er schon so oft gehört und gelesen hatte? Ist er nun wirklich verliebt in das schönste Mädchen seiner Klasse, oder vielleicht sogar der gesamten Schule, oder ist er einfach nur nervös vor seinem ersten Kuss? Wahrscheinlich ist es Nervosität, denn das Gefühl in der Magengegend ist vergleichbar mit dem vor einen großen Tischtennis-Match, vor einer Klassenarbeit, oder vor einem verhassten Zahnarztbesuch. Gerne würde Bernie noch länger darüber nachdenken, doch es bleibt keine Zeit. Irene legt jetzt ihren Kopf ein wenig schief, öffnet ihre feuchten, vollen Lippen einen kleinen Spalt und nähert sich unweigerlich seinen eigenen.

Endlich berühren sich ihre Lippen und nach den ersten vorsichtigen, zaghaften Küssen entfacht ein Feuer der Leidenschaft, das die beiden Teenager fast um den Verstand bringt. Ein wahres Feuerwerk an Gefühlen explodiert in den Köpfen der jungen Menschen. Irenes Zunge ist nun fordernd und dringt langsam, aber unaufhaltsam, in den geöffneten Mund von Bernie ein. Ihre Zungen treffen sich und Bernies Magen schlägt Purzelbäume. Irenes Speichel schmeckt nach Cola und Pfefferminz-Bonbons und ist der absolut beste Geschmack, den Bernie je kostete. Bernie weiß es noch nicht, doch er wird ihn auch nach Jahren nicht aus dem Kopf bekommen. Eng um umschlungen, verschmolzen zu einem sich liebenden Pärchen, vergessen sie die Zeit und die Welt, um sie herum, verschwimmt zu einer undefinierbaren Masse.

Ihr Kuss ist lang, anhaltend und erfüllend…

Ihr Kuss ist lang, anhaltend und erfüllend. Bernies Herz rast wie verrückt. Irgendetwas, in seinem Gehirn, ist passiert. Etwas, das nun seine Hand unkontrolliert nach der unteren Öffnung von Irenes T-Shirt tasten lässt. Erstaunlich schnell findet diese den Eingang und die Fingerspitzen spüren die weiche, ein wenig verschwitze Haut, seiner Angebeteten. Vorsichtig berührt er den flachen Bauch von Irene, findet den Bauchnabel, den sein Zeigefinger kurz umkreist, um dann doch schnell weiter auf Entdeckungsreise zu gehen. Er spürt ein kurzes Beben von Irenes Körper und eine Gänsehaut, die sich bildet, als Bernies Hand immer weiter nach oben wandert. Als die Hand ihr unterbewusstes Ziel fast erreicht hat, die Fingerspitzen bereits die unteren, in dünnen Stoff eingefassten, metallenen Bügel des Büstenhalters ertasten, stößt Irene ihn plötzlich von sich und eine Ohrfeige landet krachend in seinem Gesicht. Erschrocken weicht Bernie zurück und ist sich bewusst, dass er zu weit gegangen ist. Traurig sucht er den Blick von Irene, die jedoch zu Boden schaut.

Es dauert einen Augenblick, bis er sich gesammelt hat. Er stammelt eine Entschuldigung, die kaum hörbar seinen Mund verlässt. Irene blickt nun wieder auf. Mit den großen tiefbraunen Augen, die er so mag, schaut sie ihn an. Im fahlen Licht der Straßenlaterne erkennt er in ihnen keine Verbitterung mehr. Langsam hebt sie sodann ihren Finger, legt ihn auf Bernies Mund und bringt ihn damit sanft zum Schweigen.

Die gewichtelte Schallplatte

Ich kann mich wage erinnern, an
einen Tag in der Schule.
Es war kurz vor Weihnachten und es
sollte gewichtelt werden.
Niemand sollte wissen von wem
er das kleine Präsent,
das sich im großen Sack aus
Jute befand bekam,
doch jeder wusste bescheid.

Ich kannte weder Tito noch Milošević.

Ich war aufgeregt, denn das für mich
vorgesehene Geschenk kam von
meinem Schwarm.
Sie kam aus aus Kroatien,
ist von dort geflüchtet.
Ich hatte keinen Plan, was sie
dazu veranlasste.
Ich kannte weder Tito noch Milošević.

Als ich an der Reihe war,
riss ich hastig das Papier, mit den
aufgedruckten Tannenzapfen auf.
Schüchtern blickte ich sie dabei an.
Ihre vollen Lippen formten sich,
ganz kurz, zu einem Lächeln.
Ich war hin und weg.

Erst zuhause begutachtete ich
mein Geschenk. Es war eine Single.
Schwarz wie die Nacht. Ich legte sie
auf und verstand kaum ein Wort.
Sprachlich völlig unbegabt, sagte mein
Englischlehrer immer und gab mir eine Fünf.
Es war mir egal. Phil hatte eine sanfte
Stimme und ich träumte von Ihr
während er unverständliche Worte
ins Mikrofon hauchte.

Die Scheibe lief rauf und runter
auf dem billigen Gerät aus der
Woolworth. Ich hörte sie Abends
und war im Gedanken bei ihr
Ich hörte sie morgens und freute
mich sie in der Schule zu sehen. Ich
hörte sie am Nachmittag und war
traurig, dass die Schule vorbei war.

Seine Zunge tanzte in ihrem Mund und
die Lippen, die mir bis dato so zugesagt hatten,
standen sperrangelweit auf.

Eines Nachmittags sah ich sie aus
der Ferne an der Bushaltestelle. Arm
in Arm mit einem Schönling,
aus der Oberstufe.
er hatte schwarze Haare und einen
Dreitagebart. Ich hatte einen Flaum.
Seine Zunge tanzte in ihrem Mund und
die Lippen, die mir bis dato so zugesagt hatten,
standen sperrangelweit auf.
Ihre Augen waren geschlossen.

Ich ging nach Hause. eine einzelne Träne
lief mir die Wange herab.
Daheim legte ich die Single auf. Ein
letztes mal. Phil Collins Stimme hatte
sich verändert. Sie klang wie
das Grunzen eines schwedischen Death Metal-
Sängers. Ich warf Sie in den Müll.

Jeden Tag musste ich sie sehen. Sie
saß mir in der Klasse direkt
gegenüber. Ich war niedergeschlagen
und sie überglücklich.
Blühte richtig auf und bekam, auf
einmal, gute Noten. Meine gingen
in den Keller
um Kohlen zu holen.

Die Monate vergingen. Auf dem
Schulhof stolzierten Sie händchenhaltend.
Zeigten ihr Glück und ihre Zähne. Dann
war sie auf einmal weg. Kam nie wieder,
die Schönheit, die vor
dem Krieg geflüchtet war. Sie verließ die
Schule ohne Abschluss. Hatte einen Braten
In der Röhre. Dick und saftig.

Ich trauerte ihr nicht nach. Aus
den Augen aus dem Sinn. Meine Noten
kamen von Unten, um ins
Sonnenlicht zu treten. Ich blühte auf und
zeigte meine schiefen Zähne.

Sie kannte weder Tito noch Milošević.

Ein paar Wochen
später, kam ein neues Mädchen in
unsere Klasse. Sie bekam den Platz von IHR.
Sie kam aus Serbien und wohnte
In einem Hochhaus. Hoch oben, in der 11. Etage.
Sie kannte weder Tito noch Milošević.

Wieder einmal sollte gewichtelt werden.
Ich half ein bisschen nach, das mir
die Schönheit aus Serbien zugeteilt
wurde. Ihre Augen waren tiefbraun,
wie die eines zarten Rehkitzes. Ich
kaufte ihr eine Single. Sie war tiefschwarz, von
Phil und hatte mir das Herz gebrochen.

Als der Tag kam, als sie das Papier, mit
den aufgedruckten Weihnachtsmännern abriss,
schaute ich ihr tief in die Rehaugen. Sie blickte
mich schüchtern an und lächelte. Sie
war hin und weg. Auf dem
Weg nach Hause, machte ich
einen Abstecher in die Drogerie. Ich
kaufte eine Packung Kondome. Bunt und
mit Geschmack.